Ursachen und Verlauf in den 1930er Jahren: Aufstieg der Diktaturen

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Ursachen und Entstehung des Krieges in den 1930er Jahren

Wirtschaftskrise und Aufstieg der Diktaturen

Die 1930er Jahre waren eine Zeit der Instabilität. Die schwere Wirtschaftskrise schuf ein günstiges Klima für die Zuspitzung des Nationalismus und die Durchsetzung totalitärer Lösungen. In vielen Ländern führten soziale Not, Massenarbeitslosigkeit und politisches Chaos zu starken rechtsgerichteten Bewegungen und zur Etablierung faschistischer Diktaturen.

Zusammenbruch der internationalen Zusammenarbeit

Nach dem Ende der kurzen Phase internationaler Kooperation, die unter anderem durch den Locarno-Pakt und den Kellogg-Briand-Pakt geprägt war, wurde bald die Schwäche des Völkerbundes als Garant des Friedens erkennbar. Die Abrüstungskonferenz galt als großes Ziel der europäischen Diplomatie, doch scheiterte sie weitgehend an den politischen Realitäten und neu aufkommenden Machtansprüchen.

Deutschlands Revision und Hitlers Programm

Mit Hitlers Machtübernahme in Deutschland wurde schnell deutlich, dass der Völkerbund und die bestehenden Verträge die deutschen Expansionspläne nicht dauerhaft aufhalten würden. Deutschland verließ die Gemeinschaft der Nationen und brach die Beschränkungen des Versailler Vertrags. Hitler war verletzt durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags und verfolgte das Ziel, ein großdeutsches, rassistisch-nationalistisches Reich zu schaffen. Zentrale Elemente seiner Politik waren:

  • Aufrüstung und Wiederherstellung der Wehrpflicht,
  • Aufbau einer Armee (geplant u. a. mit rund 36 Divisionen) und die Schaffung einer Luftwaffe,
  • Streben nach Autarkie und Lebensraum, also die Expansion nach Osten.

Frühe Schritte der Expansion: Saar, Österreich und Anschluss

Deutschland nutzte politische und völkerrechtliche Schritte zur Angliederung. Die Saar wurde nach einer Volksabstimmung wieder dem Deutschen Reich angeschlossen. Hitler forcierte die Wiederherstellung der allgemeinen Wehrpflicht und die Aufrüstung. Der Anschluss Österreichs war ein zentrales Ziel: deutsche Truppen marschierten in Wien ein und die Regierung verkündete die Abhaltung einer Volksabstimmung zur Bestätigung der Eingliederung Österreichs ins Deutsche Reich.

Diplomatische Reaktionen: Stresa-Kongress und Bündnisse

Frankreich versuchte, Deutschland diplomatisch zu isolieren. Auf der Konferenz von Stresa unterzeichneten Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich ein Abkommen, um die Unabhängigkeit Österreichs zu garantieren und Hitlers Aufrüstungspolitik entgegenzutreten. Es bildete sich ein Netzwerk von Allianzen und Pakten, darunter auch bilaterale Abkommen, wie der sowjetisch-tschechoslowakische Vertrag, die im Idealfall gegenseitige Hilfe bei Aggressionen vorsahen. Dennoch blieben diese Bündnisse in ihrer Wirksamkeit begrenzt.

Italien, Äthiopien und die Annäherung an Deutschland

Italiens Eroberung Äthiopiens provozierte den Widerstand anderer europäischer Mächte. Der Völkerbund verurteilte die italienische Aggression und verhängte Wirtschaftssanktionen gegen Italien. Mussolini reagierte auf diese Isolierung mit einer Annäherung an Deutschland; die zuvor bei Stresa geäußerte Nähe zu Frankreich wurde dadurch aufgeweicht.

Remilitarisierung des Rheinlands und die Politik der Beschwichtigung

Hitlers Besetzung des Rheinlands, das als entmilitarisierte Zone im Versailler Vertrag festgelegt war, war ein klarer Bruch bestehender Vereinbarungen. Die europäischen Mächte akzeptierten zunächst die Situation. Diese Passivität wurde von Hitler und Mussolini als Test einer Politik wahrgenommener Schwäche und als Ermutigung für weitere Schritte interpretiert. Die Demokratien wählten vielfach eine Politik der Beschwichtigung (Appeasement), aus Furcht vor einem größeren Konflikt.

Spanischer Bürgerkrieg: Prüfstein der Demokratien

Der Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs offenbarte die Schwäche der Demokratien weiter. Eine Nichteinmischungsvereinbarung wurde von rund 25 Ländern unterzeichnet, blieb aber weitgehend wirkungslos: Nazi-Deutschland und das faschistische Italien unterstützten die nationalistischen Rebellen mit Truppen, Material und Luftunterstützung, während die Sowjetunion der Republik Waffen und militärische Techniken lieferte. Dieser Konflikt erleichterte die militärische Zusammenarbeit zwischen Hitler und Mussolini und förderte die Entstehung engerer Bündnisse.

Bündnisse: Achse und Antikomintern-Pakt

Die Hilfe für die spanischen Nationalisten und die politische Annäherung zwischen Deutschland und Italien führten zur Herausbildung der Achse Rom–Berlin. Deutschland, Italien und später auch Japan unterzeichneten den Antikomintern-Pakt, der sich gegen die Sowjetunion richtete und ein ideologisches wie strategisches Gegengewicht bildete.

Hitlers Planung und das Hoßbach-Protokoll

Hitler übernahm die Initiative zur Expansion. In einem Treffen mit seinen engsten Mitarbeitern wurden seine Pläne in einem Memorandum (dem sogenannten Hoßbach-Protokoll) festgehalten. Darin wurde deutlich, dass Hitler Autarkie und Aufrüstung für notwendig hielt und die Idee vertrat, dass Deutschland neuen Wohnraum und Gebiete brauche. Diese Expansion war strategisch geplant und sollte notfalls mit Krieg durchgesetzt werden.

Fazit: Schritte zur Katastrophe

Die Kombination aus wirtschaftlichen Problemen, dem Aufstieg faschistischer Ideologien, der Schwäche internationaler Institutionen, der Untätigkeit der Demokratien und den gezielten außenpolitischen Schritten Hitlers (Saar, Wiederaufrüstung, Anschluss, Remilitarisierung des Rheinlands) bereitete den Boden für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Diplomatische Vereinbarungen, Sanktionen und Bündnisse erwiesen sich häufig als unzureichend, um die aggressive Expansion zu stoppen.

Wichtige Begriffe

  • Locarno-Pakt und Kellogg-Briand-Pakt – frühe Versuche internationaler Kooperation
  • Völkerbund – Organisation mit begrenzter Handlungsfähigkeit
  • Stresa-Abkommen – kurzfristiger Versuch der Zusammenarbeit gegen deutsche Aufrüstung
  • Anschluss – Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich
  • Hoßbach-Protokoll – Hitlers strategische Planungsdokument
  • Appeasement – Politik der Beschwichtigung gegenüber aggressiven Mächten
  • Antikomintern-Pakt – Bündnis gegen die Sowjetunion

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