Der Wettlauf um Afrika: Imperialismus und die Entstehung der Blöcke
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Die Aufteilung Afrikas: Ziele der Großmächte
Die beiden wichtigsten Mächte, die in Afrika Zuständigkeit übernahmen, waren Großbritannien (GB) und Frankreich. Großbritannien strebte danach, ein kontinuierliches Längsimperium von Ägypten bis zum Kap zu schaffen. Frankreich seinerseits wollte ein Querimperium errichten, das sich vom Golf von Guinea bis zum Roten Meer durch die Sahara erstreckte. Offensichtlich mussten die beiden Mächte an einem Schnittpunkt aufeinandertreffen.
Die Faschoda-Krise (1898)
Dies führte im Jahr 1898 zur Faschoda-Krise im Sudan. Großbritannien setzte sich gegen Frankreich durch und konnte sein Reich nach Süden fortsetzen.
Konflikt mit Portugal
Ein neues Problem stellte sich Großbritannien, als Portugal versuchte, seine Kolonien Angola und Mosambik, die am Atlantik und im Indischen Ozean lagen, zu vereinen. Großbritannien stellte Portugal ein Ultimatum. Portugal gab nach, um seine traditionelle Freundschaft mit den Briten nicht zu verlieren.
Der Burenkrieg in Südafrika
Der nächste große Konflikt fand zwischen England und den Niederländern im sogenannten Burenkrieg statt. Der Begriff „Buren“ (vom Niederländischen „boer“ für Kuh/Bauer) drückte die Verachtung aus, mit der die Briten die niederländischen Bauern bezeichneten. England besaß das Kap in Südafrika, aber die Holländer hatten sich in den unberührten Regionen Oranje und Transvaal niedergelassen. Als dort sehr wichtige Diamantenminen entdeckt wurden, beschlossen die Briten, diese Gebiete zu annektieren, was zum genannten Krieg führte.
Deutschlands späte Rolle und die Rivalität
England wollte sein kontinuierliches Längsreich schließen, doch Deutschland stellte sich in den Weg. Der neue Kaiser Wilhelm II. entließ Bismarck und verfolgte eine andere Politik: Er wollte als aktiver Spieler am politischen Spiel teilnehmen und nicht nur als Schiedsrichter agieren. Dies führte ihn in Konkurrenz zu England, da er ebenfalls ein Kolonialreich anstrebte. Deutschland kam spät zur Aufteilung Afrikas und konnte nur Gebiete in Ost- und Westafrika erwerben.
Diese Regionen blieben im Verhältnis zum Britischen Empire klein und verhinderten, dass England die vertikale Linie seines Reiches schließen konnte. Daher entstand eine tiefe Rivalität zwischen England und Deutschland, denn Deutschland holte in seiner Industrialisierungsebene sehr schnell zu England auf und versuchte, die Dominanz des Meeres durch die Schaffung einer mächtigen Flotte herauszufordern.
Die Entstehung der Blöcke und der Erste Weltkrieg
Das Ergebnis war, dass die Briten und Franzosen beschlossen, ihre alten Wunden zu vergessen und sich zu verbünden. Sie schufen den Block der Entente Cordiale, dem später auch Russland beitrat. Frankreich war damit aus seiner Isolation befreit, was Bismarck stets befürchtet hatte. Deutschland seinerseits bildete ein Bündnis mit Österreich-Ungarn und Italien (Dreibund).
Fortan war die Welt in zwei Blöcke aufgeteilt – ein Pulverfass, das jederzeit explodieren konnte. Dies geschah im Jahr 1914 mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
Wichtige Begriffe des Kolonialismus
Protektorat
Ein eigenes koloniales System für Regionen mit einer mehrheitlich indigenen Bevölkerung. Es gibt lokale Behörden, die die Innenpolitik regeln, während die Außenpolitik von der Metropole bestimmt wird.
Konzession (Award)
Gebiete, die einer Metropole für einen begrenzten Zeitraum (maximal 99 Jahre) zur wirtschaftlichen Ausbeutung und Verwaltung überlassen werden.
Dominion
Ein britisches Kolonialsystem, das dort eingerichtet wurde, wo die weiße Bevölkerung eine bedeutende Rolle spielte. Es gab einen Gouverneur und eine von Weißen gewählte Legislative, die eine Selbstverwaltung in der Innenpolitik ermöglichte. Die Außenpolitik blieb jedoch von der Metropole abhängig. Im Gegensatz dazu behandelte Frankreich seine Kolonien oft wie französische Überseedépartements, deren Bewohner in der Nationalversammlung vertreten waren.
Kolonialismus und Imperialismus
Kolonialismus ist ein Phänomen, das so alt ist wie die Geschichte selbst und unabhängig von Rassen und Kulturen auftrat. Er umfasst die Beherrschung eines Gebiets durch eine Metropole, die das Gebiet wirtschaftlich ausbeutet und schließlich die Kultur der Metropole übernimmt oder das Land besiedelt. Der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts ist eng mit den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Industriellen Revolution verwandt. Die marxistische Geschichtsschreibung nennt diese Phase Imperialismus.
Die Berliner Konferenz (1884)
Eine Konferenz, die 1884 in Berlin stattfand, um die Grundzüge der Aufteilung Afrikas festzulegen. Die Beschlüsse basierten auf folgenden Punkten:
- Freie Schifffahrt auf dem Kongo und dem Niger in Zentralafrika.
- Die Einführung eines Staatsbesitzes für Leopold II. von Belgien (Belgisch-Kongo).
- Der Grundsatz, dass die Besetzung von zwei Küstenpunkten durch eine Besatzungsmacht die Besetzung des dazwischen liegenden Hinterlandes erlaubte.