Analyse von Cervantes' Rinconete y Cortadillo

Eingeordnet in Sprache und Philologie

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 4,44 KB

1. Aspekte der Indoktrination der Jungen

Einer der wichtigsten Aspekte ist die Art und Weise, wie der Junge (ein Lastenträger) versucht, Rinconete und Cortadillo zu überzeugen. Er betont, wie gütig Monipodio sei und welchen guten Willen sie zeigen, wenn sie für ihn arbeiten. Er macht deutlich, dass es ohne den Anschluss an Monipodio sehr schwierig sein wird zu stehlen und dies viele Probleme mit sich bringen würde. Besonders hervorzuheben ist die Ironie in der Aussage des Jungen, dass die Bruderschaft von Monipodio ein Dienst an Gott und den guten Menschen sei.

2. Definition und Gewohnheiten der Monipodio-Gilde

Die Gilde definiert sich selbst als gut und Gott geweiht, obwohl ihre eigentliche Tätigkeit im Stehlen besteht. Zu ihren finanziellen und religiösen Gewohnheiten gehört es, einen Teil des Gestohlenen zu spenden, beispielsweise für die Öllampe eines frommen Bildes. Zudem beten sie den Rosenkranz, der über die Woche verteilt wird. Viele von ihnen stehlen freitags nicht und halten samstags keine Gespräche mit Frauen namens Maria (in Anlehnung an die Jungfrau Maria).

3. Haltung von Rinconete und Cortadillo

Die beiden zeigen sich anfangs überrascht und verwundert. Besonders die Tatsache, dass der Kellner seine Raubüberfälle Gott und guten Menschen widmet und dass Diebstähle von einer Person kontrolliert werden, erstaunt sie. Letztlich sind sie jedoch daran interessiert, der Gilde beizutreten und den Lehrer Monipodio kennenzulernen, obwohl sie wissen, dass die Aktivitäten der Bruderschaft völlig im Widerspruch zu deren Behauptungen stehen.

4. Spannungsaufbau vor Monipodios Erscheinen

Es wird eine gewisse Spannung erzeugt, da der Junge Monipodio zunächst als eine höhergestellte Persönlichkeit darstellt und die Diebstähle auf außergewöhnliche Weise beschreibt. Als sie schließlich am Haus ankommen, müssen Rinconete und Cortadillo erneut warten, was sein Erscheinen weiter verzögert und die Erwartungshaltung steigert.

5. Die Rolle des Erzählers im Textfragment

An dieser Stelle greift der Erzähler nur ein, um klarzustellen, wer zu welchem Zeitpunkt spricht. Da dieses Fragment des Romans hauptsächlich aus einem Gespräch besteht, beschränkt sich seine Rolle auf die Strukturierung des Dialogs.

6. Moralische Reise und städtische Tour

Ja, dies ist eine moralische Reise. Der Junge erzählt alles im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Bruderschaft und dem vermeintlichen „Dienst für Gott“. Er klärt Rinconete und Cortadillo über die wahre Natur der Bruderschaft auf, deren Absichten weit von der Wahrheit entfernt sind. Er zeigt ihnen, dass Diebstahl keine Tätigkeit ist, die Gott dargebracht werden kann. Jeder dient Gott auf seine eigene Weise, und dieser Ausdruck von Rinconete und Cortadillo über ihr Handwerk lässt sie die Situation neu bewerten.

7. Technik des Dialogs und Sprachmodalitäten

Die Technik basiert auf einem ersten Beitrag des Kellners (Lastenträgers), auf den Rinconete oder Cortadillo antworten. Diese Reaktionen bestehen oft aus Vorwürfen oder überraschten Kommentaren gegenüber den Ausführungen des jungen Mannes.

8. Wichtigste Stilelemente des Textes

Im Vordergrund stehen der Gegensatz (Antithese), Aufzählungen, Alliterationen und Widersprüche. Über allem steht jedoch die tiefgreifende Ironie, die sich durch die gesamte Erzählung zieht.

9. Vulgärsprache und Phänomene der Germanía

In Bezug auf die gemeine Rede (Vulgärsprache) werden verschiedene Ziele verfolgt, wie Kürzungen bei bestimmten Vokalen oder Diphthongen (z. B. Pathologien statt Theologien) sowie Veränderungen bei Präpositionen und Pronomen. Zudem gibt es spezifische Begriffe aus der Germanía (Gaunersprache):

  • Murcia: Diebe
  • Finibusterrae: Tod durch Erhängen
  • Zurück: Schlag / Hieb
  • Wasserkur: Folter durch Wasser
  • Anfänger: Neulinge
  • Quadroon: Viehdieb
  • Bray: Esel
  • Singen: Gestehen / Bekennen

All diese Wörter sind charakteristisch für die Gespräche unter Dieben und Schurken der damaligen Zeit.

Verwandte Einträge: