Überblick über die romanische Kunst und Architektur

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Die Romanik: Ein Überblick

Die Romanik war der erste internationale Kunststil des westlichen mittelalterlichen Europas. Sie entstand im 10. Jahrhundert und erlebte ihre Blütezeit im 11. und 12. Jahrhundert, bevor sie im 13. Jahrhundert von der Gotik abgelöst wurde. Die Romanik wies byzantinische und islamische Einflüsse auf. Ihr Name leitet sich vom römischen Erbe ab, ähnlich wie die romanischen Sprachen, da sie Formen und Techniken der römischen Baukunst aufgriff.

Die Epoche war geprägt von der Stabilität des Feudalismus, einer strengen sozialen Hierarchie und einem theozentrischen Weltbild, in dem die Kirche eine zentrale Rolle spielte. Die Religion und die wirtschaftliche Macht des Klerus dominierten die Gesellschaft. Da der Großteil der Bevölkerung Analphabeten waren, diente die Kunst als wichtiges Medium zur Vermittlung religiöser Lehren. Daher war die Romanik primär eine feudale und klösterliche Kunst. Ihr Zweck war weniger ästhetisch als vielmehr didaktisch und utilitaristisch; sie sollte die Gläubigen belehren und zeichnet sich durch einfache, klare Formen aus.

Entwicklung der Romanik

Die Verbreitung der romanischen Kunst wurde maßgeblich durch die Pilgerrouten und Wallfahrtskirchen gefördert.

Frühromanik

Ihre Ursprünge liegen vermutlich im späten 10. Jahrhundert in Norditalien. Dieser frühe Stil, bekannt als Lombardische Romanik, verbreitete sich von dort bis nach Südfrankreich und Katalonien. Die Bauten dieser Zeit waren oft kleine Kirchen und Klöster aus bescheidenen Materialien mit wenig skulpturalem Schmuck.

Hochromanik

Die Hochromanik entwickelte sich im Laufe des 11. Jahrhunderts. Neben lombardischen Einflüssen kamen Elemente aus dem Norden und Osten hinzu. Die Mönche von Cluny waren eine treibende Kraft dieser Entwicklung, weshalb man auch von der cluniazensischen Romanik spricht. Die Bausysteme wurden konsolidiert und die Skulptur wurde zu einem integralen Bestandteil der Architektur. Entlang der Pilgerwege, insbesondere dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, entstanden bedeutende Bauten. Obwohl dieser Stil relativ einheitlich war, entwickelte jedes Land auch eigene, einzigartige Merkmale.

Spätromanik und Übergang zur Gotik

Die Spätromanik entwickelte sich vom Ende des 11. bis ins späte 12. Jahrhundert. Sie war geprägt von sozioökonomischen Veränderungen wie der Gründung und dem Wachstum der Städte. Die Kunst wurde stärker in das städtische Leben integriert und in den Städten wurden nun große romanische Kathedralen errichtet. Im 12. Jahrhundert zeigten sich bereits Übergangselemente zur Gotik, wie Spitzbögen und Kreuzrippengewölbe.

Merkmale der Architektur

Die Architektur ist religiös geprägt und diente vor allem dem Kirchenbau. Kirchen und Klöster sind die wichtigsten Bauwerke. Es dominiert die massive Mauerfläche gegenüber den Öffnungen. Die Fenster sind klein und spärlich, was zu dunklen Innenräumen führt. Die Architektur ist der wichtigste Bereich der romanischen Kunst.

  • Material: Als Baumaterial diente Stein. Bei kleineren Kirchen wurde oft günstigeres Bruchsteinmauerwerk verwendet, während bei wichtigen Bauten Quadersteine zum Einsatz kamen.
  • Tragwerk: Die massiven Mauern sind das primäre Tragelement. Ihre Stabilität wird durch Strebepfeiler verstärkt. Neben Pfeilern kommen auch Säulen zum Einsatz, die oft eine dekorative Funktion haben.
  • Gewölbe: Getragen werden Rundbögen und Tonnengewölbe, die oft durch Gurtbögen unterteilt sind. Kuppeln werden über Vierungen mittels Trompen oder Pendentifs errichtet.
  • Öffnungen: Öffnungen wie Fenster sind untergeordnet. Sie sind meist klein, schmal und hoch oben in den dicken Mauern platziert. Oft findet man gekuppelte Fenster (Biforien) und schräg eingeschnittene Gewände.
  • Portale: Den Portalen kommt eine große Bedeutung zu. Sie sind reich verziert und bestehen typischerweise aus Archivolten (Bogenläufe) und einem Tympanon (Bogenfeld), oft mit einer Darstellung von Christus als Pantokrator und den Tetramorphen.
  • Aufriss: Das Mittelschiff wird von den Seitenschiffen überragt. Oft gibt es über den Seitenschiffen Emporen (Tribünen). Anstelle eines Turms kann auch ein Glockengiebel vorhanden sein.
  • Grundriss: Der Grundriss ist meist eine Basilika in Form eines lateinischen Kreuzes. Es gibt aber auch Zentralbauten. Typische Teile sind: Langhaus, Querschiff (Transept), Vierung (oft mit einem Vierungsturm), Apsis und manchmal ein Chorumgang mit Kapellen.
  • Dekoration: Die skulpturale Dekoration findet sich vor allem an Kapitellen, Portalen und Konsolen. Beliebte Motive sind geometrische Muster (Schachbrett-, Zick-Zack-Muster), pflanzliche Ornamente sowie Tierdarstellungen und Fabelwesen.

Die großen Wallfahrtskirchen

Die Wallfahrtskirchen stellen einen Höhepunkt der romanischen Baukunst dar. Sie weisen mehrere gemeinsame Merkmale auf:

  • Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes
  • Chorumgang (Ambulatorium) mit Kapellenkranz (Apsidiolen)
  • Emporen über den Seitenschiffen
  • Mittelschiff mit Tonnengewölbe, Seitenschiffe oft mit Kreuzgratgewölben
  • Ein oder mehrere hohe Türme, oft ein Vierungsturm

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