Die zentralen Themen und Motive in Edith Whartons „Ethan Frome“
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Soziale und moralische Zwänge vs. individuelle Wünsche
Der Konflikt zwischen individuellen Wünschen und sozialen sowie moralischen Bedenken ist vielleicht das prominenteste Thema des Romans, seit Ethan Frome Ethans Wunsch nach einer Frau, die nicht seine eigene ist, thematisiert. Indem Wharton Zeena kaum positive Attribute zuschreibt, während sie Mattie als Inbegriff glühender, jugendlicher Attraktivität präsentiert, macht sie Ethans Wunsch, seine Frau zu betrügen, durchaus verständlich. Der Konflikt entspringt nicht Ethans eigenem Herzen – seine Gefühle für Mattie wanken niemals. Stattdessen entsteht der Konflikt zwischen seinen Leidenschaften und den Zwängen, die ihm die Gesellschaft auferlegt. Diese Zwänge behindern sein Gewissen und kontrollieren die Erfüllung seiner Leidenschaften.
Immer wieder zeigt Wharton, welchen Einfluss die soziale Konvention auf Ethans Verlangen hat. Obwohl er eine Nacht allein mit Mattie verbringt, wird er unweigerlich an seine häuslichen Pflichten erinnert, als er in seiner Küche sitzt. Er plant, in den Westen zu fliehen, kann sich aber nicht dazu durchringen, seine Nachbarn anzulügen, um das nötige Geld zu beschaffen. Am Ende entscheidet sich Ethan gegen den Kampf zwischen seinen Wünschen und der sozialen sowie moralischen Ordnung. Ohne den Mut und die Willenskraft, sich gegen deren Macht aufzulehnen, entscheidet er sich, die Lasten des Lebens aufzugeben, indem er das Leben selbst aufgibt.
Der Winter als erdrückende Kraft
Ethan Frome, der Protagonist des Romans, wird als alter Mann beschrieben, der „zu viele Winter in Starkfield“ verbracht hat. Im Verlauf der Geschichte beginnen der Leser und der Erzähler, die tiefere Bedeutung dieses Satzes zu verstehen. Obwohl eine winterliche Stimmung Ethan Frome von Anfang an umgibt – schon der Name Starkfield ruft Bilder nordischer Winter hervor – begrüßt der Erzähler die karge Schönheit des Winters zunächst. Schließlich erkennt er jedoch, dass Starkfield und seine Bewohner einen Großteil des Jahres in einem Zustand der Belagerung durch die Elemente verbringen.
Der Roman legt nahe, dass sensible Seelen wie Ethan emotional unter dem Winter begraben werden: Ihre Entschlossenheit und ihr Selbstwertgefühl werden durch die erdrückende Macht der sechsmonatigen kalten Jahreszeit untergraben. Ethan sehnte sich danach, Starkfield zu entkommen. Als er jünger war, erfahren wir, hoffte er, den Bauernhof seiner Familie zu verlassen und als Ingenieur in einer größeren Stadt zu arbeiten. Obwohl Zeena und die Armut beides Kräfte sind, die Ethan von der Erfüllung seines Traumes abhalten, positioniert der Roman das Klima immer wieder als wesentliches Hindernis für Ethan und seine Mitbürger. Die physische Umwelt wird als Schicksal dargestellt, und die winterliche Luft des Ortes scheint in die Knochen der Bewohner von Starkfield gesickert zu sein.
Motive
Motive sind wiederkehrende Strukturen, Kontraste oder literarische Mittel, die zur Entwicklung der wichtigsten Themen des Textes beitragen.