Vergleich: Utilitarismus vs. Kantische Ethik

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Vergleich: JS Mills Utilitarismus und Kants Formalismus

1. Vernunft und Moral

Kant vertritt, wie die Rationalisten, die Auffassung, dass die der menschlichen Vernunft innewohnende *praktische Vernunft* es uns ermöglicht, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Im Gegensatz dazu steht Humes Auffassung, dass moralische Grundsätze niemals rational begründet werden können, sondern nur dann gerechtfertigt sind, wenn sie menschlichen Wünschen entsprechen. Mill teilt hier eher Humes Position.

2. Moralische Motivation: Absicht vs. Konsequenz

Kant glaubt, dass der moralische Wert einer Handlung *allein* in der *Absicht* liegt, frei und aus Respekt vor dem moralischen Gesetz zu handeln, und *nicht* aufgrund von Wünschen oder Neigungen. Der moralische Wert liegt nicht im Zweck, sondern in der *Maxime*, dem Grundsatz, der das Handeln des Subjekts bestimmt. Eine Person handelt moralisch, wenn sie sich entschließt, aus Respekt vor dem moralischen Gesetz zu handeln.

Utilitaristen, wie Mill, betonen hingegen, dass die *Motive irrelevant* sind; *nur die Konsequenzen* zählen. Motive sind nicht beobachtbar oder messbar, die Folgen von Handlungen jedoch schon.

3. Pflicht, Regeln und Ausnahmen

Für Kant besteht unsere Pflicht darin, dem Sittengesetz oder dessen Anforderungen zu gehorchen, auch wenn dies uns übermäßig aufdringlich oder schädlich erscheint. Mill argumentiert, dass wir etablierte moralische Regeln befolgen sollten (*Regelutilitarismus*), ohne jedoch zu vergessen, dass diese Regeln Verallgemeinerungen sind und in Ausnahmefällen gebrochen werden können, da sie keine *absolut bindenden* Verhaltensgrundsätze sind. Der Mensch hat ein Recht auf Glück. Für Kant ist Glück eine Belohnung, die moralisches Handeln verdient.

4. Gemeinsamkeiten und Kritikpunkte

Mill und Kant gelangen auf unterschiedlichen Wegen zu ähnlichen moralischen Positionen. Daher ähneln sich auch die Kritikpunkte:

4.1. Empirische Überprüfbarkeit

Kants Behauptung, dass jeder Mensch ein moralisches Gesetz *für sich selbst* schaffen kann, ist eine Behauptung, die sich empirisch nicht nachweisen lässt. J. Stuart Mill hingegen stützt seine Vorstellung von der menschlichen Natur und dem moralischen Fortschritt auf historische Prozesse, die sich empirisch zeigen lassen (und die Erfahrung scheint ihn zu bestätigen). Kant begründet die Moral in einem hypothetischen, transzendenten Bereich. Mill geht davon aus, dass das allgemeine Glück das Ziel aller wäre, wenn wir uns zu moralisch entwickelten Individuen entwickeln würden. Auch er transzendiert damit den Bereich der Erfahrung.

4.2. Lösung moralischer Konflikte

Die Kantische Moral löst nicht die eigentlichen moralischen Konflikte. Mills Utilitarismus, der davon ausgeht, dass Freuden qualitativ und quantitativ unterschiedlich sind, macht die Berechnung und den Vergleich der Auswirkungen zur Lösung bestimmter moralischer Konflikte oft äußerst schwierig.

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