Der Erste Weltkrieg: Ursachen, Verlauf und Folgen
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Die Ursprünge des Ersten Weltkriegs
Der bewaffnete Frieden (1890–1914)
Nach der Reichsgründung wurde Deutschland unter Reichskanzler Bismarck zur dominierenden Macht in der internationalen Politik. Dies führte zu einem System von Allianzen zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien, das zwei Ziele verfolgte:
- Die Isolierung Frankreichs: Der Verlust von Elsass-Lothringen nach dem Krieg von 1870 schürte in Frankreich den Wunsch nach Revanche.
- Die Erhaltung des Gleichgewichts auf dem Balkan: Man wusste, dass Österreich und Russland dort gegensätzliche Interessen hatten, was den Ursprung eines europäischen Konflikts bilden konnte.
Nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I. bestieg Wilhelm II. den Thron, verfolgte eine aggressivere imperialistische Expansion und entließ Bismarck (1890). Es begann der bewaffnete Frieden (1890–1914):
- Die europäischen Mächte gruppierten sich neu: Deutschland, Österreich und Italien bildeten den Dreibund. Frankreich, Russland und das Vereinigte Königreich schlossen sich zur Triple-Entente zusammen. Russland löste das Bündnis mit Deutschland aufgrund von Problemen auf dem Balkan.
- Die gegenseitige Angst führte zu einem massiven Wettrüsten.
Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Mächten
Der Interessenkonflikt zwischen den alten Kolonialmächten und den neuen Mächten blieb eine Quelle von Spannungen, da letztere Kolonien für Rohstoffe und Absatzmärkte beanspruchten.
Die Marokkokrisen (1905–1911)
Deutschland und Frankreich stritten um den Einfluss in Marokko. Auf der Konferenz von Algeciras (1906) wurde Marokko als französisches und spanisches Protektorat deklariert. 1911 warf Deutschland Frankreich die Nichteinhaltung der Vereinbarungen vor; im Austausch für die Anerkennung des französischen Protektorats erhielt Deutschland Gebiete im Kongo.
Die Balkankrise
Das Osmanische Reich zerfiel, und Österreich sowie Russland versuchten, daraus Vorteile zu ziehen. Russland unterstützte die slawischen Staaten (Bulgarien und Serbien), während Österreich versuchte, seinen Einfluss in der Adria auszuweiten. Zwischen 1908 und 1913 kam es zu drei schweren Krisen.
Die Julikrise 1914
Im Juni 1914 wurde der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand bei einem Besuch in Sarajevo von einem serbischen Nationalisten ermordet. Österreich nutzte dies, um Serbien zu neutralisieren. Am 23. Juli stellte Österreich ein Ultimatum. Da Serbien, unterstützt von Russland, das Ultimatum ablehnte, erklärte Österreich am 28. Juli Serbien den Krieg.
Russland mobilisierte gegen Österreich und Deutschland. Deutschland erklärte daraufhin Russland und Frankreich den Krieg. Der deutsche Plan, durch das neutrale Belgien in Frankreich einzumarschieren, führte zur Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland. Italien blieb zunächst neutral und brach den Dreibund.
Die Entwicklung des Ersten Weltkriegs (1914–1918)
Kriegführende Länder und Etappen
Der Krieg weitete sich weltweit aus. Die Mittelmächte wurden durch das Osmanische Reich und Bulgarien unterstützt. Die Triple-Entente erhielt Unterstützung durch Italien, Rumänien, Griechenland, die USA und weitere Staaten aus Amerika und Asien.
Der Bewegungskrieg (1914)
Der deutsche Schlieffen-Plan zielte auf einen schnellen Sieg über Frankreich ab, um sich danach gegen Russland zu wenden. Der Angriff durch Belgien wurde jedoch in der Schlacht an der Marne (September 1914) gestoppt. Russland startete einen Angriff auf Deutschland, wurde aber bei Tannenberg (September 1914) besiegt, zwang Deutschland jedoch zur Truppenverlegung in den Osten.
Der Stellungskrieg (1914–1917)
Das Scheitern der deutschen Offensive führte zur Konsolidierung der Fronten durch Gräben und Maschinengewehrnester. Offensiven wie in Verdun (1916) oder an der Somme (1916) forderten enorme Opfer ohne entscheidenden Durchbruch.
- Mittelmeerraum: Die Briten scheiterten bei Gallipoli (1915).
- Kolonien: Deutsche Kolonien in Afrika wurden von Briten und Japanern erobert.
- Naher Osten: Alliierte besetzten mit Hilfe arabischer Nationalisten osmanische Gebiete.
- Seekrieg: Die britische Flotte blockierte Deutschland, woraufhin Deutschland den U-Boot-Krieg forcierte.
Die Krise von 1917
- Russische Revolution: Der Zar wurde abgesetzt, eine kommunistische Regierung übernahm die Macht. Im März 1918 schloss Russland mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk den Frieden mit Deutschland.
- Eintritt der USA: Nach dem uneingeschränkten U-Boot-Krieg traten die USA in den Krieg ein und brachten frische Truppen und industrielle Ressourcen.
Das Ende des Krieges (1918)
Nach dem russischen Rückzug scheiterte die letzte deutsche Offensive an der Ankunft der Amerikaner. Die alliierte Gegenoffensive (Zweite Schlacht an der Marne) und die Erschöpfung der Mittelmächte führten zum Zusammenbruch.
Folgen und Friedensordnung
Konsequenzen des Krieges
Der Krieg forderte über 8 Millionen Tote und 9 Millionen Verletzte. Er führte zu einem Geburtenrückgang, der massiven Eingliederung von Frauen in den Arbeitsmarkt und der Etablierung einer Kriegswirtschaft. Neue Waffen wie Giftgas und Panzer wurden eingesetzt.
Die Pariser Vorortverträge (1919–1920)
Die Verträge (u.a. Versailles, Saint-Germain, Trianon, Sèvres) hatten drei Ziele: die Schwächung Deutschlands, ein Machtgleichgewicht unter den Siegern und die Isolierung Russlands durch einen Cordon sanitaire.
Territoriale Veränderungen
- Deutschland: Verlust aller Kolonien, Abtretung von Elsass-Lothringen an Frankreich und Posen an Polen.
- Österreich-Ungarn: Zerfall in Österreich, Ungarn, Tschechoslowakei; Gebietsverluste an Jugoslawien, Polen und Rumänien.
- Osmanisches Reich: Verlust von Syrien, Irak, Palästina und Inseln an Griechenland und Italien.
Weitere Folgen
Der Versailler Vertrag wies Deutschland die alleinige Kriegsschuld zu und forderte Reparationen. Zudem wurde das Rheinland entmilitarisiert. Der 1920 gegründete Völkerbund sollte internationale Konflikte friedlich lösen, blieb jedoch durch das Fehlen der USA und die Isolierung Russlands geschwächt.