Wirtschaftliche Veränderungen in Spanien (1833–1875)
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Bevölkerungsentwicklung
Die spanische Bevölkerung nahm zu. Der Rückgang der Mortalität und die Aufrechterhaltung hoher Geburtenraten erklären diesen Trend. Der Großteil der Bevölkerung blieb ländlich (80 % lebten in ländlichen Gebieten).
Agrarreformen und die Desamortisation
Die Landwirtschaft durchlief eine tiefgreifende Reform, die auf der Abschaffung der Feudalherrschaft, der Aufhebung der Primogenitur und der Beschlagnahme von Gütern durch Mendizábal und Madoz basierte.
Die Desamortisation unter Mendizábal (1836)
Mendizábal, der Finanzminister, begann 1836 mit der Beschlagnahme kirchlichen Eigentums und Landes und löste die religiösen Orden auf. Die Desamortisation war die Enteignung und Verstaatlichung entfeudeter Güter mit anschließender Versteigerung.
Ziele und Folgen der Säkularisierung
Die Säkularisierung verfolgte drei Hauptziele:
- Die wichtigste war die Begleichung der Staatsschulden.
- Die politischen Grundlagen des Liberalismus zu erweitern.
- Eine Klasse von Pächtern zu schaffen.
Die Ergebnisse waren gemischt: Einerseits löste die Maßnahme das ernste Problem der öffentlichen Verschuldung nicht. Andererseits verschärfte sie den Konflikt zwischen Liberalismus und Katholizismus. Die meisten entfeudeten Güter wurden von Adligen und Bürgern gekauft, was die soziale Ungleichheit nicht milderte.
Durch die Beschlagnahme untergrub Mendizábal die wirtschaftlichen Grundlagen der Macht der Kirche. Im Gegenzug verpflichtete sich der Staat, den Klerus finanziell zu subventionieren.
Die Desamortisation unter Madoz (1855)
Die letzte große Beschlagnahme begann 1855 unter Pascual Madoz. Sie betraf hauptsächlich das Land der Gemeinden.
Die Ergebnisse dieser Beschlagnahme waren nicht positiv: Sie schwächte die Gemeinden, löste das Problem der Zahlungsfähigkeit des Staates nicht und schadete den armen Landbewohnern.
Die Verkäufe unter Mendizábal und Madoz veränderten die Situation der spanischen Landwirtschaft radikal. Dennoch blieben die technische Rückständigkeit und die ungleiche Verteilung des Landbesitzes weiterhin zentrale Probleme der spanischen Gesellschaft und Wirtschaft.
Die verzögerte Industrialisierung
Die Industrielle Revolution beeinflusste Spanien nur in Katalonien und dem Baskenland signifikant. Die Gründe für diese Verzögerung waren vielfältig:
- Mangel an Kohle und Rohstoffen.
- Technologische Rückständigkeit und Abhängigkeit von ausländischem Kapital.
- Fehlende Artikulation eines Binnenmarktes.
- Politische Faktoren (z. B. Verlust des Kolonialmarktes oder politische Instabilität).
Eisenbahnbau und Modernisierung
Der Ausbau der Bahnlinie war ein Schlüsselfaktor der Modernisierung. Spanien war spät dran: Die erste Linie wurde 1848 zwischen Mataró und Barcelona gebaut. Nach der Verabschiedung des Eisenbahngesetzes im Jahr 1855 gab es einen wahren „Boom“ der Eisenbahn.
Handelspolitik
Die allgemeine Handelspolitik war protektionistisch. Die Tarifgesetze von 1841 und 1849 begünstigten die Interessen der katalanischen Textilindustrie und der kastilischen Grundbesitzer. Während des *Sexenio Democrático* (Sechs Jahre) gab es einen liberalen Versuch, aber die Restauration bedeutete eine Rückkehr zum Protektionismus.
Finanzwesen und Währung
Der Finanzbereich dieser Zeit war durch Schwierigkeiten bei der Finanzierung aufgrund hoher Schulden gekennzeichnet. Es gab jedoch auch einige historische Schritte:
- Im Jahr 1865 wurde die San Fernando Bank durch die Bank von Spanien ersetzt, die als Nationalbank mit einem Monopol der Notenausgabe konfiguriert wurde.
- Im Jahre 1868 wurde die Peseta als Währungseinheit eingeführt.