Vom Absolutismus zur Moderne: Die Ära der Revolutionen
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Das Ancien Régime und der Absolutismus
Das Ancien Régime war geprägt von wirtschaftlichem Interventionismus und dem monarchischen Absolutismus. In dieser absoluten Monarchie vereinte der König die Fülle der Legislative, Exekutive und Judikative in seiner Person. Die wirtschaftliche Haupttätigkeit war die Landwirtschaft. Die Gesellschaft war ständisch gegliedert und homogen in Gruppen organisiert, die man Stände nannte.
Die Privilegierten – der Klerus und der Adel – verfügten über Vorrechte und Reichtum. Sie zahlten keine Steuern und konnten ihr Eigentum nicht durch Verkauf verlieren. Der Dritte Stand (das einfache Volk) hatte die Aufgabe, auf dem Land, im Handwerk oder im Handel zu arbeiten und Steuern an den Staat zu entrichten.
Die Aufklärung: Ideologie des Wandels
Die Aufklärung war eine kulturelle und ideologische Bewegung des 18. Jahrhunderts, die aus der Unzufriedenheit und den Bestrebungen der Gegner des Ancien Régime entstand. Sie richtete sich gegen Aberglauben, Unwissenheit und Vorurteile und verteidigte die natürliche Religion.
Hinsichtlich der Gesellschaft griffen die Aufklärer die Privilegien des Adels und der Geistlichkeit an und stützten sich auf die Grundsätze von Freiheit, Gleichheit und Privateigentum. Politisch forderten sie die nationale Souveränität und die Gewaltenteilung. In der Wirtschaft unterstützten sie eine völlige und absolute Freiheit.
Der aufgeklärte Despotismus
Der erste Versuch, diese Theorien in die Praxis umzusetzen, ist als aufgeklärter Despotismus bekannt. Dieses Reformprogramm wurde von den Monarchen organisiert und gefördert, scheiterte jedoch letztlich am Widerstand der Privilegierten und an den Auswirkungen der Kriege.
Die Krise des Ancien Régime
Die Krise des alten Regimes wurde durch mehrere Faktoren ausgelöst:
- Erstens: Eine erhöhte Steuerlast in einer schwierigen wirtschaftlichen Finanzlage.
- Zweitens: Das Aufkommen von Protesten der Betroffenen.
- Drittens: Die Weigerung der Mitglieder des Dritten Standes, ungerechte Gesetze anzuerkennen, was den Willen zur Einleitung einer liberalen Revolution stärkte.
- Viertens: Der Triumph der Reformer, die Staat und Gesellschaft durch die Anwendung der Lehren der Aufklärung neu organisierten.
Die Amerikanische Revolution
Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg war zugleich eine liberale Revolution. Sie begann, als sich die Siedler gegen neue Steuern des Parlaments in London wehrten. Auf dem Kongress von Philadelphia verabschiedeten Vertreter der Kolonien die von Thomas Jefferson verfasste Unabhängigkeitserklärung der dreizehn Vereinigten Staaten. Schließlich wurde die aktuelle Verfassung genehmigt. Diese sieht vor, dass die Exekutive beim Präsidenten liegt, während die Legislative als Zweikammersystem (Abgeordnetenhaus und Senat) organisiert ist. Die Judikative wird von den Gerichten ausgeübt.
Die verfassunggebende Nationalversammlung
König Ludwig XVI. berief die Generalstände ein. Der Dritte Stand erklärte sich zur Nationalversammlung und lud den Klerus und den Adel ein, gemeinsam Gesetze zu verabschieden. Die Versammlung erarbeitete bedeutende Dokumente:
- Die Erklärung der Menschenrechte.
- Die Zivilverfassung des Klerus.
- Die Verfassung von 1791, die dem König die exekutive Gewalt und der Versammlung die legislative Gewalt übertrug, wobei ein Zensuswahlrecht eingeführt wurde.
Der Nationalkonvent und der Terror
Im August 1792 radikalisierte sich die Lage unter der Führung der Jakobiner. Ein Konvent wurde einberufen, die Republik ausgerufen und die Hinrichtung des Königspaares vollzogen. Der Konvent wurde zunächst von den Girondisten dominiert, doch nach einem Staatsstreich übernahmen die Jakobiner die Macht und verabschiedeten 1793 eine neue Verfassung.
Vom Direktorium zum Konsulat
Die Girondisten kehrten an die Macht zurück und verabschiedeten eine dritte Verfassung, die ein moderates System ohne König etablierte. Die Exekutive wurde von einem Direktorium aus fünf Mitgliedern ausgeübt. Im Jahr 1800 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, welche die Exekutive durch einen Ersten Konsul (Napoleon Bonaparte) stärkte. Die Legislative bestand aus drei Kammern: Senat, Tribunat und gesetzgebende Körperschaft. Das Konsulat wurde später auf Lebenszeit eingerichtet und mündete schließlich im Kaiserreich.
Das Napoleonische Kaiserreich
In der Innenpolitik war Napoleon ein Produkt der Revolution und des Bürgertums; er förderte den Aufstieg in Armee und Verwaltung nach Verdienst. Das Ergebnis dieser Bemühungen waren der Code Civil und das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl. Außenpolitisch verbreitete das Kaiserreich liberale Ideen und den Code Civil in den eroberten Nationen Europas. Nach der Herrschaft der 100 Tage folgte seine endgültige Niederlage in der Schlacht von Waterloo.
Die Restaurierung und der Wiener Kongress
Die Restaurierung zielte auf die Wiederherstellung der absoluten Monarchie und der ständischen Privilegien ab. Auf Initiative des österreichischen Kanzlers Fürst Metternich trafen sich die Siegermächte Napoleons auf dem Wiener Kongress. Ziele waren die Wiederherstellung des Mächtegleichgewichts, die Rückkehr der alten Dynastien auf ihre Throne und eine Neuordnung der Landkarte Europas.
Diplomatische und territoriale Folgen
Der Wiener Kongress sicherte das europäische Gleichgewicht bis 1914 (mit Ausnahme des Krimkrieges) und verhinderte Großkonflikte zwischen mehr als zwei Mächten. Als militärischer Arm des Systems diente die Heilige Allianz. Die politisch-territoriale Neugestaltung der europäischen Landkarte sollte verhindern, dass eine einzelne Macht erneut eine Hegemonie ausübt.
Der Liberalismus im 19. Jahrhundert
Der Liberalismus besagt, dass die Souveränität in der Nation liegt. Er unterstützte zunächst das Zensuswahlrecht, bei dem nur wohlhabende Männer stimmberechtigt waren. Er verteidigte die individuellen Freiheitsrechte, die Gewaltenteilung und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Der doktrinäre Liberalismus versuchte, die Autorität der Krone mit der gesetzgebenden Gewalt des Parlaments in Einklang zu bringen.