Zusammenfassung wichtiger Persönlichkeitstests und psychometrischer Konzepte
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Zusammenfassung wichtiger Persönlichkeitstests
Cattell: Das 16-Persönlichkeits-Faktoren-Modell (16 PF)
Cattell definiert Persönlichkeit als das, was wir beobachten können, um das Verhalten einer Person in einer bestimmten Situation vorherzusagen (Vorhersage des Verhaltens). Im Gegensatz zu Freuds eher erklärenden Theorien basiert Cattells Ansatz auf dem logischen Behaviorismus.
Die Beobachtung von Verhaltensweisen, die ähnliche Funktionen erfüllen, führt mittels Faktorenanalyse zur Identifizierung von Dimensionen. Wenn ein Verhalten wahrscheinlich ist, korreliert es mit einem anderen Verhalten. Die Verbindungen dieser Verhaltensweisen entsprechen einer Sekundärdimension (Typ), die sich auf andere Funktionen bezieht.
Der 16 PF-Test
- 187 Items
- Alternativen (a, b, c)
Merkmal: Synthesepotenzial der verschiedenen Verhaltensweisen.
Auswertung des 16 PF-Tests
- Rohwert: Der Wert, den jede Person bei der direkten Korrektur des Tests erhält.
- Standardwerte (Sten-Werte): Ein Prozentsatz der Gruppe.
- Regel: Die Parameter, die überdurchschnittlich oder unterdurchschnittlich (Standardabweichung) liegen.
Die 16 Faktoren (Primärfaktoren)
- Faktor A (Affektivität/Wärme): Das Ausmaß, in dem Menschen versuchen, Beziehungen aufzubauen und Kontakt zu suchen.
+ Liebevoll, expressiv, arbeitet in Gruppen (extrovertiert) / - Zurückhaltend, formal, arbeitet allein (introvertiert)
- Faktor B (Intelligenz, IQ): Abstraktes Denken (+) / Konkretes Denken (-)
- Faktor C (Ich-Stärke): Beziehung zur emotionalen Stabilität. Realistisch, emotional stabil (+) / Wird schnell frustriert, kann Realität nicht bewältigen (-)
- Faktor E (Dominanz): Der Grad der Kontrolle. Dominant, wettbewerbsfähig (+) / Unterwürfig, konformistisch (-)
- Faktor F (Impulsivität/Lebhaftigkeit): Der Grad der Begeisterung. Enthusiastisch, führend (+) / Eingeschränkt und pessimistisch (-)
- Faktor G (Gewissenhaftigkeit): Verinnerlichung von Werten (Über-Ich). Moralische Verantwortung (+) / Gegen oder andere Ideen (-)
- Faktor H (Soziale Kühnheit): Situative Eignung, genannt Kühnheit. Kühn (+) / Schüchternheit (-)
- Faktor I (Sensitivität): Emotionale Empfindlichkeit. Emotional, temperamentvoll (+) / Rationales Denken (-)
- Faktor L (Wachsamkeit/Misstrauen): Soziale Identität, Vertrauen (+) / Misstrauen (-)
- Faktor M (Abgehobenheit/Vorstellungskraft): Kognitive Haltung. Subjektivität (+) / Objektivität (-)
- Faktor N (Privatheit/Diplomatie): Soziale Masken. Sozial aufmerksam (+) / Naiv, ehrlich (-)
- Faktor O (Ängstlichkeit/Schuldgefühle): Selbstwertgefühl, Schuldgefühle (+) / Selbstbewusst (-)
- Faktor Q1 (Offenheit für Wandel): Bereitschaft zur Veränderung (+) / Routine (-)
- Faktor Q2 (Selbstgenügsamkeit): Abhängigkeit. Autark (+) / Soziale Abhängigkeit von der Gruppe (-)
- Faktor Q3 (Perfektionismus): Kongruenz zwischen idealem und wahrem Selbst. Selbstbewusst, perfektionistisch (+) / Kämpft um Kontrolle (-)
- Faktor Q4 (Anspannung): Stress, hohe Spannung (+) / Ruhig, entspannt (-)
Eysenck: Die Theorie der Superfaktoren (EPQ)
Eysencks Theorie basiert im Wesentlichen auf der Genetik und der Psychophysiologie. Obwohl er sich streng an die wissenschaftliche Methode hält, betrachtet er erlernte Gewohnheiten als wichtig, geht aber davon aus, dass unsere Persönlichkeitsunterschiede hauptsächlich aus dem erblichen Erbe entstehen. Er interessiert sich primär für das, was gemeinhin als Temperament bezeichnet wird.
Eysenck definiert Persönlichkeit als ein mehr oder weniger stabiles und dauerhaftes System von Charakter, Temperament, Intellekt und Körper einer Person, das ihre einzigartige Anpassung an die Umwelt bestimmt. Er konzentriert sich auf die Identifizierung von Superfaktoren, um die Faktoren hinter dem Verhalten zu verstehen. Er nutzt ebenfalls die Faktorenanalyse, seine Anwendung ist jedoch deduktiver als die von Cattell.
Eysencks Dimensionen (Superfaktoren)
Eysenck untersuchte Faktoren zweiter Ordnung oder Superfaktoren, die für die Korrelation zwischen den einzelnen Traits verantwortlich sind. Je weiter unten in der Hierarchie, desto größer wird der Einfluss von Situationen und Kontexten.
- Extraversion / Introversion: Eine bipolare Dimension.
+ Extrovertiert: Gesellig, partizipativ, sucht leicht zwischenmenschliche Kontakte, fühlt sich bewegt, hat viele (aber oberflächliche) Freunde, nach außen orientiert, kommuniziert mühelos, empathisch. / - Introvertiert: Ruhig, schüchtern, neigt dazu, die Aufmerksamkeit auf interne Prozesse zu richten, achtet auf Gedanken und Gefühle, hat wenige Kontakte, ist eine Person mit viel Tiefe, bereit, alles für ihre Lieben zu tun.
- Neurotizismus / Stabilität: Diese Dimension beschreibt die emotionale Stabilität. Neurotizismus (hohes Ende) wird oft als pathologisch angesehen, während Stabilität (niedriges Ende) die Kontrolle der Emotionen darstellt.
+ Stabil: Gut an die Umwelt angepasst, kann über längere Zeiträume stetig arbeiten, kontrolliert Gefühle (wird manchmal als Starrheit interpretiert). / - Neurotizismus (instabil): Unberechenbar, inkonstant, niedrige Frustrationstoleranz, episodische intensive Emotionalität.
- Psychotizismus: Gekennzeichnet durch den Verlust oder die Verzerrung der Realität und die Unfähigkeit, zwischen realen und imaginären Ereignissen zu unterscheiden.
Die Person kann Störungen im Denken, in der Emotion und in der Motorik sowie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen zeigen. Der Psychotizismus-Faktor umfasst auch ein gewisses Maß an Psychopathie, antisozialem Verhalten, Impulsivität, Egozentrik und dem Fehlen von Schuldgefühlen. Im Gegensatz zu den anderen Dimensionen hat er kein genaues Gegenteil.
Der Eysenck Personality Questionnaire (EPQ)
- Hat 2 Skalen und 4 Kategorien (wurde im Krieg entwickelt).
- Misst Konzepte, die vom Autor definiert wurden.
- Ist ein sehr nützliches Instrument.
- Deutet auf eine Verhaltenskategorie hin.
Zuverlässigkeitsskala:
- Zuverlässig
- Durchschnittlich
- Unzuverlässig
Neurotizismus-Skala:
- Emotional stabil
- Tendenz zur Stabilität
- Tendenz zur Instabilität
- Instabil
Geselligkeitsskala:
- Extraversion
- Ausgehende Ambiguität
- Introvertierte Ambiguität
- Introvertierte
Psychotizismus-Skala:
- Hoch
- Durchschnittlich
Der Domino-Test
- Deduktiv
- Logisches Denken
- Lernpotenzial
- Durchschnitt
- Schwierigkeiten, schlechte Leistung
Der Edwards Personal Preference Schedule (EPPS)
Der Edwards-Test ist Teil der Theorie, die Murray entwickelt hat. Seine Begründung basiert auf der psychoanalytischen Theorie, jedoch in einer vereinfachten und begrenzten Form.
Er änderte den Begriff des Triebs in den Begriff des Bedürfnisses, um eine Reihe grundlegender menschlicher Bedürfnisse zu schaffen, von denen einige bei bestimmten Individuen häufiger auftreten als andere.
Murray schuf auch den TAT (Thematischer Apperzeptionstest). Beide Tests behandeln dasselbe Thema.
Der Reiz selbst erzeugt keine Antwort, sondern muss zugeordnet werden.
Der Fragebogen besteht aus 225 Fragen, die jeweils aus zwei Forderungen bestehen, von denen der Proband wählen muss, welche ihm mehr zusagt.
Dieser Test versucht auch, die soziale Erwünschtheit zu kontrollieren.
Die Bedürfnisse (Needs) sind Testvariablen, die die persönlichen Präferenzen des Probanden als potenzielle Verhaltenstendenzen beeinflussen können.
Wichtige Bedürfnisse im Edwards-Test
- Leistung (Achievement): Ehrgeiz, Streben nach Leistung, Versuch, andere zu übertreffen und der Wunsch, Dinge so schnell wie möglich richtig zu machen. Immer versuchen, sich zu verbessern, zu konkurrieren und andere zu übertreffen.
- Ehrerbietung (Deference): Befolgen und Kooperieren mit Vorgesetzten, Akzeptieren von Lob, Anregungen von anderen und sich führen lassen.
- Ordnung (Order): Sorgfältige Planung von Aktionen, Hauswirtschaft, Umgang mit Variablen in der unmittelbaren Umgebung.
- Ausstellung (Exhibition): Interesse an Aufmerksamkeit, bewundert zu werden, hervorstechen, einen Eindruck auf andere machen, gehört und gesehen werden.
- Autonomie (Autonomy): Unabhängig sein und im Einklang mit den eigenen Interessen und Impulsen handeln.
- Zugehörigkeit (Affiliation): Suche nach Kontakten und Zusammenarbeit mit anderen, Loyalität, Geselligkeit, Zuneigung, neue Freunde finden.
- Intraception (Intraception): Reflexion, Sensibilität im zwischenmenschlichen Bereich, Analyse der eigenen Gefühle. Sich in die Lage anderer versetzen und deren Verhalten vorhersagen.
- Schutzbedürfnis (Succorance): Zuneigung von anderen erhalten, Schutz und Hilfe suchen. Hohes Bedürfnis bei Menschen, die nicht von selbst handeln können oder gelähmt sind.
- Dominanz (Dominance): Andere beeinflussen (ein guter Führer hat eine hohe Dominanz). Verführung, Überredung, Wunsch nach Amt.
- Abbau (Abasement): Sich dem Willen anderer unterwerfen, Kritik akzeptieren, Stillschweigen vereinbaren. Unterlegenheit eingestehen, bekennen und sich entschuldigen.
- Schutz (Nurturance): Anderen helfen und ihre Bedürfnisse befriedigen. Sympathie, Trost, Komfort, Mitleid geben, beschützen.
- Veränderung (Change): Sorge um Vielseitigkeit und Innovation, auch Stabilität. Änderung von Methoden, Gewohnheiten und Vorlieben. Unermüdliche Menschen, die immer alles neu und anders wollen. Modisch sein.
- Persistenz (Endurance): Anhaltende Anstrengungen, länger arbeiten, nicht aufhören, etwas zu tun, bevor es abgeschlossen ist. Ausdauer, Dinge nicht auf halbem Weg aufgeben. Methodische Menschen.
- Heterosexualität (Heterosexuality): Beziehungen mit dem anderen Geschlecht eingehen, Liebe, über Sexualität diskutieren.
- Aggression (Aggression): Erreichen von Zielen mit Gewalt und Macht, angreifen, lächerlich machen, autoritär sprechen, Wut, Niederlage der Opposition mit physischer oder psychischer Gewalt.
Der MMPI-Test (Minnesota Multiphasic Personality Inventory)
- Der Test misst 19 Skalen: 10 klinische, 4 Validitätsskalen und 5 zusätzliche Skalen.
- Das Format besteht aus über 500 Aussagen, die mit „Richtig“ oder „Falsch“ beantwortet werden müssen.
- Der MMPI wurde entwickelt, um eine Schätzung der allgemein anerkannten Syndrome bei Patienten mit klinischen Problemen zu ermöglichen.
Validitätsskalen zur Überprüfung der Testergebnisse
- Fragezeichen (?): Anfragen, die vom Probanden nicht beantwortet wurden, weil er „Ich weiß nicht“ oder „Ich kann nicht sagen“ angab. Bei sehr hohem Wert ist der Test ungültig.
- Aufrichtigkeit (L - Lie): Bewertet das Ausmaß, in dem der Proband versucht, die Antworten zu verfälschen, um „sozial erwünschter“ zu erscheinen.
- Gültigkeit (F - Frequency/Infrequency): Soll sicherstellen, dass der Proband den Test angemessen und relativ konsistent beantwortet. Bei sehr hohem Wert ist der Test ungültig.
- Erfolgsfaktor (K - Correction/Defensiveness): Misst die Abwehrhaltung des Probanden. Ein hoher Wert deutet darauf hin, dass er glaubt, dass es Fragen gibt, die offensichtlich auf psychische Probleme hindeuten, und somit seine Antworten in einem Versuch, „normal“ zu erscheinen, verzerrt.
Klinische Skalen
- Hypochondrie (Hs): Ermittelt den Grad der Besorgnis über abnormale körperliche Funktionen und Gesundheit. Unterscheidet sich von Hysterie.
- Depression (D): Beurteilt die Tiefe dieses Krankheitsbildes. Hohe Werte deuten auf eine gehemmte Person mit Gefühlen der Hoffnungslosigkeit und der Unfähigkeit zu normalem Optimismus hin.
- Hysterie (Hy): Misst, in welchem Umfang die Person zur Somatisierung oder zu hysterischen Anfällen neigt.
- Psychopathische Abweichung (Pd): Misst die Unfähigkeit, aus Erfahrung zu profitieren (z. B. Lernschwierigkeiten), und die Missachtung sozialer Normen. Hohe Werte deuten auf Immunität gegenüber Therapie hin.
- Männlichkeit-Weiblichkeit (Mf): Misst die Tendenz zu männlichen oder weiblichen Interessenmustern. Ein hoher Wert deutet auf eine Abweichung hin zu den grundlegenden Interessen des anderen Geschlechts.
- Paranoia (Pa): Misst den Zustand der Paranoia oder Schizophrenie. Beinhaltet Verfolgungswahn, Misstrauen, Anfälligkeit und Überempfindlichkeit.
- Psychasthenie (Pt): Beurteilt die Ähnlichkeit zwischen dem Untersuchten und psychiatrischen Patienten, die unter Phobien oder Zwangsstörungen leiden.
- Schizophrenie (Sc): Ermittelt den Grad der Beziehung zwischen dem Untersuchten und bizarren Gedanken und Verhaltensweisen. Impliziert eine Trennung zwischen subjektivem Leben und Realität sowie irrationale Stimmungsschwankungen und Verhaltensweisen.
- Hypomanie (Ma): Überproduktion von Gedanken. Die hypomanische Phase ist ungewöhnlich.
- Soziale Introversion (Si): Misst den Grad der Neigung zur Introversion und Isolation von sozialen Kontakten.
Zusätzliche Skalen
- Ich-Stärke (Es): Ein hoher Wert deutet auf günstige Integration, Kohäsion der Persönlichkeit und die Fähigkeit zu Beziehungen hin.
- Abhängigkeit (Dy): Hohe Werte deuten auf ein hohes Hilfsbedürfnis hin, insbesondere in der psychologischen Therapie. Personen mit hohen Werten beenden Therapien schwerer. Angst erzeugt Fügsamkeit statt Unabhängigkeit.
- Dominanz (Do): Soziale Initiative, Kontrollfähigkeit, Ausdauer, Durchsetzung von Handlungen. Hohe Werte deuten auf eine Person mit hoher Fähigkeit zur Gruppenführung hin.
- Verantwortung (Re): Hohe Werte zeigen an, dass die Person die Konsequenzen ihres Verhaltens akzeptiert, zuverlässig ist, sich ihrer Pflichten bewusst ist, sich zur Gruppe zugehörig fühlt und Integrität zeigt.
- Kontrolle (Cn): Kontrolle der Persönlichkeit.
Details zum MMPI
- Hysterie (Hy) + Hypochondrie (Hs) + Depression (D) bilden die Neurotische Trias.
- Paranoia (Pa) + Psychopathische Abweichung (Pd) + Schizophrenie (Sc) bilden die Psychotische Trias.
Grundlagen der Psychometrie und Testkriterien
Was ist Psychometrie?
Die Psychometrie begann als Versuch, Intelligenz zu messen, versucht aber heute, auch Persönlichkeitsvariablen zu messen.
- Sie ist notwendig, da sie eine objektive Grundlage für die Bewertung bietet.
Wichtige Anwendungsbereiche der Psychometrie
- Klinische Psychologie: Persönlichkeitstests, Diagnostik der Persönlichkeit. Hier können wertvolle Informationen über Persönlichkeitsmerkmale (emotionale, affektive, kognitive Anpassung an die Realität) gewonnen werden.
- Pädagogische Psychologie: Psychologische Beurteilung von Kindern im pädagogischen Prozess (Ursprung vieler Testanwendungen). Gemessen werden intellektuelle Leistung, Karriereinteressen, Kreativität, Motivation und affektive Dimensionen (um zu verstehen, warum ein Kind Fehler macht).
- Arbeitspsychologie: Personalauswahl und Klassifikation innerhalb eines Unternehmens. Bewertung von Fachkräften.
- Personalentwicklung und Versetzung: Eine Person wird von einer Stelle entfernt und einer anderen Firma oder Abteilung zugewiesen. Dies basiert auf der Annahme, dass Menschen einen bestimmten Platz haben. Arbeit mit Datenbanken, Erstellung von Jobprofilen.
Die Wahrnehmung der Arbeitsbedingungen durch die Probanden beeinflusst die Leistung ebenso wie die tatsächlichen Bedingungen selbst. Wenn Individuen eine Tatsache als real ansehen, ist die Konsequenz real. Bewertet werden Kommunikationsart, wahrgenommene Aufstiegsmöglichkeiten und die Sichtweise der Vorgesetzten.
- Gilt für Hilfskräfte und Administratoren.
- Bewertet werden können affektive Führung, Servicequalität, Kundenzufriedenheit etc.
- Experimentelle Forschung oder Psychologie: Ein unverzichtbares Werkzeug für die Forschung. Variablen müssen operativ und konzeptionell definiert werden (wie wird gemessen?). Psychologische Variablen können instrumentalisiert und in Gruppen untersucht werden.
Kriterien für Testunterschiede
1. Leistungstest (Maximale Leistung) vs. Häufigkeitstest (Typisches Verhalten)
Typisches Verhalten | Maximale Leistung |
Messung von Einstellungen oder Persönlichkeitsmerkmalen. | Messung spezifischer Fertigkeiten oder Fähigkeiten (z. B. IQ). |
Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. | Diese Tests werden mit dem Kriterium „gute Reaktion“ vs. „schlechte Reaktion“ korrigiert. |
Im Allgemeinen gibt es keine zeitliche Begrenzung. | Zeitlich begrenzt (Timed). |
2. Testprojekte
Individuelle Anwendung (z. B. Rorschach, TAT) im Gegensatz zur kollektiven Anwendung. Werden zusätzlich in der Klinik verwendet, d. h., sie dienen nicht nur der Vorhersage, sondern auch der Diagnose.
Definition eines Psychologischen Tests
Ein psychologischer Test ist im Wesentlichen ein Messinstrument, das auf einer Stichprobe von Verhaltensweisen basiert und eine diagnostische und/oder prädiktive Funktion hat. Er wurde standardisiert und zielgerichtet korrigiert, sodass er die Mindestkriterien der Zuverlässigkeit und Gültigkeit erfüllt.
- (1) „Basierend auf einer Stichprobe von Verhalten“: Es ist ein Beispiel für Verhalten, das auf beobachtbaren Symptomen und Verhaltenskategorien beruht. Es ist notwendig, die zu messenden Verhaltensweisen zu definieren und zu extrahieren. Das Instrument muss das fragliche Verhalten angemessen abdecken.
- (2) „Hat einen diagnostischen und/oder prädiktiven Wert“: Der diagnostische und/oder prädiktive Wert hängt davon ab, wie gut der Test als Indikator für Verhalten dient. Ein Test erfüllt diese Zwecke, wenn er eine enge Korrelation zwischen den erzielten Werten und der späteren Leistung in einer Aktivität, die dieses Verhalten erfordert, nachweisen kann.
Die Vorhersage (Prädiktion) führt zu einer zeitlichen Schätzung und versucht, ein Urteil über die zukünftige Leistungsfähigkeit einer Person in einer Aufgabe zu treffen. Sie ist deskriptiv („was wird“ oder „nicht wird“).
Die Diagnose entspricht einer größeren Kategorie, da sie nicht nur Vorhersagen ermöglicht, sondern auch Zugang zum Wissen über die Entstehung des aktuellen Zustands bietet.
- (3) „Wurde standardisiert“: Die Preisgestaltung, Korrektur und Interpretation müssen einheitlich sein. Alle psychologischen Tests müssen äußerst streng angewendet werden. Die Standardisierung betrifft auch die Art und Weise, wie Informationen verarbeitet werden (Umwandlung von Rohwerten in Standardwerte). Ein nicht standardisierter Test ohne Normen kann nicht als psychometrischer Test angesehen werden. Die Norm hat eine statistische Grundlage.
- (4) „Zielgerichtete Korrektur“: Anwendung, Korrektur und Messergebnisse müssen objektiv sein, d. h., unabhängig von der subjektiven Einschätzung des Prüfers muss jede Person, die den Test anwendet, das gleiche Ergebnis erzielen.
- (5) „Erfüllt die Mindestkriterien der Zuverlässigkeit (Reliabilität)“: Die Zuverlässigkeit erlaubt uns zu beurteilen, wie gut ein Test für die Echtzeit funktioniert. Sie spiegelt die Konsistenz des Tests und die Stabilität über die Zeit wider.
- (6) „Erfüllt die Mindestkriterien der Gültigkeit (Validität)“: Die Gültigkeit ist ein direkter Beweis für den Grad der Genauigkeit, mit dem der Test seine Funktion erfüllt. Sie ermöglicht es, gezielt festzustellen, inwieweit ein Test misst, was er messen soll.
Die Psychometrie erhält ihre Macht durch das Vertrauen, das Organisationen in sie setzen. Sie nimmt eine beratende Rolle ein. Für eine korrekte Standardisierung sind auch standardisierte physikalische Bedingungen wichtig.
Persönlichkeitsmerkmale, Störungen und Diagnostik
Trait vs. Störung
Beide Konzepte beziehen sich auf stabile Muster.
- Trait (Merkmal): Ein anhaltendes Muster der Wahrnehmung, des Bezugs und des Nachdenkens über sich selbst und die Umgebung. Es zeigt sich in einem breiten Spektrum sozialer und persönlicher Kontexte. Es behält Flexibilität zur Anpassung und ist stabil.
- Störung (Disorder): Tritt nur auf, wenn Persönlichkeitsmerkmale maladaptiv, unflexibel, ausdauernd sind und erhebliche Defizite im sozialen, beruflichen und persönlichen Bereich verursachen. Sie umfasst mehrere Merkmale, die zusammen zu Starrheit führen und Schaden für die Person selbst mit sich bringen (z. B. wenn das Bedürfnis nach Ordnung starr und unbeweglich wird).
Normalität vs. Abnormität
Normalität und Abnormität erfordern bestimmte Kriterien, um eine Zuordnung zu ermöglichen. Es handelt sich um zwei schwer aufrechtzuerhaltende, unscharfe und unklar definierte konzeptuelle Kategorien, die sich in Inhalt und kulturellen Unterschieden unterscheiden.
Die psychische Abnormität wird stark von der sozialen und kulturellen Bedeutung beeinflusst, während die physische Anomalie universeller ist.
Kriterien der Normalität
- Statistisches Kriterium: Die Prävalenz der zentralen Tendenz. Der Standard ist statistisch äquivalent zum Gemeinsamen (z. B. DSM-IV-Kriterien, die aktualisiert werden).
Der statistische Ansatz allein hat Einschränkungen, da er keine klare Abgrenzung zwischen dem Wesentlichen (normal) und dem Abnormen erlaubt, insbesondere bei qualitativen Aspekten. Es gibt psychologische Prozesse, die statistisch normal sind, aber aus Sicht des Schadens oder der Beeinträchtigung des Subjekts eindeutig nicht normal sind. Es ist auch zu beachten, dass statistische Schwankungen von der historischen und geografischen Lage abhängen.
- Soziales oder ideales Kriterium: Dieser Ansatz ist qualitativ und wird durch soziale Werte oder das, was als wünschenswert und akzeptabel gilt, beeinflusst. Es ist ein kulturelles Kriterium, das auf einer Bewertung basiert, was eine Gemeinschaft als gut oder schlecht ansieht.
- Ego-synton vs. Ego-dyston:
- Ego-dyston: Der Grad, in dem ein Symptom oder Merkmal vom Individuum als inakzeptabel und daher als fremd erlebt wird.
- Ego-synton: Der Grad, in dem ein Symptom oder Merkmal als angemessen, wünschenswert und in Harmonie mit sich selbst empfunden wird.
Neurose vs. Psychose
- Neurose: Diese Kategorie wird Personen zugewiesen, bei denen keine nachweisbaren körperlichen/organischen (insbesondere Gehirn-) Veränderungen vorliegen. Der Patient hat ein angemessenes Krankheitsbewusstsein und leidet unter seinem Zustand. Der Realitätsbezug bleibt erhalten.
- Psychose: Entwickelt sich auf der Grundlage des Verlusts des Realitätsbezugs (Halluzinationen). Die Weltanschauung ist durch emotionale Hyperreaktivität gefärbt und völlig verzerrt. Es gibt produktive Symptome (Halluzinationen und Wahnvorstellungen), die schwere Störungen des Denkens und der Wahrnehmung darstellen.
Ideographischer vs. Nomothetischer Ansatz
- Ideographisch: Qualitativ (schwierig quantitativ einzuführen). Individuelle Untersuchung, die sich mit der umfassenden Methode versöhnt. Beabsichtigt nicht vorherzusagen oder zu beschreiben, sondern zu verstehen.
- Nomothetisch: Beobachtung allgemeiner Verhaltensgesetze und Kategorisierung von Subjekten mithilfe quantitativer und überprüfbarer Methoden.
Otto Kernberg: Strukturelle Diagnostik und Objektbeziehungstheorie
Kernberg, ein Psychoanalytiker, entwickelte aufbauend auf Freud und Klein einen Vorschlag zur psychodiagnostischen Struktur, insbesondere zur Diagnose von Borderline-Patienten. Er kehrte zu einer klinischen Struktur innerhalb der Neurose und Psychose zurück.
Objektbeziehungstheorie
Kernberg stellte fest, dass viele Patienten mit schweren Charakter- oder Persönlichkeitsstörungen schwer zu diagnostizieren waren, da sie zeitweise psychotisches und neurotisches Verhalten zeigten. Er synthetisierte eine allgemeine Beschreibung für diese Patienten (Borderline-Organisation).
Ein wiederkehrendes Merkmal war die Tendenz zum Acting Out (Verhalten außerhalb der Therapie, z. B. Selbstmorddrohungen, Angriffe), da der Patient nicht durch Ideen, sondern durch bedrohliches Verhalten kommunizierte. Dieses Verhalten ist Ausdruck einer mangelnden Impulskontrolle, oft bezogen auf sexuelle oder aggressive Triebe.
Der Unterschied zu Patienten, die immer als psychotisch (Demenz, Schizophrenie) galten, besteht darin, dass die unkontrollierte Dynamik bei Borderline-Patienten selektiv auftritt und nur in bestimmten Kontexten zum Vorschein kommt, während in anderen Umständen die Kontrolle wiedererlangt wird.
Der vorherrschende Abwehrmechanismus, der strukturell aktiv ist, ist die „Spaltung“ (Division), welche die Schwierigkeit des Patienten erklärt, eine ordnungsgemäße Integration des Ichs zu erreichen.
Strukturelle Diagnostik nach Kernberg
Die strukturelle Diagnose konzentriert sich auf beobachtbare Symptome und Verhaltensweisen der Borderline-Zustände, die weder in die Psychose noch in die Neurose passen. Die Prognose basiert auf der Qualität der Objektbeziehungen und dem Grad der Integration des Über-Ichs.
Mentale Strukturen und Organisation der Persönlichkeit
Kernberg integrierte die Objektbeziehungen in die Unterstrukturen von Ich und Über-Ich. Ein Merkmal dieser Organisation ist der Ödipuskomplex (unbewusste Konflikte), da er die Summe der frühen Erfahrungen darstellt.
Strukturelle Kriterien im Vergleich
Strukturelle Kriterien | Neurose | Grenzfall | Psychose |
Integration/Identität | Integrierte Repräsentation des Selbst und der Objekte. | Diffuse Identität (Selbst und Objekte sind nicht definiert). | |
Inklusive Identität | Wahnhafte Identität. | ||
Psychischer Konflikt | Psychotherapeutisch zugänglich. | ||
Defensive Operationen | Hohes Niveau: Verdrängung, Reaktionsbildung, Isolation, Ungeschehenmachen, Rationalisierung, Sublimierung. | Hauptsächlich Abwehrmechanismen niedrigen Niveaus: Spaltung (Exzision), primitive Idealisierung, projektive Identifizierung, primitive Verleugnung, Allmacht der Gedanken, Abwertung. | |
Realitätsprüfung | Dauerhaft, Unterscheidung zwischen sich und der Welt möglich, intrapsychische Wahrnehmung äußerer Reize. Bewertung von sich selbst und anderen ist tiefgründig und realistisch. | Verlust des Realitätsbezugs (zeitweise). | |
Sinn für die Realität ist verändert. |
Das Strukturelle Interview
Es konzentriert sich auf Symptome, Konflikte oder Schwierigkeiten des Patienten und nutzt die Interaktion, um strukturelle Merkmale (neurotisch, psychotisch oder Borderline) basierend auf den Ich-Funktionen zu diagnostizieren. Es kombiniert traditionelle und psychoanalytisch orientierte Untersuchungsmethoden zur Identifizierung von Realitätsverzerrung, Abwehrmechanismen und Identitätskonflikten.
- Klarstellung: Der Diagnostiker hilft dem Patienten, unbewusste, widersprüchliche und vage Elemente zu entdecken.
- Konfrontation: Der Patient wird auf Konflikte und die Existenz von Abwehrmechanismen aufmerksam gemacht.
- Interpretation: Lösung des Konflikts und der zugrunde liegenden Ängste, sodass der Patient widersprüchliche Logik anders sehen kann.
- Übertragung (Transference): Die Interaktion zwischen Patient und Diagnostiker.
Beschreibende Symptome von Borderline-Patienten
- Angst: chronisch oder frei flottierend.
- Polysymptomatische Neurose: Multiple Phobien, Zwangsstörungen, multiple Konversionssymptome, Hypochondrie und paranoide Tendenzen.
- Polymorphe sexuelle Orientierung: Sexuelle Abweichung, bizarre Formen der Perversion.
- Präpsychotische Persönlichkeitsstruktur („Klassiker“): Paranoid, schizoid, hypomanisch.
- Impulsneurosen und Süchte, getrieben von Impulsen.
- Charakterstörungen „unterer Ebene“.
Identitätsdiffusion
Gekennzeichnet durch ein schlecht integriertes Selbstkonzept und eine schlecht integrierte Repräsentation signifikanter anderer. Dies spiegelt sich in der subjektiven Erfahrung chronischer Leere, widersprüchlicher Selbstbilder und der Unfähigkeit wider, emotional bedeutsame Wahrnehmungen zu integrieren. Borderline-Persönlichkeitsstörungen weisen Unterschiede zwischen der Selbst- und der Objektrepräsentation auf.
Introjektion und Identifizierung
- Introjektion: Die frühe und primitive Ebene der Integration. Das Ergebnis der ersten Integration des Kindes mit einem Objekt. Das Kind nimmt die Welt als etwas von sich selbst Verschiedenes wahr. Zur Erzeugung des primären Narzissmus müssen drei Komponenten beteiligt sein:
- Bild des Objekts (Wahrnehmung).
- Bild von sich selbst (in Bezug auf das Objekt und als davon verschieden).
- Affektive Triebkraft des Bildes (bestimmt die Art der Beziehung, angenehm oder schmerzhaft).
Diese Schritte beginnen, die Bedingungen für die Identifizierung zu entwickeln. Introjektion beinhaltet die Entwicklung bestimmter ideologischer Funktionen und die Zufriedenheit der Repräsentation. Eine Repräsentation markiert die Abwesenheit dessen, was ich repräsentiere (symbolisch: die Anwesenheit der Abwesenheit).
- Identifizierung: Eine höhere Form der Introjektion, die nur stattfinden kann, wenn die perzeptuellen und kognitiven Fähigkeiten des Kindes ausreichend entwickelt sind, um Rollen und Objekte vollständig zu erkennen und zu verinnerlichen. Sie impliziert eine Moderation der drei Schritte und ist eine globale Repräsentation, die in einer affektiven Matrix verankert ist. Die Identifizierung dient dem Aufbau des Selbst.
Das DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen)
Das DSM-IV operiert mit der Logik der Krankheit. Es ist ein statistisches Handbuch für die Diagnose psychischer Störungen. Die diagnostischen Kriterien sind im Wandel (z. B. Homosexualität). Die statistische Grundlage dient als objektives Kriterium zur Unterscheidung des Pathologischen.
Das DSM-IV verwendet die phänomenologische Methode und ist im Wesentlichen deskriptiv (z. B. „Halluzinationen vorhanden oder nicht“). Es spiegelt den Konsens zum aktuellen Stand der Wissenschaft wider und berücksichtigt nicht alle außergewöhnlichen Situationen in der Klinik.
Der primäre Zweck des DSM-IV ist es, klare Strategien zu bieten, damit Ärzte und Forscher psychische Störungen diagnostizieren, untersuchen und Informationen austauschen können, unabhängig vom Standort.
Das Multiaxiale System des DSM-IV
Dieses System umfasst eine gleichzeitige Beurteilung auf mehreren Achsen. Jede Achse bezieht sich auf einen anderen Informationsbereich, der es dem Kliniker ermöglicht, eine umfassende und integrierte Bewertung der verschiedenen Faktoren vorzunehmen, die die Entwicklung des krankhaften Zustands beeinflussen können.
- Achse I: Klinische Störungen und andere Störungen, die klinisch relevant sein können. (Diagnose der Psychopathologie, z. B. Schizophrenie, Alkoholismus, Depression).
- Achse II: Persönlichkeitsstörungen und geistige Behinderung. (Diagnose von Persönlichkeitsstörungen).
- Achse III: Medizinische Krankheitsfaktoren. (Diagnose von Erkrankungen, z. B. Gallenblasenprobleme, Hypertonie).
- Achse IV: Psychosoziale und umweltbedingte Probleme. (Z. B. extreme Armut, Verlassenheit, Arbeitslosigkeit).
- Achse V: Globale Beurteilung des Funktionsniveaus (GAF). (Bewertung der Arbeits-, akademischen und familiären Funktionsbereiche und des Ausmaßes des Verfalls).
Persönlichkeitsstörungen nach DSM-IV
Allgemeine diagnostische Kriterien
Ein dauerhaftes Muster des inneren Erlebens und Verhaltens, das deutlich von den Erwartungen der Kultur abweicht (stabiles Muster, das seit der Kindheit oder Adoleszenz besteht). Es manifestiert sich in zwei oder mehr der folgenden Bereiche:
- Kognition (Wahrnehmung der Welt und des Selbst).
- Affektivität (Intensität, Bandbreite, Labilität und Angemessenheit des Affekts).
- Zwischenmenschliches Funktionieren.
- Impulskontrolle.
Dieses Muster ist persistent, unflexibel und tiefgreifend in einem breiten Spektrum persönlicher und sozialer Situationen. Es verursacht anhaltendes Leiden oder klinisch signifikante Beeinträchtigungen. Es ist nicht auf organische Manifestationen (z. B. Hirnschäden) oder psychologische Auswirkungen von Substanzen zurückzuführen.
Klassifikation der Persönlichkeitsstörungen (Drei Cluster)
Typ A (Bizarre, exzentrisch, seltsam) | Typ B (Dramatisch, emotional, übertrieben) | Typ C (Ängstlich, furchtsam) |
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