Thomas von Aquin: Philosophie, Glaube und Aristoteles

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Die Philosophie des Mittelalters im Spannungsfeld der Macht

Die gesamte europäische Philosophie des Mittelalters war tief geprägt vom Machtkampf zwischen Papsttum und Kaisertum – den beiden Großmächten, die die Kontrolle über die zerstückelten Überreste des Heiligen Römischen Reiches beanspruchten. Es heißt, dass die Kontroverse über das Verhältnis von Glaube und Vernunft ab dem zehnten Jahrhundert lediglich die philosophische und theologische Seite dieser politischen Auseinandersetzung darstellte.

Glaube, Vernunft und politische Macht

Die philosophischen Strömungen jener Zeit spiegelten die politischen Fronten wider:

  • Jene, die die Philosophie als „Magd der Theologie“ betrachteten, unterstützten meist die päpstliche Macht gegenüber dem Kaiser.
  • Andere Strömungen argumentierten für eine stärkere Autonomie des Kaisers gegenüber dem Papst.

Obwohl die Konflikte zu Lebzeiten des heiligen Thomas von Aquin (1225–1274) nicht mehr die Virulenz der Vergangenheit aufwiesen, brach der Streit erneut aus, als Papst Gregor IX. Kaiser Friedrich II. exkommunizierte, da dieser sich weigerte, einen versprochenen Kreuzzug anzuführen. Thomas von Aquin zielte in seinem Werk darauf ab, eine Harmonie zwischen Philosophie und Religion zu schaffen – eine natürliche Theologie, die in eine Übereinkunft zwischen päpstlicher und kaiserlicher Macht münden sollte.

Die Wiederentdeckung des Aristoteles

Zu Zeiten des Thomas von Aquin gelangten frühe Ausgaben der Physik und Metaphysik des Aristoteles nach Europa. Diese waren dank der arabischen Tradition, insbesondere durch die Toledo-Übersetzerschule, bewahrt worden. Die Werke enthielten zudem Kommentare des arabischen Philosophen Averroes, der den Geist und Buchstaben des Aristoteles präzise interpretierte.

Aristoteles an den Universitäten

Der Erfolg dieser Schriften war unter den Studenten der neu gegründeten Universitäten sofort spürbar, da Aristoteles bis dahin nur durch seine Logik bekannt war. Die religiösen Autoritäten betrachteten diese neuen Strömungen aus der Hand der „ungläubigen Mauren“ zunächst mit Misstrauen. Nach einer tieferen Auseinandersetzung mit den Schriften wuchs die Feindseligkeit, und die Werke sowie die Kommentare wurden zeitweise verboten. Dies führte zu Studentenaufständen und machte das Denken des Aristoteles nur noch populärer.

Die Christianisierung des Aristoteles durch Thomas von Aquin

Albert der Große versuchte bereits, Aristoteles für die christliche Philosophie zu erschließen. Sein Schüler Thomas von Aquin vollendete diese Aufgabe jedoch so perfekt, dass er von den kirchlichen Behörden zum „Heiligen Doktor der Kirche“ und zum offiziellen Theologen der katholischen Welt ernannt wurde. Aristoteles galt fortan als „Der Philosoph“ oder „Meister der Wissenden“.

Die Werke des Thomas von Aquin

Das umfangreiche Werk des Thomas von Aquin lässt sich in drei Gruppen unterteilen:

  1. Die Summen (Summae)
  2. Die Kommentare zu Aristoteles
  3. Die strittigen Fragen (Quaestiones disputatae)

Seine beiden bekanntesten Werke sind die Summa theologica und die Summa contra Gentiles.

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