Die US-Wirtschaft: Vom Aufstieg zur Weltwirtschaftskrise
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Die Stärke der US-Wirtschaft nach dem Ersten Weltkrieg
Der Krieg beschleunigte die Konsolidierung der Vorherrschaft der USA gegenüber dem Vereinigten Königreich. Die Nachfrage nach britischen Produkten sank im Verhältnis zu amerikanischen Erzeugnissen stetig. Obwohl das Pfund zunächst die Referenzwährung für den internationalen Handel blieb, konnte der Dollar zunehmend konkurrieren, was sich negativ auf die britischen Exporte und die Industrieproduktion auswirkte. Allmählich setzte sich der Dollar als wichtigstes Druckmittel durch. Die US-Banken konsolidierten sich als die dynamischsten Akteure, und das US-Finanzsystem wurde zur einzigen Quelle für langfristige Darlehen.
Handelsungleichgewicht zwischen den USA und Europa
Die Wettbewerbsfähigkeit der USA stieg aufgrund neuer Arbeitsmethoden und Technologien stark an, was zu einer positiven Handelsbilanz führte. Die USA exportierten viel mehr nach Europa, als sie von dort importierten. Die amerikanische Wirtschaft wurde zum einzigen Motor für den finanziellen Wiederaufbau Europas nach dem Krieg.
Der Dawes-Plan
Der Dawes-Plan war ein Zahlungsmechanismus: Ein Darlehen in US-Dollar wurde an Deutschland vergeben, damit dieses Reparationszahlungen an das Vereinigte Königreich und Frankreich leisten konnte. So erhielten die USA ihr Geld über den Schuldendienst aus dem Vereinigten Königreich und Frankreich zurück.
Die Goldenen Zwanziger: Expansion und Konsum
Die wirtschaftliche Expansion der USA führte zu einer produktiven Transformation und zur Entstehung der Konsumgesellschaft. Arbeiter konsumierten mehr, als sie benötigten, indem sie Luxusgüter auf Kredit kauften. Produkte, die zuvor der Bourgeoisie vorbehalten waren, wurden nun für die breite Masse zugänglich.
- Die Industrie spezialisierte sich auf Konsumgüter.
- In den Zentren der US-Großstädte begann der Bau großer Hochhäuser.
- Die Steigerung der Produktivität führte zu niedrigeren Produktionskosten sowie einem Anstieg von Nachfrage und Angebot.
Börsenboom und Spekulationsblase
Ab 1925 begannen Unternehmen, ihre Gewinne an der Börse zu investieren. Da die Aktienkurse stiegen, wirkten die Unternehmen stabil. Es entstand eine Spekulationsblase: Die Nachfrage nach Aktien erhöhte deren Wert künstlich. Wenn dies über mehrere Monate anhält, sind die Aktien schließlich mehr wert, als das Unternehmen real produzieren kann. Durch Ratenzahlungen und verzinste Darlehen investierten auch Kleinanleger massiv in den Aktienmarkt.
Die Krise von 1929: Der große Crash
Im Jahr 1929 begannen die Kurse zu fallen, woraufhin Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden konnten.
- Schwarzer Donnerstag (24. Oktober): Die Börse bricht ein. Bereits Wochen zuvor hatten die Banken kaum noch liquide Mittel. Dies führte zu einem Kreditstopp oder Darlehen mit extrem hohen Zinsen.
- Schwarzer Dienstag (29. Oktober): Die Banken forderten die Rückzahlung der Darlehen ein. Da die Menschen ihr Geld im Aktienmarkt investiert hatten, mussten sie ihre Aktien verkaufen. Da die Aktienkurse jedoch so niedrig waren, reichte der Erlös nicht aus, um die Banken zu bedienen – dies führte zum Ruin der Banken.
The Great Depression: Die Weltwirtschaftskrise
Der Untergang der Börse führte zu einer Liquiditätskrise, einem Rückgang des Verbrauchs, dem Zusammenbruch der Industrie, Deflation und sinkenden Agrarpreisen. Es entstand eine Krise der Überproduktion, da keine ausreichende Nachfrage mehr bestand. Durch Personalreduzierungen geriet die US-Wirtschaft ins Stocken.
Bankenkrise und industrielle Rezession
- Bankenpleiten: Die Liquidität war erschöpft, und Kredite konnten nicht zurückgezahlt werden.
- Unternehmenskrise: Aufgrund der Überproduktion sanken die Preise und die Lagerbestände stiegen.
- Arbeitslosigkeit: Der massive Anstieg der Arbeitslosigkeit stürzte die US-Bevölkerung ins Elend. Die landwirtschaftliche und industrielle Produktion kam fast zum Erliegen.
Der Kapitalismus schien zusammenzubrechen, und der Markt erwies sich als unfähig, sich selbst zu regulieren.
Ausbreitung der weltweiten Krise
Die Krise in den USA zog viele europäische Länder und schließlich die ganze Welt mit sich.
Mechanismen der Expansion
- Aufgrund niedrigerer Preise konnten US-Produkte nicht mehr mit anderen Ländern konkurrieren.
- Der Rückgang der US-Importe schadete den exportierenden Ländern massiv.
- US-Investitionen und Darlehen in Europa wurden zurückgezogen.
- Der Welthandel und die industrielle Produktion brachen ein, während die Arbeitslosigkeit stieg.
Situation in Europa
- Deutschland: Erlebte eine kritische Situation nach dem Ersten Weltkrieg. Die Inflation stieg, die Produktion stand still und die Arbeitslosigkeit explodierte.
- Vereinigtes Königreich: Konnte das Pfund nicht mehr als zentrale Währung gegenüber dem Dollar halten, was zum Scheitern des internationalen Währungssystems führte.
- Frankreich: Verlor an Wettbewerbsfähigkeit und führte protektionistische Maßnahmen ein.
Zusammenbruch des Handels und Protektionismus
Jedes Land versuchte, seine Probleme isoliert zu lösen. Dies führte zu einem Rückgang der Inlandsnachfrage und Handelskonflikten zwischen Europa und den USA. Der verstärkte Protektionismus hatte schwerwiegende Auswirkungen auf Lateinamerika und Asien, die Rohstoffe und Lebensmittel exportierten.
Der keynesianische Vorschlag
John Maynard Keynes veröffentlichte 1936 die „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“. Er argumentierte, dass Lohnsenkungen falsch seien und dass zur Überwindung der Krise staatliche Interventionen notwendig seien.
Der keynesianische Multiplikator
Keynes wollte die Wirtschaft durch staatliche Investitionen ankurbeln, um Arbeitsplätze zu schaffen. Höhere öffentliche Ausgaben für Bauprojekte sollten die Nachfrage steigern. Die Löhne sicherten das Überleben und stellten das Selbstwertgefühl der Menschen wieder her. Durch den Konsum stieg die reale Nachfrage, Unternehmen öffneten wieder und zahlten Steuern, wodurch der Staat die investierten Mittel zurückerhielt. So stabilisierte sich die Wirtschaft allmählich.
Der New Deal von Roosevelt
Der New Deal war ein Wirtschaftspakt, der auf staatlicher Intervention basierte:
- Wirtschaftliche Maßnahmen: Öffentliche Arbeiten, Abwertung der Währung zur Exportförderung, Kontrolle der Banken und der Geldmenge, Förderung von Investitionen durch staatliche Mittel sowie Agrarregulierungen (Preiskontrollen, Abbau von Beständen).
- Soziale Maßnahmen: Verkürzung der Arbeitszeit zur Arbeitsplatzbeschaffung, Festlegung eines Mindestlohns, Arbeitslosenunterstützung und eine aktive Beschäftigungspolitik.