Wirtschaftsgeschichte der Kanaren: Cochenille und Agrarbau
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Die Cochenille-Ära (1831–1880)
Die Cochenille (Dactylopius coccus) ist ein Parasit, der auf dem Feigenkaktus (Opuntia) lebt. Aus ihr wurde ein roter Farbstoff gewonnen, der zum Färben von Stoffen sowie zur Herstellung von Erfrischungsgetränken in Frankreich und anderen Ländern verwendet wurde. Der Erfolg dieses Produkts auf den Kanarischen Inseln war darauf zurückzuführen, dass konkurrierende Anbauländer wie Nicaragua, Honduras und Mexiko von einer Seuche heimgesucht wurden, die ihre Ernten vernichtete. Infolgedessen wurden im Jahr 1865 über 1.000 Tonnen Cochenille von den Kanarischen Inseln nach England und Frankreich exportiert. Der Aufschwung dieses Handels führte zum Bau der Häfen Puerto de la Luz in Las Palmas und Santa Cruz de Tenerife.
Ab 1870 brach der Markt jedoch ein, da synthetische Farben aufkamen und die Auswanderung nach Kuba und Venezuela erneut zunahm. Auf der Internationalen Fachmesse von 1871 wurde deutlich, dass der Markt gesättigt war, da chemische Farbstoffe wesentlich günstiger als die natürliche Cochenille waren.
Die Trias der Landwirtschaft: Kartoffeln, Tomaten und Bananen (ab 1880)
Durch den Einfluss der Engländer kam es zu einem technologischen Wandel: Es wurden Galerien (Wasserstollen) für den Anbau von Bananen und Tomaten angelegt, da diese einen hohen Wasserbedarf haben. Während Wasser bis zum 15. Jahrhundert aus natürlichen Quellen und Brunnen stammte, entwickelten sich La Palma, La Gomera und Teneriffa durch den Bau dieser Galerien weiter.
- Kartoffeln: Die Pflanzkartoffel gelangte bereits früh durch britische Händler auf die Kanarischen Inseln und wurde dort erfolgreich eingebürgert.
- Bananen: Die ursprüngliche kanarische Banane ähnelte der Zwergbanane, während heute eher Sorten angebaut werden, die den amerikanischen Varianten ähneln.
Bis zum Beginn des Tourismus in den 1960er Jahren war die Wirtschaft der Inseln fragil. Obwohl der Weinbau klimatisch am besten geeignet war, verdrängte er die Cochenille- und Zuckerrohrproduktion nicht vollständig. Die Subsistenzwirtschaft, deren Priorität das reine Überleben sicherte, führte bei schwacher Wirtschaftslage oft zur Migration. Um soziale Konflikte zu vermeiden und die politische Stabilität zu wahren, wurde die Auswanderung von den Grundbesitzern oft gefördert. Die Inseln standen vier Jahrhunderte lang unter einem feudalen System, was die kanarische Binnenwanderung zu einer der bedeutendsten innerhalb Europas machte.