Der Vorleser – Kapitel 6: Prozess, Hanna und Michael
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Der Vorleser – Kapitel 6: Prozess und Hanna
Michaels Gefühlslage und Studium
Nach Hannas Verschwinden sehnt Michael sich anfangs sehr nach ihr. Er entwickelt sogar Schuldgefühle, aber nach einiger Zeit kann er sie verarbeiten und vergisst Hanna zusehends. Währenddessen fallen ihm die Schule und sein Jurastudium sehr leicht, doch Sophie erkrankt an Tuberkulose. Er selbst beschreibt sein eigenes Benehmen als großspurig, was einiges an Arroganz nach sich zieht. Das bemerkt auch Sophie, als sie nach Jahren geheilt ist.
Prozessbesuch während des Studiums
Während seines Studiums besucht Michael auch einen Gerichtsprozess, in dem ehemalige KZ-Wächter verurteilt werden sollen. Er sieht Hanna als Angeklagte wieder und berichtet im Roman zunächst davon, mit wie viel Hingabe er und die anderen Studenten des KZ-Seminars den Prozess beobachten und analysieren. Es scheint ihm Freude zu bereiten, die Vergangenheit aufzuarbeiten.
Gerichtsgebäude, Hannas Vergangenheit und Michaels Reaktion
Am Anfang des Kapitels beschreibt Michael den Baustil des Gerichtsgebäudes und er verspürt wieder eine positive Stimmung, weil er nun endlich anwenden kann, was er gelernt hat. Im Prozess erfährt man, dass Hanna früher bei Siemens gearbeitet hatte und dann zur SS wechselte. Sie war außerdem in zwei verschiedenen Lagern eingesetzt worden und ist einige Male danach umgezogen. Michael erschrickt sich selbst, als er daran denkt, dass er Hanna am liebsten verhaftet sehen würde, nur damit sie aus seinem Leben verschwindet.
Distanz zwischen Hanna und Michael
Als Leser merkt man deutlich, dass die Distanz zwischen Hanna und Michael im Laufe des Prozesses noch größer wird. Michael betrachtet Hanna, als hätte er nie eine Beziehung mit ihr gehabt. Dennoch nimmt er an allen Verhandlungstagen teil, und sein Professor begrüßt sein freiwilliges Engagement, da er so den anderen Studenten, die nur Teile der Verhandlung erleben, den Rest erzählen kann.
Fragen von Schuld und Verantwortung
Michael beginnt in diesem kurzen Kapitel ansatzweise darüber nachzudenken, ob und wie man jemanden, der in Auschwitz tätig war, verurteilen kann. Außerdem werden die Anklagepunkte kurz genannt, und das Gericht unternimmt ohne Michael eine Reise nach Israel, um eine Zeugin zu befragen.
Hanna als Analphabetin im Prozess
Im Kapitel 6 von Der Vorleser, geschrieben von Bernhard Schlink, wird dem Leser im Gerichtsprozess deutlich, dass Hanna Analphabetin ist. Sie stellt fest, dass einige Dinge, die im Protokoll ihrer Vernehmung geschrieben stehen, nicht wahr sind, obwohl sie es unterschrieben hat. Außerdem reagiert sie etwas wunderlich, als sie erfährt, dass ein Zeugenbericht nicht vorgelesen wird, da ihn schließlich jeder schriftlich vorliegen hat. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Prozess zu ihren Ungunsten verläuft. Anfangs widerspricht sie noch hastig und aufgeregt, aber je länger der Prozess dauert, desto eher nimmt Hanna auch die Schuld der anderen auf sich.
Hannas Ehrlichkeit und die Folgen
Hanna entwickelt im weiteren Verlauf des Prozesses ein großes Maß an Ehrlichkeit und gibt auch Dinge zu, die sie tatsächlich begangen hat. Dies ärgert wiederum die anderen Angeklagten und deren Verteidiger, da das Gericht ohne die Aussagen von Hanna eigentlich keine konkreten Beweise hätte und es sonst ein leichtes Spiel gewesen wäre, die Schuld von allen abzuweisen. Die anderen Verteidiger nutzen anschließend Hannas Ehrlichkeit aus und schieben alle Schuld auf sie. Der Leser erfährt in diesem Kapitel außerdem, dass Hanna in den Lagern Schützlinge hatte, die ihr vorlesen mussten. Auch dies verdeutlicht erneut ihren Analphabetismus.
Inhalt des Buches der überlebenden Tochter
Michael beschreibt den Inhalt des Buches der überlebenden Tochter. Es enthält Beschreibungen zur Situation des KZ-Lagers und erzählt, wie jeden Monat sechzig Frauen selektiert wurden und nach Auschwitz mussten. Die Tochter beschreibt ebenfalls, wie sie mit ihrer Mutter den Brand in der Kirche auf einer kleinen Empore überlebt hat.