Wirtschaftliche Transformation und Desamortisation in Spanien
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Transformation und Desamortisation in Spanien
Die Desamortisation (Beschlagnahmung) bezeichnet den staatlich angeordneten Verkauf von Vermögenswerten der Kirche und der Kommunen. Ziel war es, diese Güter zu nationalisieren, öffentlich zu versteigern und mit den Erträgen die Staatsverschuldung zu tilgen.
Die erste Desamortisation (1837)
Die erste große Welle wurde 1837 von Mendizábal eingeleitet und betraf kirchliches Eigentum. Sie brachte dem Staat etwa vier Milliarden Reales ein.
Die industrielle Revolution in Spanien
Im 19. Jahrhundert versuchte Spanien, sich zu einem modernen Industriestaat zu entwickeln und seine agrarisch geprägte Wirtschaftsstruktur zu verändern. Die Industrialisierung konzentrierte sich dabei auf zwei Regionen:
- Katalonien: Bekannt für seine Textilindustrie (Wolle und Baumwolle). Unterstützt durch ein unternehmerisches Bürgertum, moderne Maschinen und staatlichen Protektionismus, konnte sich die katalanische Industrie gegen ausländische Konkurrenz behaupten. Die Nähe zum Hafen von Barcelona begünstigte zudem den Import und Export.
- Baskenland: Hier florierte die Siderurgie (Stahlindustrie).
Entwicklung der Stahlindustrie
Die Stahlindustrie durchlief drei Phasen:
- Andalusien (Málaga): Nutzung von Holzkohle, scheiterte jedoch an der Entwaldung.
- Asturien: Nutzung von Steinkohle (Mieres und Langreo), scheiterte jedoch an der geringen Qualität und Knappheit der Kohle.
- Biskaya: Erfolg durch den Austausch von hochwertigem Eisenerz gegen englische Kohle, was den Bau von Hochöfen in Bilbao ermöglichte.
Die zweite Desamortisation (1855–1867)
Während der progressiven Zweijahresperiode wurden auch kommunale Güter sowie verbliebene Kirchengüter verkauft. Dies brachte etwa 5.000 Millionen Reales ein, die primär in die Tilgung öffentlicher Schulden und den Ausbau der Eisenbahn flossen.
Soziale und wirtschaftliche Folgen
Insgesamt wurden rund 10 Millionen Hektar Land verkauft. Die erhoffte Modernisierung blieb jedoch aus:
- Das Land wurde nicht von Bauern, sondern von der Bourgeoisie gekauft.
- Es bildeten sich große Latifundien (Großgrundbesitz).
- Da die neuen Eigentümer kaum in moderne Techniken investierten, blieb die Produktivität gering.
Das Kapital floss in den Landbesitz statt in die industrielle Entwicklung, was die wirtschaftliche Modernisierung Spaniens im Vergleich zu England nachhaltig bremste.