Übersicht häufiger genetischer Erkrankungen

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Erbliche Erkrankungen

  • Sichelzellenanämie / Sickle Cell / Falcemia: autosomal-rezessiv (mendelnde Vererbung); entsteht durch eine Substitution einer Glutaminsäure durch Valin im Hämoglobin. Sie führt zu verformten roten Blutkörperchen und zu einer verminderten Sauerstoffversorgung von Blut und Organen. Häufige Symptome sind Blässe, Gelbsucht, Müdigkeit, Tachykardie und Wachstumsstörungen bei Kindern.
  • Chorea Huntington: CAG-Triplet-Wiederholungen im HTT-Gen auf Chromosom 4 (Antizipation — nicht mendelsche Vererbung). Die Erkrankung kann an die Kinder weitergegeben werden. Häufige Symptome: schnelle, ruckartige Bewegungen (Chorea), Gesichtsgrimassen, antisoziales Verhalten, fortschreitende Demenz, unsicherer Gang und Stimmungsschwankungen.
  • Fragiles-X-Syndrom / Martin-Bell: CGG-Wiederholungen im X-Chromosom; das Chromosom erscheint unter dem Mikroskop fragil (Antizipation — nicht mendelsche Vererbung). Häufigste erbliche Form geistiger Behinderung. Häufige Symptome: geistige Behinderung, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen, überdehnbare Gelenke, abstehende Ohren und Makroorchidie (vergrößerte Hoden).
  • Angelman-Syndrom (Happy Marionette / Glückliche Puppe): Defekt auf Chromosom 15, von der Mutter vererbt (genomische Prägung — nicht mendelsche Vererbung). Häufige Symptome: steifer Gang, übermäßiges Lachen, epileptische Anfälle, Hyperaktivität, Sprachmangel und geistige Behinderung.
  • Prader-Willi-Syndrom: Defekt auf Chromosom 15, vom Vater vererbt (genomische Prägung — nicht mendelsche Vererbung). Patienten fehlt das Gefühl der Sättigung. Häufige Symptome: exzessiver und ständiger Hunger, verminderter Muskeltonus, geringe Energie und verzögerte Lernentwicklung.
  • Marfan-Syndrom: autosomal-dominant (mendelnde Vererbung); Mutation im FBN1-Gen auf Chromosom 15, das das Protein Fibrillin codiert. Häufige Symptome: Herzprobleme (z. B. Aortendilatation/-insuffizienz), schlanker, hochgewachsener Körperbau mit langen Gliedmaßen, Spinnenfinger (Arachnodaktylie), Skoliose und Kurzsichtigkeit.
  • Klinefelter-Syndrom (47,XXY): tritt nur bei Männern auf; zusätzliches X-Chromosom (Aneuploidie). Häufige Symptome: kleine Hoden, verminderte Körperbehaarung, Gynäkomastie (vergrößerte Brustdrüsen) und Infertilität.
  • Turner-Syndrom / Bonnevie-Ullrich (45,X): tritt nur bei Frauen auf; fehlendes oder verändertes X-Chromosom (Monosomie). Einzige überlebensfähige Monosomie. Häufige Symptome: Kleinwuchs, fehlende Ovarial- und Brustentwicklung, Ausbleiben der Pubertät/Monatsblutung, breite Nackenhautfalte (Webbed neck), Lymphödeme und Infertilität.
  • Down-Syndrom / Trisomie 21 / Translokation 14;21: Vorliegt ein zusätzliches Chromosom 21 (Aneuploidie) oder eine Translokation zwischen Chromosom 21 und 14. Häufige Symptome: Herzfehler, visuelle oder auditive Probleme, mandelförmige Augen, kleine Ohren, kleiner Mund mit scheinbar großer Zunge (Makroglossie), abgeflachtes Nasenbein und kurzer Hals.

Phenylketonurie

  • Phenylketonurie: Eine seltene Erbkrankheit, bei der der Körper die Aminosäure Phenylalanin nicht richtig verstoffwechseln kann. Unbehandelt kann sie schwere geistige Behinderungen verursachen. Die Erkrankung wird autosomal-rezessiv vererbt.

Die genetisch bedingte Anomalie bei Phenylketonurie ist das Fehlen des Enzyms Phenylalanin-Hydroxylase. In der Folge kommt es zu einer Anhäufung hoher Konzentrationen von Phenylalanin im Körper.

Die Ursachen für Hirnschäden und schwere geistige Behinderungen treten meist am Ende des ersten Lebensjahres auf. Ältere Kinder können Bewegungsstörungen (Athetose), Schaukeln und Hyperaktivität entwickeln.

Symptome

Hautausschlag (Ekzem)

Mikrozephalie

Tremor

Ruckartige Bewegungen der Arme und Beine (Spastik)

Ungewöhnliche Positionierung der Hände

Krampfanfälle

Hyperaktivität

Verzögerte geistige und soziale Fähigkeiten

Geistige Behinderung

Ein ausgeprägter Geruch von "Maus" im Urin und Schweiß

Blasses Aussehen (oft heller Teint, blondes Haar und blaue Augen)

Phenylalanin kommt in erheblichen Mengen in Lebensmitteln wie Milch, Eiern und anderen üblichen Nahrungsmitteln vor.

Galaktosämie:

Es handelt sich um die Unfähigkeit des Körpers, den Einfachzucker Galaktose zu metabolisieren (führt zur Anhäufung von Galaktose-1-phosphat). Dies verursacht Schäden in Leber, zentralem Nervensystem und anderen Organsystemen. Es ist eine autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung. (siehe Quelle)

Es gibt drei Formen der Krankheit: Mangel an Galaktose-1-Phosphat-Transferase (klassische Galaktosämie, die häufigste und schwerste), Galaktokinase-Mangel und Mangel an Galaktose-6-Phosphat-Epimerase. Menschen mit Galaktosämie können die Galaktose, die die Hälfte der Laktose bildet (gefunden in Milch), nicht vollständig abbauen.

Symptome:

  • Gelbsucht (Gelbfärbung von Haut und Lederhaut)
  • Erbrechen
  • Saugverweigerung (Säugling verweigert milchhaltige Nahrung)
  • Schlechte Gewichtszunahme
  • Reizbarkeit
  • Krampfanfälle
  • Hepatomegalie (Lebervergrößerung)
  • Hypoglykämie (niedriger Blutzucker)
  • Aminoazidurie (Aminosäuren im Urin)
  • Zirrhose
  • Aszites (Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum)
  • Geistige Behinderung
  • Kataraktbildung

Die Behandlung erfolgt durch strikte Vermeidung aller Arten von Milch und Milcherzeugnissen.

  • Hurler-Scheie-Syndrom:

Alpha-L-Iduronidase; Mukopolysaccharidose Typ I, MPS I (Hurler-, Scheie-Syndrom, Scheie-Syndrom (MPS1S)).

Es gehört zu einer Gruppe von Erkrankungen, den Mukopolysaccharidosen (MPS). Das Hurler-Syndrom wird autosomal-rezessiv vererbt.

Hurler (MPS I) ist eine erbliche, progressive Erkrankung, die durch das Fehlen eines Enzyms namens alpha-L-lysosomale Iduronidase entsteht, welches Mukopolysaccharide abbaut. Der Enzymmangel führt zur Ansammlung von Mukopolysacchariden im Körper und resultiert in einer multisystemischen Störung mit Symptomen von mild bis schwer. Diese Erkrankung schädigt viele Organe, einschließlich des Herzens.

Symptome: Die Symptome der intermediären Form (MPS I) entwickeln sich meist zwischen 3 und 8 Jahren; Betroffene können ins Erwachsenenalter überleben.

Hunter-Syndrom: Eine erbliche Erkrankung, bei der der Abbau bestimmter Mukopolysaccharide gestört ist. Diese Substanzen bauen sich auf und führen zu charakteristischen Gesichtszügen, Funktionsstörungen verschiedener Organe und in schweren Fällen zum Tod.

Alternative Namen: Mukopolysaccharidose Typ II, Iduronat-Sulfatase-Mangel

Das Hunter-Syndrom wird X-chromosomal vererbt.

Die Ursache ist das Fehlen des Enzyms Iduronat-Sulfatase; in dessen Abwesenheit sammeln sich Mukopolysaccharide in verschiedenen Geweben an und verursachen Schäden. Betroffene Kinder können früh einsetzende schwere Formen kurz nach dem 2. Lebensjahr entwickeln.

Symptome

Thalassämien

  • Thalassämie: Thalassämien sind eine heterogene Gruppe erblich bedingter Anämien, die durch verminderte oder fehlende Synthese einer oder mehrerer Globinketten des Hämoglobins charakterisiert sind. Sie werden meist durch Mutationen in Genen auf Chromosom 11 (Beta-Globin) und Chromosom 16 (Alpha-Globin) verursacht.

Thalassämie-Genmutationen sind weltweit verbreitet; Häufigkeitsgebiete sind u. a. das Mittelmeer, große Teile Afrikas, der Nahe Osten, der indische Subkontinent und Südostasien. Hämoglobin (Hb) des normalen Erwachsenen besteht aus einem Häm (trägt Eisen) und vier Globinketten: ca. 97% HbA (zwei Alpha- und zwei Beta-Ketten), ca. 2,5% HbA2 (zwei Alpha- und zwei Delta-Ketten) und ein geringer Anteil HbF (zwei Alpha- und zwei Gamma-Ketten, überwiegend im Fötus und bei Neugeborenen). Alpha- und Beta-Ketten sind die wichtigsten postnatalen Ketten.

Je nachdem, welche Globinkette vermindert synthetisiert wird, spricht man von Alpha- oder Beta-Thalassämie. Nach Schweregrad unterscheidet man Thalassämia major (zwei schwer veränderte Allele), intermedia (variabel) und minor (heterozygote Trägerform, oft mild).

Von den verschiedenen Formen dieser hämolytischen Anämien werden hier die wichtigsten Aspekte dargestellt:

  • Alpha-Thalassämie: entsteht durch unzureichende Produktion der Alpha-Globin-Ketten. Sie reicht von leichteren Formen bis zur schweren Form (Hydrops fetalis), bei der im Fötus keine funktionsfähigen Alpha-Ketten erzeugt werden und die meist intrauterin zum Tod führt. Leichtere Formen sind mit Leben vereinbar.

Mapping-Studien der Alpha-Globin-Region auf Chromosom 16 zeigen, dass strukturelle Gene für die Alpha-Globin-Ketten in diesem Chromosom liegen. Die Erkrankung wird häufig durch Deletionen einer oder mehrerer dieser Strukturgene verursacht. Diese Deletionen entstehen vermutlich durch unpaariges Crossing-over während der Meiose.

  • Beta-Thalassämie: beruht auf unzureichender Produktion der Beta-Globin-Ketten.

Im Gegensatz zur Alpha-Thalassämie sind Beta-Thalassämien seltener durch Deletionen bedingt; überwiegend finden sich verschiedene Mutationen wie Punktmutationen, Insertionen und Deletionen einzelner oder mehrerer Basen.

Die Mutationen werden klassifiziert nach ihrer Wirkung, z. B.:

a) Mutationen in Promotoren/transkriptionsrelevanten Regionen

b) Veränderungen in den mRNA-Prozessierungssequenzen (Splicing)

c) Mutationen in RNA-modulierenden Regionen

d) Veränderungen in der Terminierung der Transkription

e) Nonsense-Mutationen

Betroffene Personen sind häufig Compound-Heterozygote, das heißt, sie tragen verschiedene Mutationen in den Beta-Globin-Genen.

  • Hereditäre Persistenz des fetalen Hämoglobins: Gehört zu den Formen, die im weiteren Thalassämie-Spektrum beschrieben werden. Dabei persistiert die Produktion von fetalem Hämoglobin (HbF) bis ins Kindes- und Erwachsenenalter. Betroffene produzieren weiterhin erhebliche Mengen HbF nach der Geburt.

Diese Form ist oft asymptomatisch und wurde ursprünglich als wissenschaftliche Besonderheit beschrieben, weniger als ein klinisches Problem.

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