Die Transzendentale Dialektik Kants: Vernunft, Ideen und Fehlschlüsse
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Die Transzendentale Dialektik Kants
Um über die Transzendentale Dialektik zu sprechen, müssen wir zunächst den Gebrauch der Vernunft betrachten. Die Vernunft verfolgt zwei klare Ziele:
Der Gebrauch der Vernunft: Theoretisch und Praktisch
- Theoretischer Gebrauch: Ähnlich der wissenschaftlichen Nutzung dient er dazu, Dinge zu erkennen und Erfahrung zu organisieren.
- Praktischer Gebrauch (Moralisch): Dieser erfolgt auf zwei Ebenen (Vernunft- und Verstandesebene). Er lehrt den Menschen, was er mit seiner Freiheit tun soll, und wie er sein sollte (im Gegensatz zur bloßen Beschreibung dessen, was ist).
Die Suche nach dem Unbedingten: Ideen der reinen Vernunft
Bisherige Erkenntnisse:
- Die Sinnlichkeit synthetisiert die Eindrücke von Objekten.
- Der Verstand fasst die Gegenstände unter Begriffe und bildet Urteile.
Es liegt jedoch in der Natur der Vernunft, eine absolute Grundlage für die Erfahrung, das Unbedingte, zu suchen. Die Vernunft strebt nach der allgemeinstmöglichen Synthese, um breitere Beziehungen zwischen Urteilen herzustellen. Hierin liegt die Begründung, deren einfachste Form der Schluss ist:
„Alle Menschen sind sterblich“ + „Caius ist ein Mensch“ = „Caius ist sterblich“
Dieser Prozess strebt danach, die gesamte Erfahrung zu umfassen, bis die absolute Grundlage gefunden ist. Wir wissen jedoch, dass dieser Prozess unerreichbar ist, da jede bedingte Erkenntnis von einer früheren, abhängigen Erkenntnis vorausgesetzt wird.
Die wesentliche Funktion der Vernunft ist die Einheit der gesamten Erfahrung. Sie vollzieht „Sprünge“ (das Versäumnis, die notwendigen Voraussetzungen zu erfüllen) und vereint:
- Alle innere Erfahrung unter dem Begriff der Seele.
- Alle äußere Erfahrung unter dem Begriff der Welt.
- Die gesamte mögliche Erfahrung unter der Vorstellung von Gott.
Kants Dreiteilung der Ideen und Urteile
Kant begründet diese Dreiteilung durch die drei Arten von Urteilen nach ihrer Relation: kategorische, hypothetische und disjunktive. Die Aufteilung ist wie folgt:
- Welt (Hypothetisch): Die Idee der Welt (Kosmos) greift hypothetische Urteile auf und bildet eine absolute Einheit in der Reihe der Bedingungen der Phänomene. (Spekulative Kosmologie)
- Seele (Kategorisch): Die Idee der Seele (Alma) bezieht sich auf kategorische Urteile und bildet eine absolute und unbedingte Einheit des denkenden Subjekts. (Spekulative Psychologie)
- Gott (Disjunktiv): Die Idee von Gott bezieht sich auf disjunktive Urteile und bildet eine absolute Einheit der Bedingung aller Gegenstände des Denkens überhaupt. (Spekulative Theologie)
Diese Begriffe nennt Kant Ideen der Vernunft oder *reine Begriffe*. Die reine Vernunft ordnet und systematisiert die Vielfalt der Urteile nach metakategorialen Grundsätzen. Dies ist der rechte Gebrauch der Vernunft.
Das Problem des theoretischen Missbrauchs
Das Problem entsteht, weil die Vernunft die Kategorien des Verstandes auf diese Ideen anwendet, als wären sie Gegenstände der Erfahrung. Bei der Analyse dieses Problems zeigt sich, dass die Vernunft sich selbst widerspricht, wenn sie versucht, diese Interessen aus ihrem „theoretischen Gebrauch“ zu beantworten, obwohl sie nur für ihre „praktische“ Anwendung relevant sind. Die Auflösung dieser Widersprüche findet sich in der Welt des Moralischen.
Die Fehlschlüsse der Vernunft
Kant nennt die widersprüchlichen oder nicht überprüfbaren Urteile, die aus dem Missbrauch der Vernunft entstehen:
- Paralogismen: Beim Umgang mit der Seele.
- Antinomien: Beim Umgang mit der Welt.
- Ideen der reinen Vernunft: Beim Umgang mit Gott.