Die zentralen Themen der Philosophie des Heiligen Augustinus

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Die Suche nach Glück und die Rolle Gottes

Gott ist das Objekt des menschlichen Glücks. Der Mensch sucht das Glück, aber er kann es nicht in sich selbst finden. Der Mensch muss sich selbst übersteigen (*autotranszendieren*) und sich der Liebe zuwenden, denn Gott allein ist der eigentliche Gegenstand, der wahres Glück schenkt, als freier Mensch.

Man kann Glück nur in Gott finden. Fehlt jedoch eine ausreichende Sicht auf das wahre Gut, kann der Mensch das Veränderliche zum Lebensziel machen, anstatt sich an das unveränderliche Gut zu halten. In diesem Fall entfernt der Mensch das eigentliche Objekt seines Glücks. Da dies jedoch eine freie, persönliche Entscheidung ist, trägt er die volle Verantwortung.

Das Problem des Ursprungs des Bösen

Die Idee der Freiheit konfrontierte Augustinus mit einem Problem, das ihn stark beunruhigte: dem Ursprung des Bösen. (Ist Gott verantwortlich für die Existenz des Bösen in der Welt?) Augustinus bietet eine Lösung im Einklang mit der Philosophie Plotins:

Das Böse ist nichts Positives, keine positive Realität, sondern ein Mangel (*privatio boni*). Es ist kein Sein an sich, sondern eine Abwesenheit des Seins und kann daher seinen Ursprung nicht in Gott haben. Das Böse und das Gute haben ihren Ursprung im freien Willen des Menschen. Aber Gott bringt in seiner unendlichen Güte selbst aus dem Bösen Gutes hervor.

Die dualistische Natur des Menschen

Augustinus vertritt eine dualistische Auffassung des Menschen: Leib und Seele sind untrennbar miteinander verbunden, aber funktionell unterschiedliche Substanzen. Die Seele ist eine sich selbst genügende Substanz. Augustinus sagte, dass der Mensch Ewigkeit, Wahrheit und Liebe sei und sein Abbild aus drei Vermögen oder Fähigkeiten bestehe:

  • Erinnerung (die die Vergangenheit gegenwärtig macht)
  • Intelligenz (die die Wahrheit sucht)
  • Wille (der zum Glück strebt)

Wenn der Mensch der Welt folgt, erleidet er Übel, besonders wenn diese aus Hass, Egoismus, Verleumdung, Misstrauen und sogar Verbrechen gegeneinander entstehen. Die menschliche Natur ist empfänglich und offen für Gottes Handeln, das sich in Form eines inneren Antriebs und des Wunsches nach eigener Regeneration manifestiert.

Gottesbeweis und ewige Wahrheiten

Gott ist das primäre Thema der Philosophie des heiligen Augustinus. Das Hauptargument für die Existenz Gottes bei Augustinus ist die Existenz universeller, notwendiger und unveränderlicher Wahrheiten im Menschen. Die erste dieser Wahrheiten ist die reine Aspiration nach Wahrheit und menschlichem Glück, aber auch die ersten Grundsätze der Vernunft, die Axiome der Mathematik, Ideen wie Gerechtigkeit usw. Diese ewigen Wahrheiten sind Wahrheiten, die sich nicht ändern und notwendig sind. Gott erscheint als *notwendig gefordert* durch die Universalität und Notwendigkeit der ewigen Wahrheiten.

Augustinus verortet in der göttlichen Intelligenz die exemplarischen Ideen, die im Laufe der Zeit gemäß den Plänen und dem schöpferischen Handeln Gottes erscheinen. Gott führte in die Materie ein, was Augustinus die Keimgründe (*rationes seminales*) nannte. Die Materie trägt in sich die Samen oder Wurzeln, aus denen die Dinge entstehen. In allen Wesen ist dies das Zeichen Gottes, weil sie auf seine Ideen reagieren und gemäß den Samen, die er in die Materie gelegt hat, entstehen. Dies führt Augustinus zum *Exemplarismus*: Göttliche Wesen tragen den Abdruck von Gott in sich.

Die Erkenntnis und die göttliche Erleuchtung

Neben dem sinnlichen Wissen gibt es das intellektuelle Wissen, das Ideen von universeller Gültigkeit umfasst. Es gibt die niedere Vernunft (die den Körper informiert und sich mit dem Veränderlichen verbindet). Die Seele ist damit nicht zufrieden, sondern entdeckt in sich ewige und unveränderliche Wahrheiten, die nur in einem ewigen Gott gegründet sein können. Aufgabe der höheren Vernunft ist die Erkenntnis Gottes. Nur dieses Wissen stillt die Sehnsucht der Seele nach Wahrheit und Glück.

Die höhere Vernunft verbindet sich mit der Gottheit, wo wahres Wissen durch Erleuchtung (Illumination) entsteht. Die Erkenntnis erfordert, dass der Mensch über sich hinauswächst (*autotranszendiert*) in einem Prozess, der aus drei Phasen besteht:

  1. Trennung von der materiellen Welt
  2. Introversion oder geistige Einkehr
  3. Der Sprung zum Transzendenten, zu Gott, der sowohl außerhalb als auch innerhalb der Welt ist.

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