Troubadourdichtung und Katalanische Lyrik: Von Okzitanien bis Ausiàs Marc

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Die Troubadourdichtung: Ursprung und Merkmale

Die Troubadourdichtung war die erste bedeutende Dichtung in romanischer Sprache. Sie bewahrte die Kultur der lateinischen Sprache. Okzitanische Troubadoure verbanden Musik mit ihren Gedichten (Poemen), die an den Höfen vorgetragen wurden. Minstrels (Spielmänner) verbreiteten diese Kompositionen.

Grundlagen der Okzitanischen Lyrik

  • Texte: Ausgearbeitet, anspruchsvoll in Metrik und Rhetorik.
  • Themen: Der Autor drückt Gefühle aus, insbesondere Liebe, Tod und Religion.

Die Höfische Liebe (Fin'amor)

Die Lyrik der Troubadoure begann mit Guilhem de Poitiers im 12. und 13. Jahrhundert und etablierte das Konzept der höfischen Liebe (Fin'amor): eine gefühlvolle, liebevolle Atmosphäre vor Gericht.

Rollenverteilung:

  • Der Troubadour (der „Diener“).
  • Die vornehme Dame (die „Herrin“ oder „Stärke“).
  • Ihr Ehemann (der „gilos“ – der Eifersüchtige).

Stile der Troubadoure (Trobar)

Die Dichtung wurde in verschiedenen Stilen verfasst:

  • Trobar leu (einfach): Emotional und direkt.
  • Trobar clus (geschlossen): Hermetisch, schwer verständlich (Betonung auf den Worten).
  • Trobar ric (reich): Betonung der Form der Wörter und des schönen Klangs.

Genres: Gesang (Canso), Tanz, Ballade, etc.

Wichtige Troubadoure des Mittelalters

  • Wilhelm von Berguedà: Elegante Lieder, thematisierte Liebe und feudale Kämpfe (z. B. mit dem Marquis de Mataplana).
  • König Alfonso I. von Aragon: Der erste König der Krone von Katalonien, der provenzalische Dichtung komponierte.
  • Wilhelm von Cabestany: Berühmter Minnesänger aus Roussillon, bekannt für seine klagenden Liebeslieder.
  • Cerverí (Guillem de Cervera): Der wichtigste katalanische Troubadour der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Themen: höfische Liebe, Pastorela und königliche Politik seiner Zeit.

Übergang zur Katalanischen Dichtung und Humanismus

Der Fokus der Dichtung verschob sich zunehmend auf den Menschen (Humanismus). Die Poesie war eng mit dem königlichen Hof verbunden.

Das Konsistorium der Gaia Wissenschaft

König Joan I. initiierte in Toulouse einen Poesie-Wettbewerb, das „Konsistorium der Gaia Wissenschaft“ (Consistori de la Gaia Ciència). Der Gewinner erhielt den Titel Mestre Gai Saber (Meister der fröhlichen Wissenschaft).

Im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts wurden Gedichte nach dem höfischen Modell gelesen. Während die okzitanische Sprache die französische Poesie beeinflusste, wurde die italienische Poesie durch den neuen toskanischen Stil innovativ.

Die Dichter der Wendezeit (14./15. Jh.)

Dichter wie Gilabert de Próixita, Andreu Febrer und Jordi de Sant Jordi markieren die Rückkehr zum klassischen Troubadour-Stil, repräsentieren aber bereits eine Reifephase.

  • Andreu Febrer: Sein persönlicher Stil spiegelt Dantes *Komödie* wider und zeigt den Einfluss des neuen toskanischen Stils.
  • Vorfahren von Ausiàs Marc:
    • Jaume Marc (Onkel): Pfleger des Rates von Barcelona und Autor eines Reimwörterbuchs.
    • Pere Marc (Vater): Anhänger der gesellschaftlichen Organisation, führte das Thema Tod in die Dichtung ein.

Ausiàs Marc: Der Höhepunkt der Katalanischen Lyrik

Ausiàs Marc, geboren um 1400, war Ritter und königlicher Falkner in Gandia. Er nahm an den Feldzügen Alfons des Großmütigen in Korsika, Sardinien und Nordafrika teil. Er heiratete Isabell Martorell (Schwester von Joanot Martorell) und später Joana Escorna.

Sein Werk:

  • Er verfasste 127 Gedichte in katalanischer Sprache, die teilweise noch Provenzalismen enthielten.
  • Sein Stil war persönlich und realistisch.
  • Themen: Liebe und Moral. Jede Komposition enthielt ein Signal (eine Art Signatur oder Widmung).
  • Spezifische Zyklen:
    • „Cants de Mort“ (Todeslieder): Behandeln das Schicksal der Seele und die liebevolle Beziehung nach dem Tod.
    • „Cant Espiritual“ (Geistliches Lied): Religiöse Themen, direkt an Gott gerichtet.

Ausiàs Marc zeigte eine lyrische Persönlichkeit voller Widersprüche. Seine Darstellung der Liebe verursachte ernstes spirituelles und intellektuelles Leiden.

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