Wirtschaftliche Integration und globale Zusammenarbeit

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Kooperation und wirtschaftliche Integration

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde festgestellt, dass der Mangel an Zusammenarbeit zwischen den Ländern einer der Gründe für den Kriegsausbruch war. Daher betonten führende Politiker die Notwendigkeit einer verstärkten politischen und wirtschaftlichen Kooperation zwischen den Nationen. Dies führte zusammen mit dem Wachstum des internationalen Handels dazu, dass Regierungen Vereinbarungen trafen, um Handelshemmnisse zu verringern oder zu beseitigen und den grenzüberschreitenden Warenverkehr zu fördern.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit

Um eine politische Zusammenarbeit zu erreichen, trafen sich im Jahr 1945 Vertreter von 51 Staaten in San Francisco und beschlossen die Gründung der Organisation der Vereinten Nationen (UN). Diese verfolgt vier Hauptziele:

  1. Friedenssicherung und kollektive Sicherheit durch die friedliche Beilegung von Konflikten.
  2. Verteidigung der Menschenrechte durch die Einhaltung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
  3. Selbstbestimmung der Völker.
  4. Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Nationen in wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereichen.

Die UN ist keine Weltregierung und setzt keine verbindlichen Regeln fest. Sie bietet jedoch die universelle Möglichkeit, internationale Konflikte zu lösen und Politiken zu formulieren, die alle betreffen. In diesem Rahmen hat jeder Mitgliedstaat eine Stimme. Heute sind 192 Nationen, also fast die gesamte Welt, Mitglieder der Vereinten Nationen.

Organisationen zur Förderung der Zusammenarbeit

Zusätzlich zur allgemeinen Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wurden spezialisierte Organisationen innerhalb oder im Umfeld der UN geschaffen:

  • FAO: Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen.
  • UNCTAD: Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung.
  • GATT: Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen.
  • IWF und Weltbank: Internationaler Währungsfonds und Weltbank.
  • OECD: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Die drei Säulen der internationalen Wirtschaftsordnung

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten die kapitalistischen Länder eine internationale Wirtschaftsordnung, die auf drei Säulen basiert:

A) Währungsstabilität durch den IWF

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods gegründet. Seine Ziele sind:

  • Sicherstellung der Stabilität der Wechselkurse.
  • Gewährung von Finanzhilfen für Mitgliedsländer mit Zahlungsbilanzschwierigkeiten.
  • Beratung der Wirtschaftsbehörden der Mitgliedsländer in Finanzangelegenheiten.
B) Entwicklungshilfe durch Weltbank, FAO und UNCTAD
  • Weltbank (BM): Gegründet 1944, leistet sie finanzielle Hilfe für von Naturkatastrophen betroffene Länder und bietet zinsgünstige Darlehen für Investitionen in weniger entwickelten Ländern.
  • FAO: Gegründet 1945 mit Hauptsitz in Rom, zielt sie darauf ab, Ressourcen zu verbessern und die Verteilung von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu optimieren.
  • UNCTAD: 1964 in Genf gegründet, erleichtert sie unterentwickelten Ländern den Zugang zum Welthandel. Es wurde vereinbart, dass reiche Länder jährlich 0,7 % ihres BIP an weniger entwickelte Länder übertragen sollten.
C) Welthandel und das GATT

Das 1947 in Genf unterzeichnete Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) verfolgte folgende Ziele:

  • Liberalisierung des Welthandels durch schrittweise Abschaffung von Zöllen und Importquoten.
  • Vermeidung von Diskriminierung im Handel durch das Prinzip der Gegenseitigkeit.

Die Welthandelsorganisation (WTO)

Im Jahr 1995 entstand die World Trade Organization (WTO) als Ergebnis der Uruguay-Runde. Sie legt besonderes Augenmerk auf Landwirtschaft, Textilien und Dienstleistungen. Die WTO verfügt über ein System zur Beilegung von Handelskonflikten zwischen Mitgliedstaaten. Sie regelt die Reduzierung von Exportsubventionen und fördert den Abbau von Handelsbeschränkungen.

Nach der Uruguay-Runde wurde die sogenannte Doha-Entwicklungsrunde ins Leben gerufen, um ärmere Länder besser in den Welthandel zu integrieren. Ziel war es, Zölle auf Produkte aus Entwicklungsländern zu senken. Allerdings wurden viele Sitzungen ohne abschließende Einigung geschlossen, da die EU und die USA ihre Agrarsubventionen nicht im gewünschten Maße reduzieren wollten.

Prozesse der wirtschaftlichen Integration

Wirtschaftliche Integration ist die schrittweise Abschaffung wirtschaftlicher Grenzen zwischen einer Gruppe von Ländern. In den letzten Jahren ist die Zahl solcher Integrationsprozesse weltweit gestiegen, wobei die Europäische Union (EU) das am weitesten fortgeschrittene Beispiel ist. Diese Prozesse erweitern den Markt und bieten Unternehmen größere Chancen, führen aber auch zu mehr Wettbewerb. Verbraucher profitieren durch ein größeres Angebot, niedrigere Preise und bessere Qualität.

Stufen der wirtschaftlichen Integration

  1. Präferenzabkommen: Länder gewähren sich gegenseitig Zollvorteile (z. B. Commonwealth-Abkommen).
  2. Freihandelszone: Handelshemmnisse zwischen Mitgliedern werden beseitigt, aber jeder behält eigene Zölle gegenüber Drittstaaten (z. B. NAFTA zwischen USA, Kanada und Mexiko).
  3. Zollunion: Neben dem zollfreien Innenhandel gibt es einen gemeinsamen Außenzoll für Importe aus Drittländern (z. B. MERCOSUR mit Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela).
  4. Gemeinsamer Markt: Eine Zollunion, in der auch freier Verkehr von Arbeit und Kapital herrscht. 1993 wurde die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft zu einem solchen gemeinsamen Markt innerhalb der EU.

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