Theorien der motorischen Kontrolle und des Lernens

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Theorien der motorischen Kontrolle

Reflex-Theorie

  • Theorie: Reflexe sind die Bausteine komplexen Verhaltens. Sie arbeiten zusammen oder nacheinander, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Die Konzeption eines Reflexes erfordert drei unterschiedliche Strukturen: einen Rezeptor (Empfänger), eine Leitungsbahn und einen Effektor.
  • Einschränkungen: Der Reflex kann nicht als alleinige Grundeinheit des Verhaltens betrachtet werden. Eine Folge von Reflexen erklärt nicht die Fähigkeit, spontane Bewegungen zu produzieren.
  • Klinische Implikation (KI): Das motorische Verhalten des Patienten sollte in Bezug auf die An- oder Abwesenheit von Reflexen interpretiert werden.

Hierarchische Theorie

  • Theorie: Diese besagt, dass das Gehirn eine hierarchische Kontrolle ausübt (obere, mittlere und untere Ebene), entsprechend den Bereichen des motorischen Kortex, des Hirnstamms und des Rückenmarks.
  • Einschränkungen: Sie kann die Dominanz von Reflexverhalten bei gesunden Erwachsenen in bestimmten Situationen nicht erklären.
  • Klinische Implikation (KI): Viele Ärzte nutzen diese Organisation, um Reflexanomalien als Erklärung für motorische Störungen bei neurologischen Patienten heranzuziehen.

Motorische Programmierungstheorie

  • Theorie: Sie nutzt den Begriff „motorisches Programm“, um einen zentralen Mustergenerator (Central Pattern Generator) zu identifizieren – eine spezifische neuronale Schaltung, wie sie beispielsweise das Gehen bei einer Katze ermöglicht.
  • Einschränkungen: Das Programm kann nicht als einzige Determinante des Handelns betrachtet werden.
  • Klinische Implikation (KI): Sie erlaubt es Ärzten, über einfache Erklärungen der Motorsteuerung hinauszugehen. Die Analysen wurden erweitert, um abnormale Bewegungen auch auf Probleme in zentralen Mustergeneratoren oder übergeordneten motorischen Programmen zurückzuführen.

Systemtheorie

  • Theorie: Erklärt die Systeme, die den Körper bewegen, unter Berücksichtigung externer und interner Kräfte.
  • Einschränkungen: Vernachlässigt oft den Ansatz der Interaktion des Organismus mit der Umwelt.
  • Klinische Implikation (KI): Schlägt vor, dass Bewertung und Behandlung nicht nur auf die Schwächen einzelner Systeme abzielen sollten, sondern auf die Interaktion verschiedener Systeme, die die Motorsteuerung beeinflussen.

Dynamische Systemtheorie

  • Theorie: Dieses Modell schlägt vor, dass die zugrunde liegende Bewegung das Ergebnis der Interaktion von physischen und neuronalen Komponenten ist.
  • Einschränkungen: Die Annahme, dass das Nervensystem fast unbedeutend sei und primär die Beziehung zwischen dem physikalischen System des Tieres und der Umwelt das Verhalten bestimme.
  • Klinische Implikation (KI): Wenn Ärzte die physikalischen und dynamischen Eigenschaften des menschlichen Körpers besser verstehen, können sie diese nutzen, um Patienten bei der Wiedererlangung der Motorsteuerung zu helfen.

Ökologische Theorie

  • Theorie: Sie betont die Rolle des Nervensystems als sensorisch-motorisches System, das auf Umgebungsvariablen reagiert. Das System passt Aktionen aktiv an, indem es die Umwelt erkundet, um eigene Ziele zu erreichen.
  • Einschränkungen: Es wird tendenziell weniger Gewicht auf die interne Organisation und Funktion des Nervensystems gelegt.
  • Klinische Implikation (KI): Beschreibung des Individuums als aktiver Forscher der Umwelt.

Fazit: Welche Theorie ist die beste?

Wie man unschwer erkennen kann, gibt es keine einzelne Theorie, die alle Aspekte abdeckt. Wir glauben, dass die beste Theorie eine ist, die Elemente aus allen vorgestellten Modellen kombiniert. Eine vollständige oder integrierte Theorie erkennt die bekannten Elemente der motorischen Kontrolle an und lässt Raum für Unbekanntes. Jede aktuelle Theorie ist in gewisser Weise unvollständig, da stets Raum für Überprüfungen und neue Informationen bleiben muss.

Motorisches Lernen und Funktionswiederherstellung

  • Lernen: Der Erwerb und/oder die Änderung motorischer Bewegungen.
  • Wiederherstellung der Funktion: Der Wiedererwerb verloren gegangener Bewegungsfähigkeiten.

Verbindungen zwischen Umsetzung und Lernen

  • Lernen: Eine dauerhafte Veränderung des motorischen Verhaltens.
  • Umsetzung (Performance): Eine vorübergehende Veränderung des motorischen Verhaltens.

Faktoren, die das Lernen beeinflussen

Feedback (Rückmeldung):

  • Intrinsisches Feedback: Eigenwahrnehmung der Person.
  • Extrinsisches Feedback: Ergänzende Verstärkung von außen.
  • Kenntnis der Ergebnisse: Information über den Erfolg der Handlung.

Bedingungen für die Praxis

  • Massierte Praxis vs. verteilte Praxis
  • Konstante Praxis vs. variable Praxis
  • Zufällige Praxis vs. geblockte Praxis
  • Ganzheitliches Training vs. Teil-Training
  • Transfer und mentales Training

Wiederherstellung der Funktion

  • Funktion: Komplexe Tätigkeit des gesamten Körpers, die auf ein zielgerichtetes Verhalten ausgerichtet ist.
  • Recovery (Wiederherstellung): Wiedererlangung verlorener Funktionen nach einer Verletzung.

Wiederherstellung vs. Kompensation

  • Kompensation: Verhaltenssubstitution, d. h. der Einsatz alternativer Strategien, um Aktivitäten auszuführen (z. B. Greifen durch alternative Bewegungsabläufe).
  • Wiederherstellung (Recovery): Das Erreichen der Funktion durch den ursprünglichen Prozess.

Faktoren für die Wiederherstellung der Funktion

  • Alter und Merkmale der Aufgabe
  • Neuroprotektive Faktoren vor der Verletzung
  • Faktoren nach der Verletzung (Medikamente, neurotrophe Faktoren, Bewegung, Training)

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