Wittgensteins Tractatus: Abbildtheorie, Sprache und Logik
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Ludwig Wittgenstein und der Tractatus Logico-Philosophicus
Ludwig Wittgenstein, der österreichische Philosoph, studierte bei Bertrand Russell. Während des Ersten Weltkriegs schrieb er sein Hauptwerk, den Tractatus Logico-Philosophicus. Die Struktur des Werkes ist streng logisch: Eine Aussage bedingt die nächste.
Die Abbildtheorie (Spiegeltheorie)
Was ist Wittgensteins Absicht? Die zentrale These ist die Abbildtheorie (Theory of the mirror).
Sie umfasst drei grundlegende Elemente:
- Das Objekt: Die Realität (die Tatsache).
- Die Reflexion: Das Denken (die Logik).
- Der Spiegel: Die Sprache.
Wenn wir uns in der Welt befinden, ist es, als würden wir in einen Spiegel schauen. Die Sprache spiegelt die Realität wider, indem sie die logische Struktur des Gedankens abbildet.
Beispiel: Sprache, Denken und Realität
Das Objekt „Schnee“ ist weiß. Das Denken erfasst dies logisch, und die Sprache drückt es aus (durch Zeichen oder Laute).
Korrespondenz zwischen Sprache, Denken und Wirklichkeit
Es besteht eine notwendige Korrespondenz zwischen Sprache, Denken und Wirklichkeit; sie spiegeln sich gegenseitig wider.
Sinn und Bedeutung
Betrachten wir die Ausdrücke „Morgenstern“ (Venus in der Morgendämmerung) und „Abendstern“ (Venus am Abend). Sie sind verschiedene Ausdrücke, die sich auf dasselbe Objekt beziehen:
- Sie haben die gleiche Bedeutung (das Objekt, die Venus).
- Sie haben einen unterschiedlichen Sinn (die Art und Weise, wie der Gedanke das Objekt erfasst).
Die Bedeutung ist das Objekt, während der Sinn der Gedanke ist, der die Bedeutung erfasst.
Die Grenzen der Sprache und des Denkens
Die Sprache enthält die Realität. Ein Gedanke ist ein Satz mit Sinn und Bedeutung, der Tatsachen abbildet (z. B. „Der Schnee ist weiß“). Unsinnige Sätze sind keine Gedanken im logischen Sinne.
Der Aphorismus und die Logik
[Aphorismus]: Ein Gedanke, ausgedrückt in einer kurzen, abgeschlossenen Form, der wie ein scharfer Pfeil wirkt. Was gedacht werden kann, kann auch gesagt werden. Die Grenzen der Sprache sind identisch mit den Grenzen des Denkens. Was nicht Teil des Denkens ist, kann nicht ausgedrückt werden.
Die Erfahrung
[Erfahrung]: Wir können eine Vorstellung davon vermitteln, was passiert ist, aber wir können nicht den reinen Sinn dessen mitteilen, was wir erlebt haben, weil dieser sich der sprachlichen Darstellung entzieht.
Die verborgene Logik der Sprache
Die Sprache verbirgt ihre eigene Logik (das Denken). Die äußere Form der Sprache dient oft anderen Zwecken, als die zugrunde liegende Logik offenzulegen. Wir müssen die sprachliche Verkleidung entfernen, um die Logik zu finden (z. B. beim Formalisieren eines Arguments).
Die Funktion der Philosophie
Probleme, die bedeutungslos sind, sind keine echten Probleme, da sie sich nicht auf Tatsachen der Realität beziehen und weder wahr noch falsch sein können. Für Wittgenstein ist die Philosophie der Sprache entscheidend:
Ihre Funktion ist es, falsche Probleme aufzudecken und die Logik der Sprache zu vereinfachen.
Ein Satz enthält eine Tatsache. Die innere Ähnlichkeit zwischen Zeichen und Wirklichkeit ist die Logik (das Denken). Die Sprache, die die Tatsachen enthält, bestätigt gleichzeitig, dass der Satz verstanden wird und die Realität darstellt. Ein Satz kann wahr oder falsch sein, oder er ist einfach sinnlos.