Überblick: Erkenntnistheoretische Positionen von Hegel bis Popper
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Hegel
Hegel: Metaphysische Entwicklungen bilden ein kompliziertes System, in gewisser Hinsicht eine Reaktion auf neue Anforderungen und auf den historischen Triumph der Französischen Revolution (1). Der Grundgedanke lautet: Das Absolute ist der höchste Wert der Wirklichkeit; die wahre Wirklichkeit entspricht den Anforderungen des artikulierten Grundes. Der Grund/Geist ist nicht etwas Isoliertes, er ist ein Produkt des Geistes. Das neue Konzept, das Hegel entwirft, ist der Geist als Kombination von Aspekten und Zielen; allgemeine sowie subjektiv-partikulare Elemente werden menschlich.
Kuhn
Kuhn: Der Relativismus ist ein Denksystem, das behauptet, es gebe keine allgemein gültigen Wahrheiten, da jede Aussage von den Bedingungen oder dem Kontext der Person oder Gruppe abhängt, die sie macht. Relativismus steht konzeptionell nahe an der Skepsis, geht aber weiter: Nicht nur sei es unmöglich, absolute Wahrheiten zu schaffen, man könne auch nicht mit Gewissheit eine endgültige Wahrheit erreichen.
Wissen
Wissen: Wissen ist das Ergebnis eines dynamischen evolutionären Prozesses. Es ist nicht ausschließlich dem Menschen vorbehalten; es ist Gegenstand der Neurowissenschaften und erlaubt uns, unsere Umgebung zu verstehen und zu entdecken.
Descartes
René Descartes: Französischer Philosoph und Vater des Rationalismus (1596–1650). Er zweifelte nicht am Denken; aus "Ich denke, also bin ich" (cogito ergo sum) folgerte er, dass die Wirklichkeit aus zwei verschiedenen Bereichen bestehe, dem Geistigen und dem Physischen. Daraus leitete er ab, dass der Körper wie eine Maschine funktioniert, hatte aber Schwierigkeiten zu erklären, wie Geist und Körper miteinander verbunden sind. Für ihn war der Prozess des Denkens und die Logik die zuverlässigste Quelle des Wissens.
Hume
David Hume (1711–1776), schottischer Philosoph und führender Vertreter des Empirismus. Humes Philosophie reduziert die Rolle der reinen Vernunft zugunsten der Sinne; er hinterfragte viele traditionelle Annahmen. Hume unterscheidet zwischen Eindrücken (direkte sinnliche Erfahrungen) und Ideen (Erinnerungen an Eindrücke). Nach ihm stammen Kenntnisse über die äußere Welt aus sinnlichen Erfahrungen, und Ideen sind vielmehr Nachbilder dieser Eindrücke.
Kant
Immanuel Kant (1724–1804), deutscher Philosoph und Wegbereiter der modernen Philosophie. Nach Kant beginnt alle Erkenntnis mit der Erfahrung, doch nicht alles Wissen beruht allein auf ihr. Kant vermittelt zwischen Rationalismus und Empirismus: Er führt a priori-Strukturen ein, nach denen Erfahrung der Anfang des Erkenntnisprozesses ist, während die a priori-Struktur des menschlichen Geistes diesen Prozess mitprägt.
Objekt und Subjekt
Objekt, Subjekt: Es geht darum, dass die wahrnehmbaren Anteile (Bilder, Ideen usw.) mit dem Selbst verknüpft sind; das Selbst ist die handelnde Person, die Wahrnehmungen und Ideen verarbeitet.
Damasio
Antonio Damasio: Nach Damasio beginnt Erkenntnis mit Erfahrungen. Zunächst treten Emotionen als einfache körperliche Reaktionen auf, die dem Überleben dienen. Anschließend entstehen Gefühle, die Ideen mit einem bestimmten Körperzustand und einer Bewertung verbinden. Damasio betont, dass Wissen aufgebaut wird und das Ergebnis der Existenz sowie der Integration von Körper und Geist ist.
Falsifikationismus (erkenntnistheoretisch)
Karl Popper: Popper bestand auf dem vorläufigen Charakter wissenschaftlicher Erkenntnis. Wissen lässt sich nicht endgültig verifizieren, sondern nur falsifizieren. Nach ihm gilt als wissenschaftlich, was prinzipiell durch Erfahrung widerlegbar ist. Dieses Prinzip der Falsifizierbarkeit lautet vereinfacht: Eine Aussage ist wissenschaftlich, wenn sie prinzipiell durch Erfahrung falsifiziert werden kann.
Wissenschaftlicher Relativismus
Eine Beschränkung der Wissenschaft ist die Reduktion auf bloße Tatsachen; soziologische Perspektiven, wie sie etwa von Kuhn betont wurden, heben die soziale Dimension der Wissenschaft hervor. Eine neue Theorie ist nicht nur das Ergebnis neuer Experimente, sondern auch das Produkt eines Paradigmenwechsels bzw. einer Revolution innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft.
Die moderne Welt
Die Umwälzungen, die das moderne Weltbild prägten, führten zu einer Änderung der Perspektiven: Die heliozentrische Wende und die Entdeckung der mathematischen Struktur des Universums waren zentral. Kopernikus stellte das geozentrische Weltbild in Frage; Galilei und die neue Physik lösten sich von aristotelischen Vorstellungen. Das Universum erschien zunehmend als in mathematischen Zusammenhängen beschreibbar.
Alte Realität der klassischen Sicht
Die klassische Auffassung beruhte auf einem organismischen Modell: Das Universum wurde als große hierarchische Organisation verstanden, mit differenzierten Teilen; Raum und Unendlichkeit galten als geschlossen, und das Zentrum wurde in der Erde (Geozentrismus) verortet. Diese Sicht wurde mit theozentrischen Vorstellungen des Christentums verbunden.