Tiefenpsychologie: Jung und Freud im Vergleich
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Das kollektive Unbewusste nach Carl Jung (1875–1961)
Das kollektive Unbewusste umfasst alles, was nicht im Bewusstsein präsent ist, aber potenziell bewusst werden kann.
Struktur des Unbewussten
- Persönliches Unbewusstes: Beinhaltet Erinnerungen und verdrängte Inhalte. Im Gegensatz zu Freud liegt der Fokus hier nicht primär auf den Instinkten.
- Kollektives Unbewusstes: Ein evolutionäres Produkt, das universelles, geteiltes Wissen enthält, das uns nicht direkt bewusst ist. Es beeinflusst unsere Erfahrungen und Verhaltensweisen indirekt und emotional.
Archetypen
Archetypen sind mythologische Urbilder und angeborene organisierende Prinzipien. Sie helfen uns, auf Reize zu reagieren.
- Archetypische Mutter: Ein abstraktes Konzept, das uns befähigt, Mutterschaft zu erkennen und mit ihr zu interagieren (oft personifiziert, z. B. durch die Madonna).
- Schatten: Die dunkle Seite des Selbst, die Sexualität und Instinkte umfasst. Er ist weder gut noch schlecht, sondern enthält alles, was wir an uns ablehnen.
- Persona: Unser öffentliches Image, das wir im Laufe der Entwicklung bewusst steuern.
- Anima/Animus: Die weibliche Komponente im Unbewussten des Mannes (Anima) und die männliche Komponente im Unbewussten der Frau (Animus).
- Das Selbst: Die Integration aller Persönlichkeitsaspekte. Das Ziel ist die Individuation – die Verwirklichung der Ganzheit durch die Synthese von Bewusstem und Unbewusstem.
Psychoanalyse nach Sigmund Freud (1856–1939)
Ebenen des Geistes
- Bewusstsein: Alles, was wir in einem bestimmten Moment wahrnehmen.
- Vorbewusstes: Erinnerungen, die bei Bedarf ins Bewusstsein gerufen werden können.
- Unbewusstes: Sitz der Triebe und Wünsche; Quelle unserer Motivation, die oft nur in Träumen sichtbar wird.
Triebtheorie
- Lebenstriebe (Eros): Dienen dem Überleben und der Fortpflanzung.
- Geschlechtstrieb: Umfassende körperliche Impulse, die in der Pubertät für die Fortpflanzung reifen.
- Libido: Die Energie des Lebenstriebs. Wenn diese nicht erfüllt wird oder Konflikte entstehen, kann sich ein Druck aufbauen, der zu abnormalem Verhalten führt.
- Todestriebe (Thanatos): Der unbewusste Wunsch zu sterben, der sich oft in aggressivem oder selbstzerstörerischem Verhalten äußert.
Instanzmodell
- Es: Sitz der primitiven Instinkte, arbeitet nach dem Lustprinzip ohne logische Organisation.
- Ich: Entwickelt sich mit dem Erwachsenwerden und der Realitätswahrnehmung. Es arbeitet nach dem Realitätsprinzip und nutzt sekundäre Denkprozesse (rational und organisiert).
- Über-Ich: Repräsentiert Werte, Normen und Richtlinien. Es reguliert das Ich; bei Verstößen entstehen Schuldgefühle.