Urbanisierung: Phasen und Einflussfaktoren

Classified in Geographie

Written at on Deutsch with a size of 4,9 KB.

Definition und Kriterien der Stadt

Ort: Die Definition einer Stadt kann anhand verschiedener Kriterien erfolgen:

  • Mengenmäßige oder statistische Kriterien: Diese basieren auf Zahlen der nationalen statistischen Institutionen. In der Regel werden Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern als Städte betrachtet.
  • Qualitative Kriterien: Diese definieren die Stadt anhand der soziologischen, morphologischen und funktionalen Merkmale des Raumes.
    • Morphologisches Kriterium: Bezieht sich auf den formalen Aspekt der Stadt, der durch die hohe Bebauungs- und Bevölkerungsdichte sowie die Art der Gebäude bestimmt wird.
    • Funktionales Kriterium: Basiert auf den städtischen Wirtschaftszweigen (Industrie und Dienstleistungen), wobei die Landwirtschaft ausgeschlossen ist.
    • Soziologischer Ansatz: Definiert die Stadt durch eine urbane Kultur. Diese Kultur hat sich jedoch durch die Medien und die Ausdehnung der Stadt auf den ländlichen Raum verbreitet, sodass die Unterschiede zwischen beiden Räumen zunehmend geringer werden.
    • Räumlicher Ansatz: Beruht auf der Fähigkeit der Stadt, den umliegenden Raum zu organisieren, d.h. Einfluss auf andere Städte zu nehmen und mit ihnen zu interagieren.

Urbanisierungsprozess

Der Urbanisierungsprozess beschreibt die fortschreitende Konzentration der Bevölkerung in Städten, die Verbreitung von Innovationen und die Auswirkungen dieser Prozesse auf die Umwelt. Man kann mehrere Phasen unterscheiden:

Vorindustrielle Urbanisierung

Diese Phase reicht von den Ursprüngen der Städte bis zum Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Die Urbanisierung war bescheiden, mit einer Urbanisierungsrate von nicht mehr als 10%. Die städtische Bevölkerung wuchs parallel zur ländlichen Bevölkerung. Faktoren, die die Urbanisierung begünstigten, waren:

  • Militärstrategische Faktoren: Die Stadt kontrollierte das Umland.
  • Politische und administrative Faktoren: Die Stadt war Sitz der politischen Macht und Grundlage der territorialen Organisation.
  • Ökonomische Faktoren: Kontrolle des Umlands und Entwicklung von Handel und Handwerk.
  • Religiöse Faktoren: Die Stadt war ein religiöses Machtzentrum.

Beispiele aus Spanien:

  • Phönizische und griechische Kolonisation: Gründung von Handelsniederlassungen an der Mittelmeerküste zur Nutzung der mineralischen, landwirtschaftlichen und handwerklichen Ressourcen.
  • Romanisierung: Gründung vieler Städte, viele bedeutende spanische Städte haben römischen Ursprung, z.B. Barcelona.
  • Niedergang der römischen Macht und Völkerwanderung: Phase der Entstädterung ab dem 3. Jahrhundert. Viele Städte verschwanden oder wurden in ländliche Siedlungen oder religiöse Stätten umgewandelt.
  • Mittelalter: Neue Phase der Stadtplanung in zwei unterschiedlichen Räumen: muslimisch und christlich.

Urbanisierung in der Neuzeit

Die Urbanisierung in der Neuzeit war abhängig von den demografischen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten der jeweiligen Epoche.

  • 16. Jahrhundert: Städtisches Wachstum durch Bevölkerungsanstieg und wirtschaftliche Expansion.
  • 17. Jahrhundert: Stagnation aufgrund der demografischen und wirtschaftlichen Krise.
  • 18. Jahrhundert: Mit der neuen Dynastie der Bourbonen setzte sich der Urbanisierungsprozess durch die Stärkung der königlichen Macht fort.

Industrielle Urbanisierung

Diese Phase erstreckt sich vom Beginn der Industrialisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Wirtschaftskrise von 1975. In dieser Phase erlebte die Urbanisierungsrate ein starkes Wachstum. Es lassen sich vier Phasen unterscheiden:

  • Bis Mitte des 19. Jahrhunderts: Geringe Konzentration der Bevölkerung in den Städten aufgrund der schwachen Industrialisierung. Das Wachstum der Städte wurde durch die Wahl der Hauptstadt beeinflusst.
  • Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Bürgerkrieg: Deutliches Wachstum der Städte. Die Urbanisierungsrate verdoppelte sich nahezu. Die Industrialisierung führte zu den größten Zuwächsen.
  • Bürgerkrieg und Nachkriegszeit: Verlangsamtes Wachstum aufgrund von Problemen bei der Versorgung und dem Wiederaufbau der Städte. Das Franco-Regime begünstigte das städtische Wachstum nicht.
  • Entwicklungsphase: Wirtschaftliches Wachstum und städtisches Wachstum im 20. Jahrhundert. Hauptursache war die Expansion der Industrie, die Arbeitskräfte vom Land in die industrialisierten Städte zog.

Entradas relacionadas: