Erster Weltkrieg, Zwischenkriegszeit und Weltwirtschaftskrise
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Ursachen des Ersten Weltkriegs (1890–1914)
Bismarcks Bündnissystem und der Bewaffnete Friede
Der *Bewaffnete Friede* (1890–1914) in Deutschland wurde maßgeblich durch Reichskanzler Bismarck geprägt, der die internationale Politik lenkte. Er entwickelte ein komplexes Bündnissystem, das Österreich-Ungarn, Russland und Italien einschloss.
Zwei Hauptziele Bismarcks waren:
- Frankreich zu isolieren.
- Das Gleichgewicht auf dem Balkan zu wahren.
Mit der Thronbesteigung von Kaiser Wilhelm II. änderte sich die Politik hin zu einem aggressiveren Kurs. Bismarck wurde entlassen. Es entwickelte sich der *Bewaffnete Friede* zwischen den Großmächten:
- Dreibund: Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien.
- Entente: Frankreich, Russland, Großbritannien (GB).
Russland verzichtete auf die Lösung der Probleme auf dem Balkan. Es kam zum Wettrüsten.
Konfliktfelder und Krisen
Die Spannungen zwischen den Mächten wurden durch koloniale Fragen verschärft.
- Marokkokrisen: Zwei Krisen in Marokko.
- Ostfrage: Die Krise im Osmanischen Reich, das Österreich und Russland beanspruchen wollten.
Die Julikrise 1914
Im Sommer 1914 eskalierte die Situation:
- Erzherzog Franz Ferdinand stirbt bei einem serbischen Attentat.
- Österreich-Ungarn stellt Serbien ein Ultimatum.
- Serbien akzeptiert die Forderungen am 25. Juli nur teilweise.
- Österreich erklärt Serbien am 28. Juli den Krieg.
- Deutschland erklärt Russland und dann Frankreich den Krieg.
- Der deutsche Angriff auf Frankreich erfolgt über Belgien.
- Großbritannien erklärt Deutschland den Krieg.
Italien trat dem Krieg nicht bei, da es argumentierte, dass Deutschland die Triple-Allianz gebrochen hatte.
Verlauf des Ersten Weltkriegs (1914–1918)
Die Bewegungskriegsphase und der Stellungskrieg
Alle Großmächte traten in den Krieg ein.
- Bewegungskrieg (August 1914): Deutschland setzte den Schlieffen-Plan um, um Frankreich über Belgien anzugreifen.
- Stellungskrieg: Der Vormarsch wurde in der Schlacht an der Marne bei Paris gestoppt. Es entwickelte sich ein Stellungskrieg (1914–1917).
- Materialschlachten: Die Versuche, die Fronten zu durchbrechen, führten zu schrecklichen Materialschlachten, wie der deutschen Offensive bei Verdun (Februar–Dezember 1916) und der britischen Offensive an der Somme (Juli–November 1916). Diese forderten Tausende von Toten.
Kriegsschauplätze außerhalb Europas
- Mittelmeer: Die Briten versuchten 1915, den Bosporus und die Dardanellen zu erobern, um das Osmanische Reich zu isolieren (Schlacht von Gallipoli – erfolglos).
- Afrika: Die deutschen Kolonien wurden von den Briten erobert, mit Ausnahme von Deutsch-Ostafrika (Tanganjika). Japan eroberte deutsche Gebiete in Asien.
- Naher Osten: Die Alliierten besetzten Palästina, Syrien, Saudi-Arabien und den Irak mithilfe arabischer Nationalisten.
Seekrieg und die Wende im Jahr 1917
Die britische Flotte blockierte Deutschland. Deutschland reagierte mit dem U-Boot-Krieg.
Die Krise von 1917
- Russische Revolution: Der Zar wurde gestürzt. Die kommunistische Regierung trat aus dem Krieg aus und verschaffte Deutschland einen Vorteil im Osten.
- Kriegseintritt der USA: Die USA traten in den Krieg ein, nachdem Deutschland versucht hatte, den Handel zu unterbinden (z. B. nach der Versenkung der *Lusitania* 1915). Die USA brachten alliierte Soldaten und leistungsfähige Industrie in den Konflikt.
Das Kriegsende 1918
Nach dem russischen Rückzug startete Deutschland eine Frühjahrsoffensive, die jedoch scheiterte, da die US-Truppen bereits eingetroffen waren. Die alliierte Gegenoffensive war erfolgreich. Unabhängigkeitsbewegungen in Österreich-Ungarn und die Spartakus-Revolution in Deutschland führten zum Zusammenbruch der Mittelmächte. Das Osmanische Reich, Österreich-Ungarn und Deutschland kapitulierten. Kaiser Wilhelm II. dankte ab.
Charakteristika des Großen Krieges (Totaler Krieg)
Der Konflikt wurde als der *Große Krieg* bezeichnet. Er war grausam und geprägt durch den Grabenkrieg. Er forderte 8 Millionen Tote und hatte schwerwiegende Folgen.
Der Krieg war ein Krieg der Ausdauer und des Verschleißes:
- Kriegswirtschaft: Frauen wurden in die Kriegswirtschaft einbezogen und erlangten dadurch politische Rechte.
- Propaganda: Propaganda wurde als Waffe eingesetzt.
- Technologie: Es wurde in wissenschaftliche Forschung investiert, um tödlichere Waffen, effizientere Produktion und technische Verbesserungen zu erzielen.
Folgen und Friedensorganisation
Die Pariser Friedenskonferenzen und Wilsons 14 Punkte
Der *Frieden von Paris* umfasste eine Reihe von Verträgen, die mit den besiegten Ländern unterzeichnet wurden. Die ideologische Grundlage bildeten die 14 Punkte, die US-Präsident Wilson vorgelegt hatte.
Ziele der Alliierten waren, die Rückkehr Deutschlands an die Macht zu verhindern, das Gleichgewicht der Mächte wiederherzustellen und das revolutionäre Russland zu isolieren.
Der Vertrag von Versailles (Deutschland)
Der Vertrag von Versailles legte fest:
- Deutschland verlor seine Kolonien, die hauptsächlich von Frankreich und Großbritannien übernommen wurden.
- Elsass-Lothringen fiel an Frankreich.
- Posen und Westpreußen fielen an Polen.
- Das Saargebiet wurde 15 Jahre lang international verwaltet.
- Deutschland musste Kriegsschäden (Reparationen) zahlen.
Neuordnung in Europa und Nahost
- Österreich-Ungarn: Das Reich zerfiel in Österreich, Ungarn und die Tschechoslowakei. Es verlor Gebiete zugunsten von Polen und Rumänien.
- Osmanisches Reich: Es wurde zur Türkischen Republik. Syrien und der Libanon fielen an Frankreich, der Irak und Palästina an Großbritannien.
- Polen: Erhielt Gebiete von Russland, Österreich und Deutschland.
- Rumänien: Erhielt Siebenbürgen.
- Jugoslawien: Gründung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, das Serbien, Kroatien, Slowenien, Bosnien, Montenegro und Mazedonien vereinte.
Der Versailler Vertrag wurde Deutschland auferlegt und entsprach nicht Wilsons 14 Punkten. Dies führte zur Isolation der USA und zum Wunsch nach deutscher Rache.
Gründung des Völkerbundes
Es wurde die *Gesellschaft der Nationen* (Völkerbund) geschaffen.
Die Zwanzigerjahre: Aufschwung und Spannungen
New York wurde zum Weltfinanzzentrum. Deutschland hatte große Verluste erlitten. Es wurden demokratische Regime eingeführt, die jedoch soziale Spannungen und Umwälzungen hervorriefen. Die Angst vor einer kommunistischen Revolution führte in einigen Ländern zur Entstehung diktatorischer Regime (z. B. Mussolini 1922).
Die Reparationskrise und der Dawes-Plan
Deutschland konnte die Reparationen an Frankreich nicht zahlen, und Frankreich konnte seine Schulden bei den Vereinigten Staaten nicht begleichen.
- Ruhrbesetzung (1923): Die französische Armee besetzte das Ruhrgebiet, um die deutschen Bergwerke zu kontrollieren. Dies führte zu Streiks.
- Dawes-Plan: Die USA stellten den Dawes-Plan auf. Deutschland erhielt US-Darlehen, um die Reparationen zu zahlen.
Der Geist von Locarno und die "Goldenen Zwanziger"
Im Vertrag von Locarno (1925) erkannte Deutschland seine Westgrenzen an. Deutschland trat dem Völkerbund bei. Der *Geist von Locarno* symbolisierte eine Phase der Entspannung und des Wohlstands – die „Happy 20's“.
Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre
Ursachen und der Schwarze Donnerstag (1929)
Ursachen der Krise waren:
- Überproduktion (resultierend aus der Kriegswirtschaft).
- Spekulation (falsche Konten und scheinbarer Reichtum).
Der *Schwarze Donnerstag* (24. Oktober 1929) markierte den Zusammenbruch der Börse.
Globale Folgen und Lösungsversuche
Die Arbeitslosigkeit nahm zu, die Löhne sanken. Die Krise verbreitete sich global, da die USA ihre Importe reduzierten und die Rückführung von Kapital forderten. Die Krise breitete sich schnell in Europa aus (besonders Deutschland und Österreich).
Lösungsversuche:
- Der *New Deal* in den USA (staatliche Interventionen, öffentliche Bauprojekte, Subventionen für die Landwirtschaft).
- Die Londoner Konferenz (1933) scheiterte.
Aufstieg diktatorischer Regime
Das Scheitern der Lösungsversuche führte zum Verlust des Vertrauens in die Demokratie. Die Unterstützung für extreme politische Lager nahm zu (Kommunisten, Faschisten). Dies führte zur Entwicklung faschistischer Parteien und einer neuen Welle von Diktaturen, gipfelnd im Triumph des Nazi-Regimes in Deutschland.