Vergil, die Aeneis und das Goldene Zeitalter der Römischen Poesie
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Klassisches Epos: Vergil und das Goldene Zeitalter
Das Jahrhundert des Augustus (27 v. Chr. – 14 n. Chr.)
Nach mehr als einem halben Jahrhundert politischer Umwälzungen und Bürgerkriege sehnte sich das römische Volk nach Frieden und Ruhe. Im Jahr 27 v. Chr. etablierte Augustus, der Erbe Caesars, das Prinzipat und beendete damit die Ära der Römischen Republik, die fast fünf Jahrhunderte bestanden hatte. Zuvor hatte er die letzten zivilen Opponenten des Zweiten Triumvirats (Lepidus und Marcus Antonius) besiegt. Die Periode bis zu Augustus’ Tod im Jahr 14 n. Chr. war geprägt von innerem Frieden, Wohlstand und Expansion innerhalb der Reichsgrenzen.
Zu diesem Zweck initiierte Augustus ein umfassendes Programm zur Neuorganisation der staatlichen Strukturen, das zahlreiche Reformen in den Bereichen Familie, Religion, Sitten und Traditionen umfasste. Um die Verbreitung seines Programms zu gewährleisten, versammelte Augustus eine Gruppe von Schriftstellern und Künstlern um sich, die sich mit seinem Werk identifizierten. Diese Gruppe, bekannt als der Kreis des Maecenas, erhielt Schutz und Unterstützung, um die kaiserlichen Ideale in ihren Werken zu verbreiten. Diese Ära gilt als das Goldene Zeitalter der lateinischen Poesie.
Vergil: Leben und literarische Anfänge
Vergil (* 70 v. Chr. in Mantua) stammte aus einer bescheidenen Familie; sein Vater war möglicherweise ein Diener (*viator*) und beschäftigte sich auch mit Bienenzucht. Aufgrund seiner zarten Gesundheit und frühen Intelligenz erhielt er eine umfassende Ausbildung in Grammatik, Philosophie und Rhetorik, die er in Rom abschloss. Obwohl er wenig Talent für die Beredsamkeit zeigte, zeichnete er sich in der Komposition und Rezitation von Poesie aus.
Er wurde in den Kreis der ***Neoteroi*** eingeführt – einer literarischen Bewegung, die von Catull geleitet wurde und den alexandrinischen Stil nach Rom brachte. Vergil vertiefte sich zudem in die epikureische Philosophie, deren Einfluss in einigen seiner Kompositionen offensichtlich ist.
Nachdem er sein Vermögen verloren hatte und vergeblich versuchte, es zurückzuerhalten, wurde er durch Geschenke von Ländereien durch seinen Patron entschädigt.
Die Hauptwerke: Eklogen, Georgica und Aeneis
Nachdem Vergil seine Werke, die ***Eklogen*** (Hirtengedichte) und die ***Georgica*** (Lehrgedichte über die Landwirtschaft), verfasst hatte, ermutigte ihn Augustus, sein Meisterwerk, die ***Aeneis***, zu schreiben. Diesem Epos widmete er elf Jahre seines Lebens.
Im Alter von 52 Jahren unternahm er eine Reise durch Griechenland und Kleinasien, um Inspiration für sein Werk zu sammeln. Er kehrte krank zurück und starb 19 v. Chr. in Rom. Seine Freunde weigerten sich, seinen letzten Wunsch zu erfüllen, das Werk zu zerstören, da sie seinen Tod als verfrüht ansahen.
Die Aeneis: Handlung und Bedeutung
Die ***Aeneis*** erzählt in 12 Büchern die Abenteuer des Aeneas, eines Überlebenden des Trojanischen Krieges. Nach einer langen Irrfahrt durch das Mittelmeer und vielen Abenteuern erreicht er mit seinen Gefährten Italien an der Mündung des Tibers. Dort ist es ihm vom Schicksal bestimmt, sich niederzulassen und eine neue Stadt zu gründen.
Dafür muss er sich mit den dort ansässigen Völkern (den Latinern) verbünden und gegen jene kämpfen, die seine Ansiedlung ablehnen (die Rutuler). Virgils Werk gilt als Synthese der gesamten bisherigen römischen und griechischen Epik und dient der Verherrlichung Roms und der augusteischen Dynastie.