Wahrnehmungstheorien und die Geschichte des Kinos
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Theorien der Wahrnehmung: Wie wir die Welt verstehen
Die Wahrnehmung ist ein komplexer Prozess, der durch verschiedene Theorien erklärt wird. Hier sind die wichtigsten Ansätze:
1. Theorie des Schließens (Inferenztheorie)
Diese Theorie hat ihren Ursprung bei den britischen Empiristen des 17. und 18. Jahrhunderts, wie Hobbes, Locke oder Hume. Sie argumentierten, dass der Geist bei der Geburt ein unbeschriebenes Blatt (tabula rasa) ist und dass Wissen nur durch sensorische Erfahrung und die Verknüpfung von Ideen erworben wird. Ein prominenter Vertreter ist Hermann von Helmholtz, der argumentierte, dass Wahrnehmung ein Prozess der unbewussten deduktiven Inferenz ist, bei dem wir aufgrund vergangener Erfahrungen die Natur unserer Empfindungen erschließen. Zum Beispiel, wenn wir weiter entfernte Objekte kleiner sehen.
2. Theorie der Gestalt (Form, Struktur)
Als Erben von Philosophen wie Descartes und Kant (17. bzw. 18. Jahrhundert), die argumentierten, dass der menschliche Geist angeborene Ideen über Form, Größe und andere Objekteigenschaften besitzt, wurde die Gestalttheorie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von deutschen Psychologen wie Wertheimer, Köhler und Koffka konzipiert. Sie behaupteten, dass das Gehirn verschiedene Wahrnehmungen und Empfindungen als einheitliches Ganzes organisiert, das durch angeborene Gesetze bestimmt wird. Eine Melodie beispielsweise ist nicht nur eine Summe von Tönen, sondern eine Eigenschaft, die aus der Wechselbeziehung aller Töne entsteht. Daher ihr berühmter Slogan: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
3. Die Theorie des Reizes
Im Kontext der Tradition, die Korrelationen zwischen physikalischen und sensorischen Variablen untersucht, besagt diese Theorie, dass alle zur Erklärung unserer Wahrnehmung notwendigen Informationen in der Umwelt vorhanden sind und dass für jede Art der Wahrnehmung ein spezifischer Reiz oder eine bestimmte Art von Information existiert. Dieser Ansatz wurde im 19. Jahrhundert entwickelt und in den 1940er Jahren von J.J. Gibson und seinem Forscherteam wieder aufgegriffen, deren Arbeit darauf abzielte, die wichtigsten Merkmale der einzelnen Arten von Reizwahrnehmung zu klären.
Die Wahrnehmung scheinbarer Bewegung
1. Nachbildwirkung (Persistence of Vision)
Dieses Phänomen wurde 1824 von Peter Mark Roget beschrieben. Es besagt, dass wenn ein Bild durch einen Lichtreiz auf der Netzhaut erzeugt wird, das Gefühl bestehen bleibt, auch wenn der Reiz nicht mehr vorhanden ist (und mindestens 1/15 Sekunde lang anhält). Das bedeutet, es gibt eine Trägheit der Netzhaut: Bilder werden nicht sofort gelöscht, sondern bleiben für eine kurze Zeit bestehen.
2. Der Phi-Effekt
Zuerst 1912 von Wertheimer untersucht, besagt dieser Effekt, dass wenn zwei identische Bilder sehr nahe beieinander auf der Netzhaut erscheinen und in Intervallen, die kürzer sind als die Dauer der Nachbildwirkung, das Gefühl eines sich von einer Position zur anderen bewegenden Objekts induziert wird. Es ist der zweite Effekt, der das Gefühl der scheinbaren Bewegung verstärkt (und zusammen mit der Nachbildwirkung bestimmt, dass die Bildfrequenz eines Films mindestens 16 Bilder pro Sekunde betragen sollte).
Die Geschichte des Kinos: Meilensteine und Innovationen
Trotz der Vielzahl von Patenten und Experimenten mit Chronographen, die Ende des 19. Jahrhunderts stattfanden, sind sich die meisten Historiker einig, dass es Edison gelang, um 1891 die ersten perforierten Filme zu entwickeln, während die Gebrüder Lumière (insbesondere Louis) 1895 die ersten erfolgreichen öffentlichen Filmvorführungen realisierten. Die wichtigsten historischen Meilensteine des Kinos lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- 1891: Edison verkauft das Kinetoskop.
- 1895: Die Brüder Lumière veranstalten die ersten öffentlichen Filmvorführungen.
- 1915: D.W. Griffiths Die Geburt einer Nation feiert Premiere. Der Film fasst die Fortschritte der Filmsprache seit den Anfängen des Kinos zusammen (Änderungen von Einstellungsgröße und -winkel, Kamerabewegung, Raum- und Zeitgestaltung).
- 1927: Der erste Tonfilm, Der Jazzsänger von Alan Crosland, wird veröffentlicht. Zuvor gab es Filme mit synchronisierter Musik, aber hier sang und sprach der Darsteller direkt.
- 1939: Das Technicolor-Farbsystem setzt sich mit dem Blockbuster Vom Winde verweht von Victor Fleming durch. (Walt Disney hatte bereits einige Jahre zuvor mit Farbe in seinen Animationen experimentiert.)
- 1941: Orson Welles' Citizen Kane feiert Premiere. Der Film synthetisiert neue filmische Mittel, die jede neue Bewegung oder jeder neue Regisseur bieten würde. Aufgrund seiner technischen Komplexität gilt er als Höhepunkt der Entwicklung der Filmsprache.