Analyse von Carmen Laforets Roman 'Nada': Kontext & Themen
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Narrative Zeit
Die Handlung spielt in den Jahren 1939 bis 1940, enthält jedoch einige Rückblenden (Flashbacks), die auf Andreas Erinnerungen an ihre Aufenthalte in Barcelona basieren, wo sie ihre Sommer bei den Großeltern in der Aribau-Straße verbrachte. Der Erzähler blickt aus der jüngeren Vergangenheit auf die Ereignisse zurück; der Roman wurde zwischen Februar und September 1944 verfasst.
Der Roman der Nachkriegszeit
Das trostlose Klima der Nachkriegszeit in den 1940er Jahren begünstigte den Höhepunkt der engagierten Literatur, die sich sozialen Problemen widmete. In Spanien prägten zwei Strömungen alle literarischen Genres: der Existentialismus und der Neorealismus. Während der Existentialismus die Bedeutung der menschlichen Existenz hinterfragte, fokussierte sich der Neorealismus auf die gesellschaftliche Realität.
Zwischen 1940 und 1945 begann eine Gruppe von Schriftstellern, die den Bürgerkrieg in ihrer Jugend erlebt hatten, belletristische Werke mit individueller literarischer Handschrift zu veröffentlichen. Zu dieser Gruppe gehört auch Carmen Laforet.
Historischer Kontext von 'Nada'
Der Roman spielt im Jahr 1939, einem Jahr von besonderer Bedeutung für Spanien und die Welt:
- Spanien: Francos Truppen besetzen im Januar Barcelona, womit der Spanische Bürgerkrieg endet.
- Europa: Am 3. September beginnt der Zweite Weltkrieg.
Das Besondere an diesem Werk ist, dass es erstmals das soziale Leben nach dem Krieg widerspiegelt und einen moderaten Gehalt an Gesellschaftskritik enthält.
Räume und Umgebungen im Roman
Die Handlung findet fast ausschließlich in urbanen Räumen statt. Obwohl Andrea kurz nach der Eroberung durch die Franco-Truppen in der Stadt eintrifft, gibt es nur wenige direkte Hinweise auf die Spuren des Krieges. Armut und Hunger werden zwar thematisiert, jedoch ohne explizite Anklage oder Kritik.
Der Gegensatz zwischen Innen- und Außenräumen ist sehr ausgeprägt:
- Innenräume: Repräsentieren Unterdrückung und Frustration.
- Außenräume: Vermitteln Konnotationen von Freiheit und Glück.
Weibliche Figuren in 'Nada'
Die weibliche Welt durchzieht das gesamte Werk. Im universitären Umfeld steht Andrea Ena zur Seite, eine vielschichtige Figur, die sich ihrer Mutter verbunden fühlt. Pons, ein weiterer Kommilitone, führt Andrea in eine Gruppe reicher junger Männer ein, die sich als Bohemiens inszenieren.
Das Haus in der Aribau-Straße wird ebenfalls von Frauen dominiert: Angustias, Gloria, die Großmutter und das Dienstmädchen. Román scheint die Ausnahme zu sein, der einzige Mann mit ausgeprägtem Charakter. Juan lässt seine Brutalität kontinuierlich an Gloria aus.
Biografischer Hintergrund: Andrea, ein seltsames Mädchen
Der Roman basiert auf den Erfahrungen von Carmen Laforet in Barcelona. Es gibt große räumliche und zeitliche Übereinstimmungen zwischen den Biografien von Andrea und der Autorin:
- Andrea und Carmen sind 1939 beide 18 Jahre alt.
- Beide kommen zum gleichen Zeitpunkt in Barcelona an.
- Andrea verlässt die Stadt am Ende des Kurses in Richtung Madrid, während Carmen noch zwei Jahre länger in Barcelona bleibt.
Andrea ist das Gegenmodell zur klassischen Protagonistin: Hinter ihrer Schüchternheit verbirgt sich eine starke Persönlichkeit, die gegen soziale Konventionen rebelliert.