Wirtschaftssektoren in Spanien und Katalonien
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Der Primärsektor: Wandel und Beständigkeit
Von der Tradition zur Marktorientierung
Im 19. Jahrhundert führte die Verwendung neuer landwirtschaftlicher Techniken, die Fruchtfolge und die Einführung neuer Nutzpflanzen zu einer Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion. In einer Zeit, in der die Nahrungsmittelpreise hoch waren, konnten Überschüsse erzielt werden, um die Bevölkerung zu ernähren. Grundeigentümer erzielten höhere Einnahmen durch den Verkauf oder die Verpachtung von Produkten, was zu einem Prozess der Kapitalkonzentration führte. Während sich die Industrie entwickelte und die Städte wuchsen, stieg die Nachfrage nach Lebensmitteln stetig an, was das kleine ländliche Handwerk ruinierte. Die Konsequenz war, dass die Landwirtschaft in den Wirtschaftskreislauf eintrat und die Akteure zu Verkäufern und Käufern wurden. Der Landwirt agiert nun als interessierter Verkäufer, der seinen Gewinn maximieren möchte. Die Landwirtschaft spezialisierte sich zunehmend auf bestimmte Produkte, während fehlende Güter zugekauft wurden. Spanien verließ die traditionelle Subsistenzwirtschaft und widmete sich der Marktproduktion. Dies führte zu einem Transfer von Arbeitskräften aus den Dörfern und zur Kapitalisierung der Landwirtschaft.
Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe
Zwei traditionelle Produktionsfaktoren prägen das Feld: Boden und Arbeit. Arbeitskraft war anfangs reichlich vorhanden und billig. Durch den Prozess der Landflucht benötigte die Industrie Arbeitskräfte für Firmen und Telekommunikation. Neue Technologien wurden übernommen, was eine Kapitalisierung ohne großen Aufwand ermöglichte, unterstützt durch Kredite und Subventionen. Die ländliche und landwirtschaftliche Bevölkerung verringerte sich durch die Mechanisierung der Arbeit und die geringe Rentabilität. Im 20. Jahrhundert verloren viele Städte Menschen durch die Landflucht. Es muss zwischen der ländlichen Bevölkerung (die in ländlichen Gebieten lebt, aber im Sektor 2 oder 3 arbeitet) und der landwirtschaftlichen Bevölkerung (die im Sektor 1 arbeitet) unterschieden werden. In abgelegenen Gebieten (dem tiefen ländlichen Raum) ist die Landwirtschaft oft noch von Familienbetrieben geprägt, wobei die Arbeit von Frauen oft nicht mitgezählt wird.
Großgrundbesitz und kleine Betriebe
Laut INE-Daten von 2007 umfasst die geografische Fläche Spaniens 50,5 Millionen Hektar, wovon 24,5 Millionen als landwirtschaftliche Nutzfläche (LF) dienen. Großgrundbesitz oder Großbetriebe (über 100 ha) betreiben extensive Landwirtschaft, besonders in La Mancha, Katalonien, Extremadura und Kastilien. Kleine Halte- oder Nebenerwerbsbetriebe (unter 10 ha) finden sich vor allem in der nördlichen Hälfte der Halbinsel und auf den Inseln. Diese haben Schwierigkeiten bei der Mechanisierung und Vermarktung, sind aber profitabel, wenn sie sich auf intensive Landwirtschaft spezialisieren. Durchschnittliche Betriebe wurden durch EU-Organe gefördert, um die Familienbetriebe und die Zusammenlegung von Grundstücken zu stärken.
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)
Die 1957 gegründete GAP zielte darauf ab, die Landwirtschaft in den EU-Ländern zu fördern, landwirtschaftliche Einkommen zu erhöhen und Überschüsse zu subventionieren. Mit dem Beitritt Spaniens zur EG änderte sich die Politik. Die GAP-Reform von 2003 zielte auf größere Wettbewerbsfähigkeit und eine bessere Anpassung an die Nachfrage ab. Zwischen 2007 und 2013 erhielt Spanien erhebliche EU-Hilfen. Ziele sind die Steigerung der Produktivität in der Land- und Forstwirtschaft sowie die Entwicklung der Agrarindustrie und der Umweltschutz.
Landwirtschaftliche Produktion und Viehzucht
Die Beihilfen hängen von der Fläche, der Bodenqualität und der Intensität der Bewirtschaftung ab. Trockenfeldbau: Hier dominieren Getreide (vor allem Weizen und Gerste), Wein und Oliven. Weinbau findet sich sowohl im atlantischen als auch im mediterranen Raum. Bewässerungswirtschaft: Hierzu gehören Gartenbau und Früchte. Zitrusfrüchte sind wichtig für den Export. Tierproduktion: Spanien ist das zweitwichtigste EU-Land bei Importen und ein hochtechnisierter Sektor, der 40 % der landwirtschaftlichen Endproduktion ausmacht. Es gibt vier Hauptarten: Rinder (Fleisch und Milch), Schafe (Milch und Fleisch, Wolle ist nur noch ein Restprodukt), Schweine (stark industrialisiert) und Geflügel (hohe Leistung bei Eiern und Fleisch).
Fischerei und Fischgründe
Spanische Fischerboote suchen Fischgründe weltweit auf, da die eigenen Plattformen an der galicischen und kantabrischen Küste oft erschöpft sind. Es gibt Abkommen mit Marokko, Mauretanien und dem Senegal. Die EU-Fischereipolitik (GFP) zielt auf eine nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen und die Förderung der Aquakultur ab.
Der Primärsektor in Katalonien
In Katalonien ist die Landwirtschaft intensiv und hochproduktiv, besonders in den Küstenebenen und entlang der Flüsse (Ebro-Delta, Maresme, Segrià). Es gibt eine hohe Kapitalisierung bei Obstplantagen (Apfel, Birne, Pfirsich). Die Viehhaltung stellt 59 % der landwirtschaftlichen Produktion dar, wobei Schweine und Rinder dominieren. Die Fischerei ist von massiven Importen und der Aquakultur abhängig, wobei Orte wie Sant Carles de la Ràpita und Roses wichtige Auktionsplätze sind.
Handel, Kommunikation und Transport
Binnen- und Außenhandel
Der Handel umfasst den Austausch von Waren und Dienstleistungen auf konkreten Märkten oder abstrakten Börsen. Der Binnenhandel ist durch duale Strukturen (große und kleine Unternehmen) geprägt. Der Außenhandel Spaniens ist stark in die EU integriert (70 % der Exporte). Die Zahlungsbilanz umfasst die Leistungsbilanz (Handel, Dienstleistungen), Vermögensübertragungen und die Finanzbilanz. Spanien weist oft ein Defizit in der Handelsbilanz auf, primär wegen der hohen Ölpreise.
Verkehr und Infrastruktur
Das Straßennetz ist modernisiert, leidet aber unter hoher Verkehrsbelastung. Das Schienennetz (RENFE) wurde durch Hochgeschwindigkeitszüge (AVE) verbessert. Der Seeverkehr ist wichtig für große Gütermengen (Häfen wie Algeciras, Valencia, Barcelona). Der Luftverkehr konzentriert sich auf Drehkreuze wie Madrid-Barajas und Barcelona-El Prat. Die europäische Verkehrspolitik fördert multimodale Achsen und Meeresautobahnen.
Digitale Revolution und Medien
Die Informationstechnologie (IT) und Telematik haben die Kommunikation revolutioniert. Faktoren wie der Multiplikationsfaktor, der Implantationsfaktor und die Zugänglichkeit bestimmen die Entwicklung. Werbung spielt eine Schlüsselrolle bei der wirtschaftlichen Diversifizierung. Das Fernsehen bleibt ein Massenmedium, während das Internet und mobile Dienste die digitale Revolution vorantreiben.
Handel und Verkehr in Katalonien
Katalonien ist eine der führenden autonomen Gemeinschaften im Außenhandel. Das Verkehrsmodell ist radial auf Barcelona ausgerichtet, wobei die Querachse (Eix Transversal) eine wichtige Ergänzung darstellt. Die Häfen von Barcelona und Tarragona sind zentrale Logistikknotenpunkte. Im Bereich der Informationstechnologie ist Katalonien gut aufgestellt, mit einer hohen Internet- und Mobilfunkdurchdringung bei jungen Menschen.