Wichtige Ethische Theorien: Von Aristoteles bis zur Diskursethik

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Aristoteles: Die Ethik der Glückseligkeit (Eudaimonia)

Jede Aktivität hat einen Zweck (z. B. Trinken, um den Durst zu löschen). Die Handlungen des Menschen sind hierarchisch verschachtelt, wobei einige wichtiger sind als andere.

Das ultimative Ziel: Glückseligkeit

Das höchste Ziel des menschlichen Handelns ist die Glückseligkeit (Eudaimonia). Aristoteles argumentiert, dass wir alle zustimmen, dass Glück um seiner selbst willen angestrebt wird, da alles andere nur Mittel zum Glück ist.

Was ist Glück?

Hier gibt es keine Einigung. Einige identifizieren es mit Freude, andere mit Ehre oder Reichtum. Aristoteles kritisiert, dass dies eine Verwechslung von Mitteln und Endzwecken darstellt.

Was macht den Menschen glücklich?

Die Selbstverwirklichung, d. h. die Erfüllung der eigentlichen Rolle des Menschen.

Die Rolle des Menschen

Der Mensch hat drei Funktionen: vegetative, sensible und rationale. Die letzten beiden sind die wichtigsten.

  • Die sensible Funktion wird vom rationalen Teil des Menschen gesteuert, der Triebe und Begierden dominiert.
  • Die rationale Funktion ist die geistige Aktivität, die Weisheit. Nur die Weisheit schenkt dem Menschen Glück, insofern er sich ihr widmen kann.

Anmerkung: Nach Aristoteles können sich nicht alle Menschen dem kontemplativen Leben widmen; er schließt Frauen, Sklaven und diejenigen, die durch Handarbeit „verroht“ sind, aus.

Epikur: Die Ethik der Freude (Hedonismus)

Epikur ist ein Hedonist: Das Ziel des Lebens ist der Genuss der Freude.

Materialismus und Atome

Der griechische Philosoph glaubt, dass alles, was existiert, Materie ist. Alles besteht aus Atomen, die sich im leeren Raum bewegen und unzählige Welten hervorbringen. Er leugnet das Übernatürliche und bekämpft Mythen und Aberglauben, die nur Angst und Unglück verursachen.

Das glückliche Leben

Da nur Materie existiert, ist das Ziel des Menschen, glücklich zu leben, indem er Vergnügen anstrebt und Schmerz meidet. Um ein glückliches Leben zu führen und Freude zu genießen, muss man von Intelligenz geleitet werden.

Drei Arten von Freuden

Um die ungestörte Ataraxie (Seelenruhe) und die Autarkie (Selbstgenügsamkeit) zu erreichen, unterscheidet Epikur:

  1. Natürlich und notwendig (Essen, Trinken): Diese müssen mit Intelligenz genossen werden.
  2. Natürlich und unnötig (z. B. erotische Freuden): Diese sollten in Maßen genossen werden.
  3. Unnatürlich und notwendig (z. B. Rauchen): Hiervon ist abzusehen, um nicht abhängig zu werden.

Immanuel Kant (18. Jahrhundert): Die Ethik der Pflicht (Deontologie)

Kant übernimmt die Ideale der Aufklärung: die Ethik der Autonomie der Vernunft und die Idee des Fortschritts (eine Gesellschaft ohne Kriege und Gewalt).

Autonomie und Aufklärung

Die Basis ist die Aufklärung der Menschen, damit sie autonom handeln und nicht aus heteronomen Gründen (z. B. politische oder religiöse Unterdrückung). Selbst zu denken ist der Weg, um frei von Aberglauben zu werden und die Freiheit auszuüben.

Kant spricht als Erster von der Autonomie der Moral: Jeder muss seine moralischen Werte selbst bestimmen. Befehle von außen (auch von Gott) sind heteronom und unvereinbar mit der Menschenwürde.

Handeln aus Pflicht

Es gibt verschiedene Arten des Handelns:

  • Für die Pflicht (autonom): Handeln aus Respekt vor dem Gesetz selbst.
  • Pflichtgemäß (heteronom): Handeln, um ein Gesetz aus Angst oder Zwang zu befolgen.

Moralisches Handeln kommt aus der Vernunft und erfolgt aus Respekt vor dem Gesetz selbst. Kants Moral ist eine Moral, in der man selbst entscheidet, was richtig ist, aber die Art und Weise, wie man es ausdrückt, muss universell sein.

Der Kategorische Imperativ

Das moralische Gesetz muss unbedingt (kategorisch) in einem Imperativ ausgedrückt werden.

Formulierung 1: Die Menschheitsformel

„Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person als auch in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“ (Menschen haben Würde und einen absoluten Wert.)

Formulierung 2: Die Universalisierungsformel

„Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“ (Tue nur das, was du wollen würdest, dass es ein allgemeines Gesetz wird.)

Die Stoiker: Leben in Übereinstimmung mit der Natur und Vernunft

Der Begründer der Stoa war Zenon von Kition. Ihre Philosophie ist eher praktisch als theoretisch.

Kosmologie und Schicksal

Die Stoiker begreifen das Universum als materiell. Ein aktives Prinzip (Gott) regiert die Welt und verwandelt sie in einen geordneten Kosmos. Dieser Gott wird mit der Welt identifiziert (Pantheismus). Sein Lauf wird durch den Logos (die Vernunft) bestimmt. Alles, was passiert, ist durch das Schicksal vorherbestimmt.

Das Ziel des Lebens: Ataraxie und Apathie

Das Ziel ist es, „nach der Natur“ oder „in Übereinstimmung mit der Vernunft“ zu leben. Dies führt zur Ataraxie (Seelenruhe).

Um dies zu erreichen, strebt man die Apathie an: einen Zustand der Gleichgültigkeit gegenüber emotionalen Aspekten des Lebens, der hilft, die innere Freiheit und Selbstbestimmung zu bewahren.

Kosmopolitismus und Philanthropie

Die Stoiker waren die Ersten, die sich als Weltbürger (Kosmopoliten) sahen. Sie dachten, der Mensch sei dazu bestimmt, in Gemeinschaft zu leben und Gefühle der Liebe gegenüber allen anderen Menschen zu haben (Philanthropie).

Utilitarismus: Das Gute ist das Nützliche (18. und 19. Jahrhundert)

Der Utilitarismus ist eine hedonistische Ethik, deren Ziel das größte Glück für die größte Zahl ist.

Vorläufer: David Hume und die Moral der Gefühle

David Hume bestreitet, dass moralische Gebote eine rationale Grundlage haben. Die Moral hängt von Gefühlen ab. Wenn ein Verhalten „Glück“ hervorruft, wird es „gut“ genannt. Wenn es „Abneigung“ hervorruft, wird es als „falsch“ bezeichnet.

Verhaltensweisen, die Zustimmung finden, sind jene, die nützlich sind, nicht nur für den Einzelnen, sondern für andere. Dies geschieht, weil der Mensch ein Gefühl der Sympathie für andere besitzt. Hume glaubt, dass das Gute nützlich für den Einzelnen und die Gesellschaft ist.

Klassischer Utilitarismus (Bentham und Mill)

J. Bentham und J. Stuart Mill versuchten, die Moral zu einer exakten Wissenschaft zu machen, die auf messbaren Fakten beruht.

Die einzigen messbaren Fakten des moralischen Lebens sind Freude und Schmerz. Das menschliche Verhalten wird durch die Erwartung von Lust und die Angst vor Schmerz bestimmt.

Diskursethik (Dialogische Ethik)

Im Gegensatz zum Individualismus der Kantischen Ethik schlägt die Diskursethik vor, dass die Universalität des moralischen Gesetzes durch Konsens aller Beteiligten erreicht werden muss. Ziel ist es, ethische Grundsätze durch rationale Vereinbarung zu finden und universelle Werte der Gerechtigkeit zu sichern.

Die Grundlage: Rationaler Konsens

Die Grundlage moralischer Normen ist der Konsens, der das Produkt eines rationalen Dialogs zwischen den Menschen ist. Es wird ein Minimum an universeller Gerechtigkeit angestrebt, um die Entwicklung und Verwirklichung des größtmöglichen Glücks zu gewährleisten.

Ziele der Diskursethik

  • Minimum an Gerechtigkeit: Ausgedrückt in universellen Werten (z. B. Menschenrechte: Gleichheit, Freiheit, Solidarität).
  • Maximum an individuellem Glück: Jeder soll sein eigenes Glück verwirklichen können.

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