Wirtschaftliche Folgen des Ersten Weltkriegs und Aufstieg der USA (1918–1929)
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Unmittelbare Auswirkungen des Krieges
Unmittelbare Auswirkungen des Krieges: Die Schwächung europäischer Staaten wirkte sich negativ auf Bevölkerung, Produktion und internationale Zusammenarbeit aus. Fast ein Zehntel der Produktionsanlagen wurde unbrauchbar, die Preise für Grundnahrungsmittel stiegen, europäische Währungen verloren an Wert, und verbündete Länder standen gegenüber den USA aufgrund von Aufträgen während des Konflikts in der Schuld.
Der Vertrag von Versailles und wirtschaftliche Folgen
Der Vertrag von Versailles verursachte wirtschaftliche Meinungsverschiedenheiten, destabilisierte das internationale Währungssystem und verringerte das Vertrauen der Anleger.
Deutschland wurde für den Konflikt verantwortlich gemacht und zur Zahlung von Reparationen verpflichtet. Viele dieser Reparationen wurden von Frankreich verlangt, um seine Kriegsschulden zu begleichen. Die USA weigerten sich, sämtliche Zahlungen zu übernehmen, und Deutschland verfügte nicht über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die interalliierten Schulden vollständig zu begleichen. Dies schwächte die ohnehin schlechte europäische Wirtschaft weiter.
Der Aufwand für Deutschland, die Schulden zu bezahlen, führte zum Zusammenbruch seines Währungssystems und zu beispielloser Inflation. Zwischen 1923 und 1925 besetzten Frankreich und Belgien das Ruhrgebiet, die wichtigste Drehscheibe für Kohle und Stahl in Deutschland, um die Zahlung der Reparationen zu erzwingen. Dies destabilisierte die deutsche Wirtschaft weiter und förderte den Rückhalt für radikalen Nationalismus.
Unausgewogenheiten im Handel
Die neuen Grenzen, die in den Verträgen festgelegt wurden, veränderten den Austausch von Waren. Nach dem Vertrag von Versailles verlor Deutschland viele Gebiete und Rohstoffe. Österreich und Ungarn reduzierten deutlich ihr Territorium und ihre wirtschaftliche Basis; auch Bulgarien, die Türkei und Russland waren wirtschaftlich beeinträchtigt.
All dies führte zu einem Ungleichgewicht im Handel zwischen Industrieländern und Ländern, die Lebensmittel und Rohstoffe lieferten. Die europäischen Länder versuchten, sich durch Produktionssteigerung zu erholen, was zu einem Überangebot an Nahrungsmitteln und Rohstoffen führte. Der Rückgang der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse verschlechterte die Handelsbilanz dieser Länder: Sie importierten mehr, als sie exportierten, konnten ihre Kredite nicht zurückzahlen und mussten neue Kredite (vor allem in den USA) aufnehmen.
Der Aufstieg der US-Wirtschaft
Die boomende US‑Wirtschaft: Der Krieg stärkte die wirtschaftliche Überlegenheit der USA gegenüber Großbritannien. Großbritannien konnte seine Freihandelsprinzipien zwar aufrechterhalten, doch dies wirkte sich negativ auf seine Exporte und seine Produktion aus. Der US-Dollar wurde zunehmend als Leitwährung eingeführt, und US-Banken etablierten sich als dynamischste Finanzinstitute; die USA wurden zum führenden Finanzzentrum für langfristige Darlehen.
Auf dem Höhepunkt des US‑Einflusses zeigten sich deutlich: ein Handelsdefizit zwischen den USA und Europa, eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit der USA und eine günstige Handelsbilanz, da die USA mehr exportierten als importierten. Die USA übernahmen einen großen Teil der Finanzierung des europäischen Wiederaufbaus.
Der amerikanische Wohlstand: Die Vereinigten Staaten waren Hauptanbieter von Kapitalgütern, die das Wachstum der industriellen Produktion beschleunigten. Der Anstieg der Exporte führte zu einer stärkeren Marktdurchdringung in vielen Ländern und überholte die früher dominierenden europäischen Mächte.
Faktoren des hohen Wirtschaftswachstums in den USA
Hohe Wirtschaftswachstumsfaktoren: Die Expansion der US‑Wirtschaft beruhte auf mehreren Faktoren:
- Technische Innovationen
- Veränderungen in der Arbeitsorganisation
- Erneuerung des Energiesektors durch verstärkten Einsatz von Strom und Öl
- Einführung der Serienproduktion (Fließband), besonders in der Automobilindustrie
- Bau von Wolkenkratzern in wachsenden Städten
- Unternehmenskonzentration aufgrund starken Preiswettbewerbs
Als Ergebnis stiegen die Produktivität und die Beschäftigung, die Produktionskosten sanken, und zwischen 1922 und 1929 erlebten die USA eine langanhaltende Phase des Wohlstands.
Die Konsumrevolution
Die Konsumrevolution: Kleine Betriebe mussten sich gegen große Kaufhäuser behaupten. Ratenkauf oder Kredit vergaben Haushalten die Möglichkeit, ihre Anschaffungen zu erhöhen, was die Nachfrage nach Produkten steigerte. Der Wunsch, mehr zu verkaufen, verlieh Werbung und Marketing eine zentrale Rolle. Die massive Zunahme des Konsums und die Verbreitung neuer Vertriebssysteme führten zu einer Konsumrevolution, die die Unternehmen stärkte. Das Vertrauen in eine gute Zukunft ließ Haushalte mehr ausgeben, was jedoch auch zur Verschuldung privater Haushalte beitrug.
Ungleiche Einkommensverteilung
Ungleiche Verteilung der Einkommen: Nicht alle profitierten gleichermaßen: Unternehmensgewinne und Dividenden stiegen stark, während die Löhne nur wenig zunahmen. Die Kaufkraft der Arbeitnehmer reichte oft nicht aus, die erhöhte Produktion zu absorbieren; es kam zur Überproduktion. Besonders betroffen war die Landwirtschaft. Bauern, die während des Krieges expandiert hatten, sahen ihre Einnahmen erodieren aufgrund rückläufiger Exporte und sinkender Preise seit 1922. Die Industriepreise blieben meist über denen der Landwirtschaft.
Börsenboom und Crash
Börsenfieber: Ab etwa 1925 wurden Gewinne vermehrt in Kredite und spekulative Anlagen investiert. Der Boom an den Aktienmärkten war das Ergebnis guter Geschäftsentwicklung und günstiger Rahmenbedingungen. Der Preisanstieg führte jedoch zu einer spekulativen Blase. Die Wertsteigerung von Aktien beruhte oft auf der Annahme, dass kurzfristige Gewinne durch die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis erzielt werden könnten (Veräußerungsgewinn).
Privatanleger nahmen Kredite auf, um Aktien zu kaufen. Während die Kurse in einer Euphorie lange stabil blieben, begann 1929 der Kursrückgang, der zum Börsensturz von 1929 führte.