Thomas von Aquin: Philosophie, Glaube und Gottesbeweise
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Historischer Kontext von St. Thomas von Aquin
Das Christentum versuchte seit dem neunten Jahrhundert, ganz Europa unter einer politischen Macht (der Regel) und einer Religion (dem Christentum) zu vereinen.
Das 12. Jahrhundert: Jahrhundert der Universitäten
Universitäten waren die Institutionen der Kirche, in denen die Lehrer in Berufsverbänden organisiert waren und über eigene Gesetze sowie Privilegien verfügten. Normalerweise gab es vier Fakultäten:
- Kunst: Techniken und Dekrete
- Recht: (Rechtswissenschaften)
- Physik: (Medizin)
- Theologie: (die prestigeträchtigste Fakultät)
Papsttum und der Niedergang des Reiches
In dieser Zeit kam es zur Ausbildung nationaler dynastischer Monarchien.
Das Jahrhundert der Städte
Entstehung von Stadtstaaten, insbesondere in Norditalien.
Soziokultureller Kontext
Die feudale Gesellschaft der Vorrenaissance
Die Gesellschaft gliederte sich in Adel, Bürgertum und Bauernstand.
Einfluss der Kirche in allen Aspekten des Lebens
Besonders prägend waren die Bettelorden: die Franziskaner und die Dominikaner.
Das Jahrhundert der Kathedralen
Die Architektur war durch die Gotik geprägt.
Schulen von Übersetzern
Wichtige Zentren befanden sich in Toledo, Barcelona und Tarragona.
Philosophischer Kontext
Die scholastische Methode
Die Methode umfasst:
- Exposition gegenüber dem entgegengesetzten Standpunkt, den man widerlegen möchte.
- Präsentation der zu verteidigenden These.
- Argumente, welche die These unterstützen, und die Widerlegung der Gegenargumente.
Zwei grundlegende Probleme
- Das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft.
- Die Existenz von Universalien (die Frage nach den platonischen Universalideen).
Wiederentdeckung der aristotelischen Philosophie
Die Rolle des Aristoteles im Glauben wurde durch verschiedene Denker vermittelt:
- Averroes im Islam.
- Maimonides im Judentum.
- Thomas von Aquin im Christentum.
Aristoteles fand so Einzug in die Universität und die Kirche.
Körper, Geist und Seele
Basierend auf der aristotelischen Theorie wird der Mensch als eine Einheit aus Körper und Seele definiert. Die Seele ist das belebende Prinzip und die Spezifikation. Der Körper ist das Individuationsprinzip. Die Seele ist einfach, immateriell sowie unsterblich und hat ihren Ursprung in Gottes Schöpfung.
Beim Menschen gibt es nicht drei Seelen, sondern nur eine einzige, die vernünftig (formal) ist, aber auch potenziell sensitiv und vegetativ. Die Seele ist mit Verstand und Willen begabt, deren natürliche Tendenz jeweils zum Wahren und zum Guten strebt. Gemäß der heiligen Natur des Menschen besteht dieser aus Leib und Seele. Der Mensch ist nicht nur Seele; der Körper ist ebenfalls ein Teil seines Wesens, da er zusätzlich zum Begreifen auch fühlt und spürt – es handelt sich nicht um eine rein seelische Operation.
Theorie des Wissens (Erkenntnistheorie)
St. Thomas befasste sich nicht speziell mit der Entwicklung einer isolierten Erkenntnistheorie. Wie in der klassischen Philosophie stellt sich das Problem des Wissens im Kontext anderer Probleme dar. Im Fall von St. Thomas sind diese Probleme vor allem theologisch und psychologisch.
All unser Wissen beginnt mit den Sinnen. Thomas von Aquin stimmt hier mit dem aristotelischen Standpunkt überein und lehnt die Lehre von den angeborenen Ideen oder getrennten Formen ab. Die Seele hat bei der Geburt des Menschen keine eingeprägten Inhalte. Das Wissen um Objekte entsteht durch die Aktivität der Sinnesorgane. Die Erkenntnis ist eine Handlung des gesamten Menschen (Körper und Seele) und nicht nur der Seele, wie Platon dachte.
Für das Wissen ist daher die gemeinsame Aktion von beiden notwendig; die Möglichkeit einer reinen Anschauung direkt durch die Intelligenz ohne Objekt ist ausgeschlossen. Thomas übernimmt die Erklärung des Wissens von Aristoteles: Der eigentliche Gegenstand der intellektuellen Erkenntnis ist das Universale, das jedoch nur in der Substanz erfasst werden kann. Daher muss die Substanz als spezifische und individuelle Einheit mit den Sinnen erfasst werden.
Diese primäre Aktivität wird durch die Sinne durchgeführt, die in Zusammenarbeit mit der Phantasie und dem Gedächtnis ein sinnliches Bild des Stoffes produzieren. Der intellectus agens wirkt auf dieses Bild ein, indem er es abstrahiert. Die Folge ist die Notwendigkeit, die sinnliche Erfahrung als Ausgangspunkt allen Wissens zu nehmen. Auch in der Erkenntnis göttlicher Dinge nutzt St. Thomas die A-posteriori-Methode als Beweis für die Existenz Gottes durch die fünf Wege.
Gliederung der Beweise
- Präsentation einer Erfahrungstatsache.
- Die Unmöglichkeit unendlicher Ketten.
- Schlussfolgerung: „Das ist es, was wir alle Gott nennen.“
Die fünf Wege (Gottesbeweise)
1. Der Weg der Bewegung (via moventis)
Alles, was sich bewegt, wird von etwas anderem bewegt. Es ist unmöglich, dass ein Ding gleichzeitig Beweger und Bewegtes ist. Da eine unendliche Kette ausgeschlossen ist, ist ein erster Beweger (reiner Akt) notwendig.
2. Der Weg der Wirkursache (via efficientis)
In der materiellen Welt gibt es eine Ordnung der Wirkursachen. Nichts kann die Ursache seiner selbst sein, da es sonst vor sich selbst existieren müsste. Es ist daher notwendig, eine erste Wirkursache zuzulassen.
3. Der Weg der Kontingenz
In der Natur gibt es Dinge, die sein können oder nicht sein können (sie entstehen und vergehen). Es ist unmöglich, dass alles nur kontingent ist. Es muss ein notwendiges Wesen existieren, das seine Notwendigkeit nicht von einem anderen hat.
4. Der Weg der Vollkommenheit
Wesen besitzen Qualitäten in größerem oder kleinerem Ausmaß. Dies setzt ein Maximum voraus. Es muss ein Wesen geben, das alle Vollkommenheiten in sich vereint.
5. Der Weg der Finalität (Zweckmäßigkeit)
In der Natur gibt es Wesen ohne Erkenntnis, die dennoch zielgerichtet handeln. Dies ist nur möglich, wenn sie von einem intelligenten Wesen geleitet werden. Dies ist das, was wir alle Gott nennen.