Wahrnehmung und Verhalten: Theorien, Prozesse und Entwicklung

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Perzeptuelles Verhalten und Motorik

Perzeptuelles Verhalten (Wahrnehmungsverhalten) beschreibt Prozesse, bei denen die Großhirnrinde sensorische Informationen wie ein Computer verarbeitet, um grundlegendes Verhalten zu steuern. Durch Bewegung und wahrnehmungsmotorisches Verhalten erwerben Kinder folgende Fähigkeiten:

  • Raumorganisation: Die Regulierung des Körpers, seine Orientierung sowie die grafische Darstellung und der Ausdruck.
  • Geschwindigkeit und motorische Aktivität.
  • Sensorische Wahrnehmung: Farben, Formen, Texturen, Geräusche (akustische Reize) usw.
  • Zeitliche Organisation und Strukturen.
  • Auge-Hand-Koordination.

Definition und Merkmale der Wahrnehmung

Wahrnehmung ermöglicht es dem Körper, über die Sinne Reize aus der Umgebung zu empfangen, zu verarbeiten und zu interpretieren. Sie ist der erste kognitive Prozess, durch den das Subjekt die Umwelt erfasst.

Wichtige Merkmale der Wahrnehmung:

  • Wahrnehmung ist ein langer, mehrteiliger Prozess, der einen kontinuierlichen Informationsfluss erfordert und dynamisch ist.
  • Wahrnehmung benötigt Stimuli (Reize).
  • Eine Halluzination ist keine Wahrnehmung, da kein Stimulus vorhanden ist; sie wird als Veränderung der Wahrnehmung betrachtet.
  • Die Transformation der Wahrnehmung basiert auf der Repräsentation, die wir uns gebildet haben. Der Stimulus ändert sich nicht, aber unsere Repräsentation davon.
  • Die Repräsentation, die wir bilden, wird immer abstrakter.
  • Wahrnehmung ist relativ. Sie hängt vom Grad der Adaption des Empfängers ab und erfasst den Stimulus auf physiologischer Ebene.
  • Das Ziel ist es, eine distale Interpretation des Stimulus zu erhalten, die für uns sinnvoll ist.

Haupttheorien der Wahrnehmung

1. Die Schablonentheorie (Template Theory)

Dies ist eine frühe Theorie der Mustererkennung. Sie besagt, dass wir in unserem Gehirn eine Reihe von Mustervorlagen gespeichert haben, die wir zuvor gelernt haben. Die Erkennung erfolgt, indem die eingehenden sensorischen Informationen mit diesen gespeicherten Vorlagen abgeglichen werden (z. B. passende Konturen eines Buchstabens). Ein weiteres Prinzip ist die Standardisierung.

Die Schablonentheorie kann verbessert werden, indem vor dem Vergleich zwischen neuen Informationen und den Vorlagen der Input einen Prozess der „Eliminierung“ durchläuft, der die wesentlichen Musterinformationen von den unwesentlichen trennt.

2. Die Merkmalsanalyse (Feature Analysis Theory)

Im Gedächtnis sind kurze Listen von Merkmalen (Eigenschaften) gespeichert, die Objekten entsprechen. Diese Merkmale werden aus den Stimuli extrahiert, kombiniert und dann mit den im Gedächtnis gespeicherten Listen verglichen. Durch die Reduzierung der Anzahl der Merkmale, die kombiniert und neu kombiniert werden können, wird die Mustererkennung ermöglicht.

Der Vergleichsprozess, der die Gedächtnisfunktion nutzt, impliziert eine Suche, die zwei Formen annehmen kann: serielle Suche oder parallele Suche.

3. Das Pandemonium-Modell

Dieses Modell geht davon aus, dass die Merkmalserkennung in vier Verarbeitungsstadien abläuft.

4. Ökologische oder Direkte Wahrnehmungstheorie (Gibson)

Gibson argumentierte, dass die Wahrnehmung direkt und unmittelbar ist. Er postulierte, dass die Stimuli dem Geist Ordnung auferlegen. Er bekräftigte, dass fast alle Wahrnehmungserfahrungen durch den Stimulus selbst erklärt werden können.

Theoretische Annahmen nach Gibson:

  • Das Lichtmuster, das die Augen stimuliert, kann als eine optische Anordnung betrachtet werden, die alle visuellen Informationen enthält, die die Augen erreichen.
  • Die optische Anordnung liefert eindeutige Informationen über die Eigenschaften von Objekten im Raum.
  • Die Wahrnehmung existiert auf viele Arten.
  • Die Nutzungsmöglichkeiten (Affordances) eines Objekts werden durch psychische Zustände beeinflusst.

5. Konstruktivistische Theorie

Die Wahrnehmung wird nicht vollständig durch die Stimuli bestimmt, die an die Sinne gelangen. Im Gegenteil, sie ist eine aktive Konstruktion des Empfängers, die höhere kognitive Prozesse beinhaltet.

Neisser schlug das Konzept des Perzeptuellen Zyklus vor, das heute in der kognitiven Psychologie anerkannt ist. Dieses Konzept umfasst drei Elemente:

  1. Die Schemata (Zeitpläne).
  2. Die Erforschung der Wahrnehmung.
  3. Die Umweltstimuli.

Der Perzeptuelle Zyklus zeigt, dass wir uns nicht darauf beschränken, Stimuli passiv zu empfangen. Wir überlagern diesen Stimuli präventive Maßnahmen, die uns einen Plan liefern, den wir bewerten und der dann eintritt.

Die Bedeutung der Raumorganisation

Bei der Geburt kann unser Körper die Umgebung noch nicht unterscheiden. Denken wir an Erwachsene: Wir können Entfernungen einschätzen und die Perspektiven von Strukturen verstehen. Kurz gesagt, der Raum um uns herum ist keine gähnende Leere.

Kinder überwinden diese anfängliche Unfähigkeit schrittweise, unterstützt durch die Reifung des Nervensystems und vor allem durch ihre Erlebnisse. Unser Ziel ist es, diesen Prozess zu erleichtern.

Eine gute Raumorganisation bietet auch Sicherheit, da sie uns von der Angst vor dem Unbekannten befreit. Dies wirkt sich positiv auf die Kontrolle des emotionalen und relationalen Lebens aus.

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