Wahrnehmung, Bewusstsein und Perspektiven zum Tod
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Gefühl und Wahrnehmung
Das Gefühl ist die Aufnahme sinnlicher Reize. Es hat an sich keine Bedeutung, sondern stellt lediglich die Rezeption und einen Anstoß dar. Die Wahrnehmung ist die Verarbeitung solcher sensorischen Daten, um ihnen einen Sinn zu geben; sie ist die Anerkennung eines bestimmten Elements, das wir verstehen und interpretieren können.
Die Beziehung zwischen diesen beiden Konzepten wurde durch zwei Haupttheorien untersucht:
- Assoziationistische Theorien: Sie gehen davon aus, dass Wahrnehmung nichts weiter ist als eine Folge von Empfindungen und deren Assoziation. Wahrnehmung entsteht demnach durch die Verbindung einzelner Gefühle.
- Gestalttheorie (Theorie der Form): Diese Theorie besagt, dass Wahrnehmung nicht die bloße Summe von Empfindungen ist. Wahrnehmung erfasst Ganzheiten oder Objekte (Gestalten) in einem organisierten Prozess: Zunächst werden organisierte Gesamtheiten wahrgenommen und durch Abstraktion können anschließend die verschiedenen Empfindungen unterschieden werden, die diese Ganzheiten ausmachen.
Perspektiven zum Tod
Tod als biologische Tatsache: Der Tod kann biologisch und medizinisch analysiert werden; seine Definition ändert sich je nach den verwendeten Kriterien. Beispielsweise wurde der Herzstillstand früher oft gleichbedeutend mit dem Tod angesehen, doch dieser Zustand kann durch technische Mittel noch künstlich aufrechterhalten werden. Heute wird häufig die Hirnaktivität als Kriterium herangezogen.
Tod als sozio-kulturelles Ereignis: Biologische Fakten werden stets durch soziale und kulturelle Interpretationen gefiltert. Wie der Tod in einer Gesellschaft verstanden und ritualisiert wird, hängt von ihrer Kultur ab. Für die Sterbenden und ihre Gemeinschaften ist der Tod ein gesellschaftliches und kulturelles Ereignis. So kann der Tod in einer Kultur, die an Unsterblichkeit glaubt, anders interpretiert werden als in einer Kultur, die Transzendenz ablehnt.
Tod als persönliches Ereignis: Aus dieser Perspektive ist der Tod ein Teil des biografischen Lebensprozesses. Menschen begegnen dem Tod unterschiedlich: mit Fürsorge, mit Angst, mit Gleichgültigkeit usw.
Philosophie des Todes
Zunächst ist zu unterscheiden, dass Tiere und Menschen sterben; beim Menschen wird der Tod nicht nur als Aufhören des biologischen Lebens verstanden, sondern häufig auch als Verlust des Bewusstseins oder als existenzielle Frage. Drei bedeutende Vorschläge bzw. Positionen in der Philosophie des Todes sind:
- Epikur: Für Epikur besteht das ideale Leben darin, in Ruhe und ohne falsche Ängste zu leben. Eine der größten Ängste ist die Furcht vor dem Tod. Sein Argument lautet: Den Tod soll man nicht fürchten, denn wenn wir existieren, ist der Tod nicht vorhanden, und wenn der Tod vorhanden ist, existieren wir nicht mehr. Daher betrifft uns die Furcht vor dem Tod nicht in der Gegenwart. Epikur betont außerdem, dass der Tod kein Ereignis ist, das uns während des Lebens direkt trifft.
- Heidegger: Bei Heidegger ist der Tod eines der zentralen Themen. Das Grundmerkmal des menschlichen Lebens ist das Sein-zum-Tode. Das Leben im Angesicht des Todes macht die Möglichkeiten des Daseins sichtbar und ermöglicht es dem Einzelnen, das eigene Sein ernst zu nehmen. Die Vorwegnahme des Todes führt zur Ernsthaftigkeit des Lebens.
- Unamuno: Unamuno betont die Aufsässigkeit des Menschen gegenüber der endgültigen Vernichtung. Die Vorstellung der totalen Auslöschung bricht das Denken zusammen; der Tod als universelles Schicksal stellt eine radikale Zerreißprobe für das menschliche Bewusstsein dar.
Einstellungen zur Frage des Todes
Es gibt verschiedene Haltungen gegenüber der Frage des Todes:
- Gnostische Haltung: Diese Haltung behauptet, spezielles Wissen oder Gewissheit über das Jenseits und die Bedeutung des Todes zu besitzen.
- Dogmatische Haltung: Hier glaubt man, eine endgültige Antwort zu haben (zum Beispiel durch religiöse Gewissheiten) und stellt die Frage als weitgehend beantwortet dar.
- Tragische Haltung: Bis man überzeugende Antworten findet, bleibt man in Qual und Angst; diese Haltung entspricht zum Beispiel der Position Unamunos, in der Leiden und Sorge im Mittelpunkt stehen.
- Hoffnungsvolle Haltung: Diese Haltung ist von einer fortdauernden Suche geprägt; man kann Überzeugungen oder Hoffnungen haben, erkennt aber zugleich die Ungewissheit und die Notwendigkeit, weiter zu suchen.
Introspektion und Bewusstsein
Introspektion ist der Prozess des inneren Schauens: ein Instrument der Psychoanalyse, um die eigenen psychischen Zustände zu untersuchen. In der strengsten Auffassung ist Introspektion eine Methode, durch die wir Zugang zur Psyche des Menschen erlangen können. Im Gegensatz dazu behaupten Verhaltenspsychologen, dass man nur Verhaltensmuster beobachten, nicht jedoch direkte Einsichten in innere psychische Zustände gewinnen kann.
In diesem Zusammenhang lassen sich verschiedene Aspekte des Bewusstseins unterscheiden:
- Bewusst (wach): Wach sein und äußere Reize empfangen können. Wenn wir schlafen, sind wir in diesem Sinn nicht bewusst.
- Wahrnehmen (realisieren): Das Sammeln von Informationen und deren Verarbeitung, um ihnen Bedeutung zu geben. Man kann zum Beispiel wach sein, aber unaufmerksam, sodass man viele Dinge übersieht.
- Reflexives Bewusstsein / Verantwortungsbewusstsein: Das Gefühl der Kontrolle über eigene Handlungen: planen, reflektieren und die Konsequenzen erkennen. Dies ist eng mit dem moralischen Gewissen und der Idee von Verantwortung verbunden. Eine bewusstlose Person kann nicht über mögliche schwerwiegende Folgen ihres Handelns nachdenken.
Gehirn-Seele-Problem und Grundbegriffe
Gehirn-Seele-Problem: Eine philosophische Kontroverse über die möglichen Zusammenhänge zwischen psychischen Zuständen (Bewusstsein, Psyche, Seele) und physischen Zuständen (Gehirn, Körper) und die Frage, ob es zwei unterschiedliche Substanzen gibt.
Turing-Test: Ein 1950 von Alan Turing vorgeschlagener Test zur Beurteilung maschineller Intelligenz. Teil der Idee ist, dass eine Maschine, die sich wie ein intelligentes Wesen verhält, als intelligent angesehen werden sollte.
Dualismus: Philosophische Position, die Geist und Körper als zwei verschiedene Substanzen oder Einheiten betrachtet.
Monismus: Philosophische Position, die die Existenz nur einer Substanz verteidigt, meist einer materiellen Substanz; die Materialisten gehören zu den monistischen Positionen.
Grundlagen des Nervensystems
Zentrales Nervensystem: Besteht aus Gehirn und Rückenmark; es bildet das wichtigste Rechenzentrum des Nervensystems und steuert u. a. die willkürlichen Funktionen des Körpers.
Gehirn (Enzephalon): Teil des Zentralnervensystems, liegt im Schädel und besteht aus Großhirn, Hirnstamm und Kleinhirn.
Cortex (Hirnrinde): Das Nervengewebe, das die Oberfläche des Großhirns überzieht; verantwortlich für höhere kognitive Fähigkeiten, Wahrnehmung, Denken und komplexe Verarbeitungsprozesse.
Neuron: Die Grundzelle des Nervensystems, verantwortlich für die Weiterleitung von Nervenimpulsen über Synapsen. Das menschliche Gehirn enthält ungefähr 100 000 Millionen (100 Milliarden) Neuronen.
Rückenmark: Teil des Zentralnervensystems, im Inneren der Wirbelsäule gelegen; es verbindet das Gehirn mit dem restlichen Körper.
Hirnlappen: Die Großhirnrinde ist in Bereiche unterteilt, die für verschiedene Funktionen zuständig sind. Es gibt vier Hauptlappen: Stirnlappen (Frontal), Schläfenlappen (Temporal), Scheitellappen (Parietal) und Hinterhauptslappen (Okzipital).
Kognitionswissenschaft und verwandte Begriffe
Kognitionswissenschaft: Eine interdisziplinäre Kombination von Disziplinen, die aus verschiedenen Perspektiven versuchen zu verstehen, wie ein physikalisches System (das Gehirn) Informationen empfängt, auswählt und verarbeitet, um mentale Zustände zu erzeugen. Zu den beteiligten Fächern gehören Psychologie, Philosophie des Geistes, Anthropologie, Linguistik, Neurowissenschaften und Künstliche Intelligenz.
Weitere philosophische und kognitive Begriffe
- Epikur: Nach Epikur sind die drei Quellen des menschlichen Unglücks: die Furcht vor den Göttern, die Angst vor dem Tod und die Furcht vor der Zukunft. Wenn etwas nicht in unseren aktuellen Sorgen präsent ist, sollten wir es nicht vorzeitig fürchten.
- Heidegger: Deutscher Philosoph, oft als Vater des Existenzialismus bezeichnet; seine hermeneutische Methode betont, dass Menschen in Angst leben, aber gerade der Tod dem Leben seinen ernsten Sinn verleihen kann.
- Agnostizismus: Philosophische Position, die besagt, dass Erkenntnis über das Göttliche oder transzendente für den Menschen unzugänglich sein kann. Für den Agnostiker ist es oft sinnlos oder unergiebig, in dieser Sache endgültige Urteile zu fällen.
- Sensation: Erste Phase des kognitiven Prozesses: die Stimulation der Sinne und die Übertragung neuronaler Signale an das Zentralnervensystem ohne noch vorhandene Bedeutung für diese Reize.
- Wahrnehmung: Zweite Phase des kognitiven Prozesses: Organisation und Interpretation der Sensationen, um ihnen Bedeutung zu verleihen.
- Absolute Schwelle: Die minimale Intensität, die ein Reiz haben muss, damit er bewusst erkannt wird.
- Unterschiedsschwelle: Die minimale Differenz zwischen zwei Reizen, damit sie bewusst als unterschiedlich erkannt werden.
- Optische Täuschung: Jede Illusion des Sehsinns, die zu einer fehlerhaften Wahrnehmung der Realität führen kann; sie kann kognitive oder neurologische Ursachen haben.
- Introspektion: Die reflektierende Fähigkeit des Geistes, sich direkt auf eigene Zustände zu beziehen.
- Bewusstsein: Das Wissen eines Wesens um sich selbst und seine Umwelt; es ermöglicht Interaktion und Anpassung an externe Stimuli.
- Rationalismus: Philosophische Haltung, die betont, dass Wissen primär aus Vernunft und angeborenen Ideen (Ideen immanenter Natur) stammt.
- Empirismus: Philosophische Position, die dem Rationalismus entgegensteht und behauptet, dass alles Wissen aus Erfahrung stammt und die Existenz angeborener Ideen ablehnt.
- Kopernikanische Revolution: Eine radikale Veränderung der Perspektive, wie wissenschaftliche oder philosophische Probleme angegangen werden.
- Intelligenz: Allgemein die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und nützlich zu nutzen.
- Emotionale Intelligenz: Ein Begriff, populär gemacht von Daniel Goleman (1995), der die Fähigkeit beschreibt, eigene und fremde Gefühle zu erkennen, zu verstehen und darauf angemessen zu reagieren.