Verstädterung, Urbanisierung und Stadtentwicklungsprozesse

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Grundlagen: Stadt und Verstädterung

Definition der Stadt

Eine Stadt zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Stadtrecht
  • Hohe Bebauungsdichte
  • Differenzierte sozialräumliche Gliederung
  • Hohe Arbeitsplatzdichte
  • Hohe Verkehrswertigkeit

Verstädterung: Wachstum und Kennzahlen

Verstädterung: Wachstum der Städte hinsichtlich Anzahl, Einwohnerzahl und Fläche.

Verstädterungsgrad (Verstädterungsquote): Prozentualer Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung.

Verstädterungsrate: Zunahme des Grades, d.h. das prozentuale Wachstum der Stadtbevölkerung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.

Der Fortschreitende Prozess der Verstädterung

Der Prozess durchläuft typischerweise folgende Phasen:

  1. Frühphase: Die ländliche Bevölkerung wächst schneller als die städtische.
  2. Konzentrationsphase: Durch Stadtzuwanderung entstehen erste Konzentrationen. Junge Menschen verlassen das Land, die ländliche Bevölkerung nimmt ab.
  3. Stillstand/Dekonzentration: Der Konzentrationsprozess in den Kernstädten verlangsamt sich oder stoppt aufgrund moderner Transport- und Kommunikationsmittel. Es kommt zur Abwanderung aus hoch verdichteten Kernstädten in das weniger besiedelte städtische Umland.

Ursachen der Verstädterung

Allgemeine Ursachen:

  • Umklassifizierung bisher ländlich eingestufter Siedlungen
  • Neugründungen von Städten
  • Zuwanderung (Push- und Pull-Faktoren)
  • Industrialisierung

Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern

  • In Entwicklungsländern (E-Länder) ist die Verstädterung oft die Folge von Bevölkerungsexplosion oder starker Zuwanderung. Die Attraktivität ist meist fiktiv, das Wachstum exponentiell und chaotisch.
  • In Industrieländern (I-Länder) ist die Verstädterung die Folge von Funktionsvernetzungen. Städte sind tatsächliche Zentren von Pull-Faktoren, das Wachstum ist langsamer und geordneter.

Urbanisierung und Dynamik der Stadtentwicklung

Urbanisierung: Ausbreitung städtischer Lebensweisen

Die Urbanisierung ist meist mit der Verstädterung verbunden und beschreibt die Ausbreitung städtischer Lebens- und Wirtschaftsformen.

Suburbanisierung: Verlagerung in die Vororte

Verlagerung des Stadtwachstums in die Vororte.

Ursachen:

  • Gestiegene Kaufkraft der Bevölkerung
  • Zunehmende Mobilität
  • Preiswerter Wohnraum am Stadtrand

Folgen:

  • Kaufkraftverlust der Kernstadt
  • Ältere Bevölkerung bleibt zurück
  • Attraktivitätsverlust der Innenstadt
  • Zunehmender Pendlerverkehr

Desurbanisierung: Verlagerung ins Umland

Verlagerung von Wohnraum und Industrie in ländliche Gebiete, ermöglicht durch moderne Kommunikationsmittel.

Re-Urbanisierung: Die Wiederentdeckung der Stadt

Die Stadt wird wieder als attraktiv empfunden. Typische Akteure sind Single-Haushalte mit höherem Einkommen, Alleinerziehende und Studenten.

Segregation: Räumliche Trennung in der Stadt

Ethnische Segregation

Ursache: Zuwandernde Migranten suchen die Nähe zu Landsleuten und ziehen in Stadtteile, die bereits einen hohen Anteil an Zuwanderern aufweisen.

Soziale Segregation

Ursache: Familieneinkommen.

  • Einkommensschwache finden sich in älteren Arbeitervierteln.
  • Einkommensstarke leben in höher gelegenen Stadtteilen (z. B. Gated Communities).

Demografische Segregation

Ursache: Unterschiedliche Wohnansprüche verschiedener Lebensphasen und Altersklassen.

Beispiele: Familien bevorzugen Neubaugebiete, Rentner ziehen in spezielle Rentnerstädte.

Das Modell der Nordamerikanischen Stadt

  • Zentrum: Konzentration von Hochhäusern in der Stadtmitte zur Gewährleistung guter Erreichbarkeit (Central Business District, CBD).
  • Peripherie: Zum Stadtrand hin niedergeschossige Bebauung. Teilweise Außenstadtzentren mit vielen Arbeitsplätzen.
  • Struktur: Schachbrettartiges und deutlich funktional gegliedertes Straßennetz. Oft radial-konzentrisches Straßennetz (Ringautobahnen).
  • Dynamik: Abwanderung der Arbeitsplätze in suburbane Bereiche.
  • Wohnen und Segregation: Innenstadtnahe Wohngebiete sind teilweise degradiert, was zu starker Segregation führt. Die Mittel- und Oberschicht lebt primär am Stadtrand oder in Vororten.
  • Entwicklung: Umbau leer stehender Innenstadtgebäude.

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