Die Vorsokratiker: Die Suche nach dem Ursprung der Welt
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Die Vorsokratiker und die Suche nach der Arché
Die Vorsokratiker (The Presocratics) suchen nach der Arché – dem Wesen der Wirklichkeit, das sich nicht ändert und als beständige Permanenz unverändert bleibt.
Thales von Milet (7.–6. Jh. v. Chr.)
Wir wissen von diesem Autor vor allem durch die Erwähnungen anderer Philosophen wie Aristoteles. Für Thales ist die Arché das Wasser in einem physischen Sinne. Das Wasser hat für ihn zwei Bedeutungen:
- Ein mythologischer Sinn: Die Götter des Meeres.
- Ein metaphysischer Sinn: Wasser als Quelle des Seins. Es ist eine unverzichtbare Quelle des Lebens, die in jedem Objekt oder Tier der Welt vorhanden ist.
Für ihn ist der Urgrund kein abstrakter Begriff, sondern eine physikalische Realität. Er war ein großer Beobachter der Natur und soll allein durch die Betrachtung des Himmels eine Sonnenfinsternis vorhergesagt haben.
Anaximander (7.–6. Jh. v. Chr.)
Dieser Autor besaß Kenntnisse in der Astronomie aus Babylon. Er war davon überzeugt, dass das Universum unendlich ist. Davon ausgehend entwickelte er seine weiteren Vorstellungen. Für Anaximander ist die Arché das Apeiron (das Unbestimmte). Es ist die Essenz der Realität.
Er lehrte zudem, dass alles in einem Moment des unbestimmten Lebens eine Funktion hat und lebendig ist, aber im Laufe der Zeit sterben muss, da dies sein Schicksal ist. Was aus der Notwendigkeit geboren ist, wird von der Natur auferlegt. Zum Zeitpunkt des Lebens zahlen die Menschen den Preis dafür, von ihrem gemeinsamen Ursprung getrennt zu sein, und müssen nach der Notwendigkeit sterben. All dies ist zyklisch.
Mit seiner mathematischen Weisheit behauptete der Philosoph, dass die Erde von einer Säule gehalten werde, flach sei und von einem Himmelsgewölbe bedeckt werde. Dieses Argument war kein reiner Mythos mehr, sondern etwas geometrisch Überprüfbares.
Anaximenes (6.–5. Jh. v. Chr.)
Für diesen Philosophen ist die Arché die physische Luft. Für ihn ergeben sich alle Phänomene und natürlichen Einzelwesen aus Prozessen der Kondensation (Verdichtung) und Verdünnung eines materiellen Prinzips: der Luft. Deshalb werden Menschen nicht durch einen Prozess der Trennung geboren, sondern durch die Verteilung der wesentlichen Komponente: der Luft.
Heraklit (6.–5. Jh. v. Chr.)
Für Heraklit ist die Arché das Feuer. Dieses Feuer ist kein rein physisches, sondern ein metaphorisches Feuer, da Feuer immer in Bewegung ist und den Zustand eines Objektes ändern kann. Das Feuer repräsentiert die Bewegung oder den Wandel.
Das Feuer ist der Logos, ein Grundprinzip, das über allem steht. Diese Argumentation besagt, dass alles einer Ordnung folgt, aber letztlich alles stirbt. Die Erschaffung der Wirklichkeit geschieht durch Kontraste (Gut / Böse). Alles, was sich zum Besseren oder Schlechteren verändert, ist ein Ziel, auf das der Logos ausgerichtet ist.
Die Pythagoreer
Sie verstanden das Universum als ein heliozentrisches System mit der Sonne im Zentrum, nutzten jedoch die Metapher, die Sonne als „Jupiter“ zu bezeichnen. Das Universum wurde aufgrund einer mathematischen Harmonie begriffen, sodass die Arché der Realität die Zahl ist. Damit ist gemeint, dass die gesamte Wirklichkeit in Zahlen enthalten ist. Die Zahl steht für die Ordnung und Harmonie.
Der Mensch ist vor allem Seele; der Körper ist nur ein Gefängnis für die Seele, die als unsterblich gilt, da sie wiedergeboren wird. Damit die Seele den Körper verlassen kann, muss sie eine Ausbildung erfahren. Dieser pädagogische Inhalt der Seele ist das Wichtigste. Disziplin und Bildung geben der Seele Struktur. Platon wurde ein großer Anhänger der Pythagoreer. In der Politik befürworteten die Pythagoreer die Aristokratie – die Herrschaft der Besten, also der Intelligenten und Intellektuellen.
Parmenides
Die Arché der Wirklichkeit ist für ihn das Sein selbst: Alles bleibt, im Gegensatz zur These von Heraklit („Alles fließt“). Alle Dinge haben eine Arché, weil sie als Existenz verstanden werden. Ihm zufolge ist der Mensch wie ein „zweiköpfiges Monster“ mit zwei Wegen: Der eine ist der Weg der Wahrheit, der andere der Weg über die Sinne.
Es gibt viele Dinge in der Realität, aber in der Wahrheit kommen wir zu dem Schluss, dass alles gleich ist, auch wenn es unterschiedliche Wege gibt. Wenn ein Konflikt zwischen Doxa (Meinung) und Episteme (Wissen) besteht, zählt nicht die Doxa der Gefühle, sondern allein die Vernunft.
Das Sein ist einzigartig und manifestiert sich auf unterschiedliche Weise. Es ist ewig, weder geboren noch sterblich. Es ist unveränderlich. Die gesamte Realität ist eine Erweiterung des Seins. Ein Großteil der Metaphysik von Platon (die Ideenwelt) basiert auf dieser Theorie.
Empedokles von Agrigent
Dieser Autor sagt, dass die Arché aus den vier Wurzeln besteht: Wasser, Feuer, Erde und Luft. Diese vier Grundsätze sind einfach, unteilbar, ewig und generativ. Aristoteles nannte sie später die vier Elemente. Empedokles nennt sie „Wurzeln“, um ihre Fähigkeit, Leben zu vermitteln, zu erklären. Durch ihre Mischung in unterschiedlichen Proportionen entsteht die Vielfalt der Lebewesen.
Zudem führte er zwei gegensätzliche Naturkräfte ein: Liebe (eine positive Kraft, die zur Einheit führt) und Streit (eine negative Kraft, welche die Einheit aufbricht und zu Konflikten führt).
Anaxagoras von Klazomenai
Anaxagoras führte die Gedanken von Empedokles fort, jedoch mit der Neuerung, dass die Zusammensetzung der Dinge nicht das Ergebnis von Zufall oder bloßer Notwendigkeit ist, sondern die Folge einer Intelligenz.
Nach ihm sind die Arché materielle Teilchen, die Homöomerien, welche unzerstörbar, unveränderlich und unsichtbar sind. Diese Partikel sind beliebig teilbar. In unterschiedlichen Anteilen kombiniert, führen sie zum Ursprung des Seienden. Dieser Prozess wird durch die Intelligenz (Nous) gesteuert – eine Art Weltgeist oder Naturgesetz, das den Schöpfungsprozess ordnet. Der Nous ist die Intelligenz der Natur selbst, die alle Wesen hervorbringt.
Demokrit und der Atomismus
Demokrit begründete das atomistische Denken. Für ihn ist die Arché das Atom, welches zu jener Zeit als unteilbar galt. Alle Wesen bestehen aus Atomen. Zwischen den Atomen existiert das Vakuum (der leere Raum). Damit Bewegung auftreten kann, muss Raum zwischen den Atomen sein.
Demokrit glaubt, dass Atome keinem Schöpfergesetz folgen, sondern alles durch Zufall geschieht. Die wahrgenommene Realität ist subjektiv, da wir sie durch unsere Sinne filtern. Die wahre Realität entzieht sich dem direkten Fühlen. Er vertritt einen konsequenten Materialismus: Alles, was existiert, ist rein materiell und aus Atomen zusammengesetzt.