Theorien des Geistes: Funktionalismus, Identität, Turing & Modelle

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Pop-Psychologie

Pop-Psychologie erklärt das Verhalten von Agenten durch mentale Zustände. Die populäre Psychologie ist die am weitesten verbreitete Art, Verhalten zu erklären. Fodor verteidigt drei Gründe zur Stützung dieser Theorie:

  • Heuristischer Wert: Es ist nützlich, Verhalten von Menschen aus ihren Absichten abzuleiten; so können wir Rückschlüsse auf Handlungen ziehen.
  • Erklärungsfunktion von Überzeugungen: Überzeugungen und Wünsche erklären, wie sie interagieren und Verhalten verursachen.
  • Kausale Verkettung: Verhalten einer Person wird als Ergebnis einer Kette von mentalen Ereignissen verstanden.

Beschreibung einer Turing-Maschine

Eine Turing-Maschine ist ein ideales Rechenmodell. Sie stellt einen Algorithmus mit zwei grundlegenden Aspekten dar: ihr Gedächtnis ist (theoretisch) unbegrenzt, und sie macht unter idealisierten Bedingungen keine Fehler. Dieses Modell dient dazu, die Grundlagen der Berechenbarkeit und algorithmischen Verarbeitung zu analysieren.

Zentrale Thesen der Turing-Analyse

These 1: "Jedes Problem, das algorithmisch lösbar ist, kann durch einen Algorithmus gelöst werden." Berechnung wird dabei verstanden als Manipulation von Symbolen nach formalen Regeln. These 2 bezieht sich auf die Folgen dieser Auffassung für die Philosophie des Geistes und wird in der Literatur als Ergänzung und Konkretisierung der ersten These diskutiert.

Zentrale These des Funktionalismus

Der Funktionalismus versteht mentale Zustände über ihre funktionale Rolle. Er ist innerhalb der Philosophie des Geistes ein Versuch, Probleme der Wissensrepräsentation und Klassifikation zentraler mentaler Zustände zu lösen. Eine funktionalistische Doktrin besagt, dass mentale Zustände nicht notwendigerweise durch spezifische physikalische oder chemische Eigenschaften charakterisiert werden müssen. Stattdessen werden mentale Zustände durch ihre kausalen Rollen auf einer übergeordneten Ebene beschrieben.

Die Funktionalität der Pop-Psychologie sieht propositionale Einstellungen (z. B. Glauben, Wünsche) als die Grundlage für die Erklärung des Verhaltens eines Agenten. Jeder Glaube kann als propositionale Einstellung und damit als Teil des psychologischen Zustands einer Person analysiert werden. Eine verbreitete funktionalistische Auffassung ist, mentale Zustände mit computationalen Zuständen eines Systems zu identifizieren. Das Ergebnis ist, dass ein mentaler Zustand nicht notwendigerweise an eine einzige konkrete Maschinenzustandsbeschreibung gebunden ist; eine Funktion kann auf verschiedenen physischen Systemen ausgeführt werden (multiple Realisierbarkeit).

Identitätstheorie: Geist und Gehirn

Die Verteidiger der Identitätstheorie behaupten, mentale Zustände und Prozesse seien identisch mit Zuständen und Prozessen im Gehirn. Mentale Ereignisse sind demnach physisch und entsprechen bestimmten neuronalen Vorgängen. Diese Position ist eine Form des reduktionistischen Physikalismus: Man prüft, ob psychologische Zustände und Prozesse auf biologische Zustände reduziert werden können und ob sie durch naturwissenschaftliche Gesetze beschrieben werden können. Philosophen, die die Identitätstheorie akzeptieren, vertreten in der Regel einen physikalistischen Standpunkt.

Logische Kritik an der Identitätstheorie Geist/Gehirn

Eine streng logische Identität wird durch das Identitätsgesetz geregelt: Wenn x und y alle Eigenschaften gemeinsam haben, dann sind sie identisch. Kritiker argumentieren, dass mentale Zustände Eigenschaften haben können, die nicht offensichtlich zur physikalischen Beschreibung passen. Daraus folgt die Behauptung, dass eine direkte Identifikation aller mentalen Eigenschaften mit physischen Eigenschaften problematisch ist.

Metaphysische Kritik der Identitätstheorie

Die metaphysische Kritik beruht auf der Vorstellung der multiplen Realisierbarkeit: Mentale Zustände sind nicht notwendigerweise an eine einzige physikalische Realisierung gebunden. Ein mentaler Zustand kann durch verschiedene neuronale Zustände realisiert werden. Deshalb ist es plausibel zu behaupten, dass zwei Subjekte denselben mentalen Zustand haben können, obwohl ihre zugrundeliegenden physischen Zustände unterschiedlich sind. Diese Beobachtung wird oft als ein zentrales Argument gegen eine einfache Identität von Geist und Gehirn angeführt.

Unterschiede zwischen klassischen und konnektionistischen Modellen

In klassischen (symbolverarbeitenden) Computationalmodellen werden Zustände als diskrete Symbole beschrieben, die durch Manipulation von Regeln verarbeitet werden. Konnektionistische Systeme (neuronale Netze) sind dagegen durch vernetzte Strukturen charakterisiert, die von Entwürfen des Gehirns inspiriert sind. Während klassische Modelle auf symbolischer Manipulation basieren, arbeiten konnektionistische Modelle mit verteilten Repräsentationen und adaptiven Gewichtungen, die Lernen und Robustheit gegenüber Störungen unterstützen.

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