Thomas von Aquin: Philosophie, Metaphysik und Theologie

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Vernunft und Glaube

Glaube und Vernunft sind zwei gleichwertige Erkenntnisfähigkeiten, die sich jeweils mit ihrem eigenen Bereich befassen.

  • Die Wahrheiten des Glaubens erkennen wir durch die Offenbarung.
  • Die Wahrheiten der Vernunft erkennen wir durch logische Begründung.

Thomas von Aquin bezeichnete bestimmte Wahrheiten als Präambeln des Glaubens. Auf diesem gemeinsamen Boden gilt: Wenn Glaube und Vernunft in Konflikt geraten, hat der Glaube Vorrang. Stehen Philosophie und Theologie in diesem Bereich im Konflikt, so hat die Theologie stets Vorrang. Dies ist unbestreitbar und weiter ausbaufähig.

Metaphysik

Thomas von Aquin vertritt eine monistische Sicht der Wirklichkeit: In jedem natürlichen Ding gibt es etwas Bleibendes, aber es gibt keine zwei Welten, sondern nur diese eine.

Substanz und Akzidens

In jedem natürlichen Ding lassen sich Substanz und Akzidenzien unterscheiden.

  • Die Substanz ist das, was für sich selbst existiert.
  • Das Akzidens ist etwas, das in einem anderen existiert.

Die Substanz wiederum besteht nach der hylemorphem Theorie aus Materie und Form (Wesen).

Akt und Potenz

Jedes Ding in dieser Welt befindet sich gleichzeitig in zwei Zuständen: im Akt und in der Potenz.

  • Akt: Das, was jetzt ist und jetzt wirkt.
  • Potenz: Die Fähigkeit, etwas zu sein oder zu werden.

Analogie des Seins

Es bedeutet, dass etwas in ähnlicher Weise ausgesagt wird. Prädikation ist eine individuelle Eigenschaft. Ähnlich zu sein bedeutet, in Teilen gleich und in Teilen verschieden zu sein.

Essenz und Existenz

Essenz: Die Gesamtheit der Merkmale, die ein Ding zu dem machen, was es ist, und nichts anderem. Sie kann im Akt (existierend) oder in der Potenz (möglich) sein. Dies trifft auf kontingente Wesen zu, die existieren können oder auch nicht. Andere Wesen sind notwendig, immer existent, reiner Akt.

Physik: Die hylemorphe Theorie

Die Physik untersucht die natürlichen Elemente. Nach der hylemorphem Theorie besteht jedes natürliche Element aus Materie und Form. Es gibt keine Materie ohne Form und keine Form ohne Materie. Ein natürliches Element zeichnet sich dadurch aus, dass es mit Bewegung ausgestattet ist (der Übergang von der Potenz zum Akt).

Es gibt zwei Arten von Bewegung:

  • Substanzielle Bewegung: Betrifft die Substanz selbst.
    • Geburt
    • Tod
  • Akzidentelle Bewegung: Betrifft die Akzidenzien.
    • Quantitative Veränderung (Wachstum, Abnahme)
    • Qualitative Veränderung (Veränderung der Eigenschaften)
    • Lokale Veränderung (Ortsveränderung)

Anthropologie

Die wesentliche Einheit des Menschen

Wie schon Aristoteles vertritt auch Thomas von Aquin eine monistische Sicht des Menschen. Der Mensch ist eine wesentliche Einheit aus einem materiellen Element (Körper) und einem formalen Element (Seele). Es gibt keinen Körper ohne Seele und keine Seele ohne Körper. Die Seele ist jedoch ein eigenständiges, subsistierendes Element, das auch nach dem Tod des Körpers bestehen bleibt, da sie ein immaterielles Element ist, das fähig ist, alles zu erkennen und sich vom Körper zu unterscheiden. So bleibt sie bei Gott.

Im Gegensatz zu Aristoteles, für den die Seele sterblich war, ist die Seele für Thomas von Aquin unsterblich, ein subsistierendes Element und daher ewig.

Die Seele besitzt drei Vermögen (Fähigkeiten):

  • Vegetatives Vermögen: Gemeinsam mit allen Lebewesen (z.B. Wachstum, Ernährung).
  • Sensitives Vermögen: Gemeinsam mit den Tieren (z.B. Wahrnehmung, Bewegung).
  • Intellektives Vermögen: Eine Eigenschaft, die dem Menschen eigen ist (z.B. Denken, Wille).

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