Ursprung und Vielfalt des Lebens: Theorien und Belege
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Kreationismus und Fixismus
Erklärungen über den Ursprung und die Vielfalt des Lebens
Die kreationistische Sicht besagt, dass die Lebewesen oder Lebenskräfte zu Beginn der Welt von einem übernatürlichen Wesen geschaffen wurden. Der Fixismus (auch: Fixistisches Denken) geht davon aus, dass die einzelnen Arten unverändert geblieben sind und so fortbestehen, wie sie ursprünglich geschaffen wurden.
Allerdings fehlt diesen Theorien die Glaubwürdigkeit, weil die gefundenen fossilen Überreste zeigen, dass sich Lebewesen über die Jahre verändert haben und die Idee der Evolution nahelegt, dass Arten Wandel erfahren.
Aristoteles' Klassifikationssystem
Aristoteles vertrat kreationistische Vorstellungen und entwickelte ein System zur Klassifizierung der Tiere:
Mit roten Blutkörperchen (Wirbeltiere)
- Lebendgebärende vierfüßige Tiere: Säugetiere (z. B. lebendgebärende Arten)
- Eierlegende vierfüßige Tiere: Reptilien und Amphibien (ovipar)
- Vögel
- Fische (beispielsweise Wale werden heute als Säugetiere eingeordnet)
Ohne rote Blutkörperchen (Wirbellose)
- Kopffüßer (Beine am Kopf): Kraken, Tintenfische
- Weichtiere: Schnecken, Muscheln, Austern
- Insekten
- Tier-Pflanzen (sessile Tiere): Seeanemonen
Wer war Linnaeus und was erfand er?
Carolus Linnaeus (Linné) war ein schwedischer Naturforscher, der die göttliche Schöpfung annahm und ein System zur Nomenklatur und Klassifikation der Arten entwickelte.
Zur Einordnung von Organismen begann er mit einer genauen Beschreibung der Arten. Ähnliche Arten fasste er zu Gattungen zusammen; ähnliche Gattungen bildeten Familien; Familien wurden wiederum zu Ordnungen zusammengefasst und diese zu Klassen. Auf diese Weise schuf er ein System zur Einteilung der Lebewesen, das wesentlich genauer und systematischer war als frühere Ansätze.
Obwohl Linnaeus an festen, schöpfungsbedingten Kategorien festhielt, förderte seine Klassifikation später das Verständnis für die Evolution: Die Anerkennung von Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Gruppen ließ die Vermutung zu, dass gemeinsame Abstammung eine Rolle spielen könnte.
Beispiel: Taxonomische Einordnung
Reich | Plantae | Animalia |
Stamm | Tracheophyta (Gefäßpflanzen) | Wirbeltiere |
Klasse | Angiospermen (Bedecktsamer) | Säugetiere |
Ordnung | Rosales | Raubtiere (Carnivora) |
Familie | Rosaceae | Canidae |
Gattung | Rosa | Canis |
Art | Rosa gallica | Canis familiaris |
Volksname | Rose | Hund |
Theorien zur Evolution
Vererbung erworbener Eigenschaften (Lamarck)
Jean-Baptiste Lamarck war ein französischer Biologe, der die Theorie der Vererbung erworbener Eigenschaften vertrat. Nach dieser Erklärung können Lebewesen ihren Körper durch Gebrauch oder Nichtgebrauch von Organen verändern. Diese Veränderungen würden an die Nachkommen vererbt, und sie entstünden aufgrund innerer Bedürfnisse oder Bestrebungen.
Das bekannteste Beispiel, das Lamarck zur Erklärung anführte, ist die Entstehung des langen Halses der Giraffe: Lamarck vermutete, dass Giraffen ursprünglich kurze Hälse hatten, sich aber durch häufiges Strecken nach Blättern höherer Äste die Hälse verlängerten und diese erworbenen Eigenschaften an ihre Nachkommen weitergaben, sodass nach vielen Generationen die modernen Giraffen lange Hälse besäßen.
Ein Gegenbeispiel, das diese Theorie infrage stellt, ist das Kupieren von Hundeschwänzen: obwohl Schwänze bei manchen Rassen abgeschnitten werden, werden die Nachkommen mit Schwänzen geboren, weshalb dies nicht als vererbte, dauerhafte Veränderung gilt.
Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl (Darwin)
Charles Darwin stellte die Theorie der Entstehung der Arten durch natürliche Selektion auf. Nach dieser Erklärung haben jene Individuen, die eine morphologische oder funktionelle Überlegenheit besitzen, eine größere Wahrscheinlichkeit zu überleben und sich fortzupflanzen. Er argumentierte, dass die Erde sehr alt ist, dass es viele Ähnlichkeiten zwischen Arten gibt und dass frühere Formen bereits ausgestorben sind. Zur Untermauerung seiner Ideen unternahm er eine fünfjährige Forschungsreise um die Welt.
Malthus' Ansicht
Thomas Malthus, ein Ökonom, veröffentlichte 1798 sein Werk "An Essay on the Principle of Population" und stellte die These auf, dass die menschliche Bevölkerung tendenziell weiter wachsen würde, bis die Nahrungsversorgung unzureichend wird und dadurch Bevölkerungskrisen entstehen.
Darwin übernahm diesen Gedanken und erkannte, dass in einer Welt mit begrenzten Ressourcen ein Teil der Nachkommen nicht überleben wird, während andere überleben und sich fortpflanzen — ein zentraler Gedanke für die natürliche Selektion.
Schlussfolgerungen aus der natürlichen Selektion
Erstes Fazit: "Kampf ums Dasein" — Es besteht ein Wettbewerb um begrenzte Ressourcen. In jeder Generation sterben viele Jungtiere oder hinterlassen keine Nachkommen.
Zweites Fazit: "Survival of the fittest" — Individuen, die besser an die Umgebungsbedingungen angepasst sind, haben höhere Überlebens- und Reproduktionschancen.
Drittes Fazit: "Natürliche Selektion" — Die Umwelt begünstigt diejenigen Individuen, deren Merkmale für eine bestimmte Umgebung vorteilhaft sind. Diese vorteilhaften Merkmale werden an die Nachkommen weitergegeben, und über viele Generationen steigt der Anteil der Population mit diesen Merkmalen.
Beispiel: Industriemelanismus bei Faltern
Vor der industriellen Revolution waren Bäume in den Wäldern rund um London oft von Flechten weißlich bedeckt. Weiße und dunkle (melanistische) Falter kamen vor. Weiße Falter waren auf diesen Bäumen besser getarnt und wurden weniger von Vögeln gefressen als dunkle Falter, weshalb dunkle Falter seltener waren.
Mit der Industrialisierung starben die Flechten aufgrund von Ruß, und die Baumstämme wurden dunkel. Dadurch waren weiße Falter nun sichtbarer und wurden häufiger gefressen, während dunkle Falter bessere Tarnung besaßen und ihre Häufigkeit zunahm. Die natürliche Selektion begünstigte somit die dunklen Falter in verschmutzten Gebieten.
Beweise für die Evolution
- Fossilien
- Vergleichende Anatomie und Physiologie
- Vergleichende Embryologie
- Geografische Verbreitung (Biogeographie)
- Künstliche Selektion
- Biochemische und genetische Nachweise
Fossilien
Fossilien sind die Überreste oder Spuren von Organismen, die in der Vergangenheit lebten und deren Anwesenheit auf verschiedene Weise erhalten geblieben ist (z. B. als Abdrücke, verfestigte Knochen oder versteinerte Hüllen).
Versteinerung ist der Prozess, durch den ein Organismus zu einem Fossil wird. Dabei werden organische Bestandteile oft durch Mineralien wie Calcit, Kohlenstoff oder Silizium ersetzt. Dieser Mechanismus der Mineralisierung verleiht dem Körper Festigkeit und ermöglicht seine Erhaltung.
Evolution des Pferdes
Ursprünglich waren die Vorfahren der Pferde viel kleiner und lebten auf bewaldeten Flächen, wo sie weiche Pflanzenteile fraßen. Sie hatten mehrere Zehen und ihre Zähne waren für weiche Nahrung ausgelegt. Allmählich verringerten sich die Anzahl der Finger an den Beinen, der Körper wuchs, die Gliedmaßen wurden für schnellere Fortbewegung angepasst und die Zähne veränderten sich: Der Umfang des Zahnschmelzes nahm zu, sodass sie besser rauere Gräser fressen konnten. Diese Anpassungen an offenere Landschaften und veränderte Nahrung führten zu den modernen Pferden.
Vergleichende Anatomie
- Homologe Strukturen: Strukturen mit gleicher embryonaler Herkunft, die möglicherweise unterschiedliche Funktionen haben (z. B. menschlicher Arm, Vogelflügel, Vorderflosse des Wals).
- Analoge Strukturen: Strukturen mit unterschiedlicher embryonaler Herkunft, die aber ähnliche Funktionen ausüben (z. B. Vogelflügel und Insektenflügel).
- Rudimentäre bzw. verkümmerte Strukturen: Strukturen, die in früheren Generationen eine Funktion hatten, heute aber reduziert sind und tendenziell verschwinden (z. B. bestimmte Muskelanlagen zur Ohrbewegung beim Menschen).
Embryologische Belege
Darwin bemerkte, dass Ähnlichkeiten in den Embryonalstadien verschiedener Tiergruppen darauf hindeuten, dass diese Gruppen einen gemeinsamen Vorfahren haben könnten. Beispielsweise zeigen die Embryonen von Fischen, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren in frühen Stadien ähnliche Merkmale.
Künstliche Selektion
Der Mensch wählt bewusst Individuen mit gewünschten Merkmalen aus, um Nachkommen mit diesen Eigenschaften zu erzeugen. Wenn Nachkommen unerwünschte Merkmale zeigen, wählt der Züchter weiter nach seinen Präferenzen. Dieses Verfahren wird in der Pflanzen- und Tierzucht angewandt und demonstriert, wie Selektion Populationen verändern kann.