Toxikologie: Heroin, Kokain und Benzodiazepine

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Ätiologie des plötzlichen Todes bei Drogenabhängigkeit

Überdosierung: Eine tödliche Dosis liegt bei 100–200 mg bei intravenöser Verabreichung; bei oraler Gabe ist die Dosis doppelt so hoch. Beispiel: Wenn bei reinem Heroin die gleiche Dosis wie bei verunreinigten Rohstoffen verabreicht wird, führt dies häufiger zum Tod.
Vergiftung: Existenz eines Giftes als Streckmittel (Adulterant), ob absichtlich oder unabsichtlich.
Verringerte Toleranz: Nach Ablauf einer Abstinenzphase wird die zuvor gewohnte Dosis nicht mehr toleriert. Hierbei spielt eine starke psychologische Komponente eine Rolle.
Überempfindlichkeit: Ausgelöst durch eine anaphylaktische Reaktion. Das Subjekt gewöhnt sich an eine bestimmte Zusammensetzung des Produkts; nach Beendigung der Einnahme kann eine allergische Sensibilisierung gegenüber diesen Komponenten auftreten.

Toxizität von Kokain

Akute Kokainvergiftung

Eine niedrige Dosis verursacht Euphorie, sexuelle Stimulation, erhöhte körperliche Leistungsfähigkeit, psychisches Wohlbefinden und Hyperaktivität. Eine intravenöse Gabe kann zu spontaner Ejakulation führen.
Eine durchschnittliche Dosis führt zu Tachykardie, Hypertonie, Hyperthermie, Mydriasis, Zittern, Schwitzen, Halluzinationen und dem sogenannten Magnan-Zeichen.

Symptome bei hohen Dosen

  1. Frühe Stimulation: Unruhe, Reizbarkeit, Halluzinationen, Kopfschmerzen, Erbrechen, Tachykardie, Hyperthermie und Bluthochdruck.
  2. Fortgeschrittene Stimulation: Krampfanfälle, schwere Hypertonie, Kollaps, Hyperreflexie, unregelmäßige Atmung und Tod.
  3. Depression: Muskelschwäche, fehlende Reflexe, Stupor, Koma, Herzstillstand und Tod.

Es können psychiatrische Komplikationen manischen Typs auftreten. Wenn die Euphorie verschwindet, folgen häufig Depressionen, Konzentrationsunfähigkeit, Apathie, Melancholie und Aggression. Eine Überdosierung kann zu Hirnblutungen und Schlaganfällen führen.

Chronische Kokaintoxizität

Symptome umfassen Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust sowie schwere nervöse und psychische Störungen. Es treten große Erregbarkeit, Stimmungsschwankungen und paranoide Zustände einer Psychose mit Halluzinationen und Verfolgungswahn auf. Zudem können Ulzera und Perforationen der Nasenscheidewand aufgrund der anhaltenden Vasokonstriktion entstehen.

Benzodiazepine: Pharmakologie und Toxizität

Benzodiazepine erschienen in den 1960er Jahren in Apotheken und waren für 40 % der Medikamentenvergiftungen verantwortlich. Sie besitzen eine hohe Sicherheit, verstärken jedoch die Wirkung anderer psychodepressiver Medikamente. Der therapeutische Einsatz und Vergiftungen treten häufiger bei Frauen auf.

Metabolismus und Verteilung

Die Toxizität erfolgt durch orale Absorption, Kindersicherung oder rektale Gabe. Im Darm und Blut findet eine Hydrolyse statt, die sie in den aktiven Metaboliten Nordiazepam umwandelt. Der Wirkstoff wird schnell im Körper verteilt, durchquert die Plazentaschranke sowie die Blut-Hirn-Schranke und geht in die Muttermilch über. Die Metabolisierung erfolgt in der Leber durch Dealkylierung, Hydroxylierung und Glucuronid-Konjugation. Die Metaboliten werden im Urin ausgeschieden.

Klassifikation nach Wirkungsdauer

  • Lang wirkend: Halbwertszeit (T1/2) > 24 Stunden (z. B. Diazepam).
  • Mittellang wirkend: T1/2 6 bis 24 Stunden (z. B. Oxazepam).
  • Kurz wirkend: T1/2 < 6 Stunden (z. B. Midazolam).

Klinische Symptome

Die Symptome bei akuten Vergiftungen ähneln denen von Barbituraten, sind jedoch weniger auffällig. Aufgrund der weiten therapeutischen Breite sind isolierte Vergiftungen sehr selten tödlich. Symptome sind Schläfrigkeit, Apathie, Ataxie und Dysarthrie. Es kann zu tiefem Koma, Hypotonie und Atemdepression kommen. Der Zustand normalisiert sich meist nach 24 Stunden, wobei Metaboliten noch tagelang im Blut nachweisbar bleiben.

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