Versailler Vertrag: Folgen für Deutschland und Europa
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Wichtige Folgen und Auswirkungen
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Neue Grenzen:
Ganz Europa wurde „durchgerüttelt“. Neue Grenzziehungen bringen jedoch immer Probleme mit sich. Teilweise wurden so die Grundlagen für spätere und z. T. bis heute andauernde Konflikte gelegt. Der Polnische Korridor entstand, Ostpreußen war vom deutschen Mutterland abgetrennt. Diese Bestimmung rückgängig zu machen verfolgten alle Regierungen der Weimarer Republik.
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Belastung der deutschen Wirtschaft:
Die Reparationszahlungen belasteten die deutsche Wirtschaft. Auch der Verlust der Gebiete bedeutete eine wirtschaftliche Schwächung, denn damit gingen Anbauflächen in der Landwirtschaft, Rohstoffe und Industrie verloren. Zudem bedeutete der Verlust eines Großteils der Handelsflotte eine Schwächung des Außenhandels.
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Reparationen als politischer Streitpunkt:
Die Reparationen wurden in Deutschland als überzogen und ungerechtfertigt empfunden. Die Verringerung bzw. Abschaffung der Reparationen und damit die Überarbeitung des Vertrages war das Ziel des Deutschen Reiches (was 1932 im Vertrag von Lausanne durchgesetzt wurde). Sowohl von rechts als auch von links wurden die Zahlungen genutzt, um gegen die Republik zu hetzen. Man sprach auch vom „Diktatfrieden“, der Deutschland aufdiktiert worden war, ohne dass es zu gleichberechtigten Verhandlungen gekommen war.
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Völkerbund:
Der Völkerbund wurde gegründet.
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Politische Radikalisierung und Unzufriedenheit:
Die Unzufriedenheit mit den Bestimmungen des Versailler Vertrags war lange zu spüren und führte dazu, dass nationale und völkische Anhänger an Einfluss gewinnen konnten. Viele Menschen vertrauten der ja noch jungen Demokratie nicht und wünschten sich den Kaiser oder eine andere starke Führerperson. So wird der Vertrag von manchen Historikern als Mitursache für den Aufstieg des Nationalsozialismus bewertet.
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Einmarsch der Franzosen ins Ruhrgebiet:
Der Einmarsch der Franzosen ins Ruhrgebiet führte letztendlich zur Inflation und zur Hyperinflation in Deutschland.
Weitere Hintergründe und Bewertung
Die 14 Punkte griff die deutsche Regierung später, als ihre militärische Lage sehr schlecht war, als Ausgangspunkte für einen Waffenstillstand und für Friedensverhandlungen auf. Der Versailler Vertrag ist ein Kompromiss unter den Siegermächten. Deutsche Hoffnungen auf einen verhältnismäßig milden Frieden wurden enttäuscht. Deutschland war zunächst kein gleichberechtigter Partner in der Nachkriegsordnung.
Wilson und die 14 Punkte
Der Präsident der USA, Woodrow Wilson, hat am 8. Januar 1918 in einer programmatischen Rede vor dem Kongress in 14 Punkten Grundzüge für eine Friedensordnung in Europa genannt. Die Punkte sind eine Mischung aus allgemeinen Grundsätzen und konkreten Hinweisen. Sie sind im Versailler Vertrag nicht vollständig umgesetzt worden.
Geheimdiplomatie, Abrüstung und Handelsfreiheit
Die Geheimdiplomatie ist nicht völlig abgeschafft worden. Freiheit der Schiffahrt auf den Meeren, Abbau von Handelsbeschränkungen und Abrüstung sind nur in Ansätzen verwirklicht worden und dies auch nicht durchweg mittels des Versailler Vertrags. Nur Deutschland wurde im Versailler Vertrag militärisch eingeschränkt, nicht hingegen alle anderen Staaten.
Selbstbestimmungsrecht und Grenzziehungen
Das Selbstbestimmungsrecht der Völker (Volksangehörigkeit, Zugehörigkeit und Nationalität kommen als Begriffe vor) wurde teilweise in den vertraglichen Regelungen nicht beachtet, vor allem zum Nachteil der Verlierermächte Deutschland, Österreich und Ungarn; dies betrifft teilweise die Friedensverträge von Saint-Germain und Trianon. Ohne Volksabstimmung kamen so der größte Teil Posens und Westpreußens an Polen, das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei, Elsass-Lothringen an Frankreich (bei Wilson Punkt 8), Eupen-Malmédy an Belgien (zunächst ohne Abstimmung; eine spätere Befragung geschah auf sehr zweifelhafte Weise), das Memelgebiet (zunächst; später zum Staat Litauen) und Danzig (als Freie Stadt) unter die Hoheit des Völkerbundes. Nur in einigen anderen Gebieten gab es aufgrund des Versailler Vertrags Volksabstimmungen (Nord- und Mittelschleswig, Oberschlesien, Südteil Ostpreußens (Abstimmungsgebiet Allenstein), Marienwerder).
Italien, Polen und Grenzfragen
Die Berichtigung der Grenzen Italiens (Punkt 9) enthielt keine konkreten Angaben, und das spätere Zusprechen Südtirols stand nicht im Einklang mit der Volkszugehörigkeit. Die befürwortete Errichtung eines unabhängigen polnischen Staates mit freiem und sicherem Zugang zur See (Punkt 13) enthielt noch keine genauen Grenzen.
Völkerbund und die USA
Ein allgemeiner Verband der Nationen wurde gegründet (Punkt 14). Allerdings traten die USA dem Völkerbund nicht bei: Abneigung gegenüber weitgehenden Verpflichtungen in Europa und das Gefühl, übergangen worden zu sein, führten zu einer Nichtratifizierung im Kongress; sie hatten nur einen Beobachterstatus.
Umfang und Schuldzuweisung
Der Versailler Vertrag war deutlich umfangreicher und enthielt viele konkrete Regelungen. In ihm wurde Deutschland die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg zugewiesen (Artikel 231) und es wurde zu Reparationszahlungen verpflichtet.