Analyse von Don Juan Manuels „Der Graf Lucanor“

Eingeordnet in Sprache und Philologie

Geschrieben am in mit einer Größe von 3,45 KB

Der Graf Lucanor: Moralische Erzählungen

Das vorliegende Buch, verfasst in Form von Fabeln, die als Ratschläge getarnt sind, erzählt vom Grafen Lucanor und seinem Hofrat Patronio. Der Graf bittet um Rat bei Problemen, die ihm begegnet sind. Der Berater gibt keine direkten Antworten, sondern erzählt Fabeln oder Kurzgeschichten, aus denen der Graf seine eigenen Schlüsse ziehen muss.

Problem: Ein Freund will dem Grafen sein Land geben

Beispiel: In diesem Beispiel wird der vertrauteste Diener des Königs auf die Probe gestellt (aufgrund des Neides anderer Diener). Es soll geprüft werden, ob er die Gier besitzt, alles vom König zu übernehmen – sogar dessen Land und seinen Sohn. Der Diener (Privatsekretär) verspricht dem König, ihm als treuer Diener überallhin zu folgen. Der König gab den Befehl für diesen Test, und es verhält sich ebenso wie bei dem Freund des Grafen.

Problem: Der Ritterstand und die biblischen Gesetze

Der Graf zweifelt an seinem Stand als Ritter (Krieger) und möchte nicht scheitern; er fragt nach der Vereinbarkeit mit den Gesetzen der Bibel. Beispiel: Es geht um die Frage, ob ein Einsiedler nach dem Tod in den Himmel kommt. Nach der positiven Antwort fragt er, wer sein Begleiter im Himmel sein wird. Die Antwort missfällt ihm: Sein Partner wird der König von England, Richalte (ein Krieger), sein. Der Einsiedler lernt, dass der König durch den Kampf gegen die Mauren zur Ehre des Herrn Buße für seine Taten tat.

Problem: Ein vermeintlich vorteilhaftes Angebot

Ein Mann schlägt dem Grafen eine Sache vor, die angeblich nur Vorteile bringt. Beispiel: Eine Frau trug einen Honigtopf auf dem Kopf. Sie träumte davon, den Honig zu verkaufen, um Eier und Hühner zu erwerben, daraus Schafe zu züchten und reich zu werden. Während sie über ihr Glück lachte, fiel der Topf herunter und sie verlor alles.

Problem: Klage über die Armut

Der Graf beklagt seine Armut so sehr, dass er sterben möchte. Beispiel: Es gab zwei reiche Männer. Einer wurde durch Armut so schwach, dass er Lupinen aß und über die bitteren Schalen weinte. Der zweite Mann, einst noch reicher, aß nun die weggeworfenen Schalen. Als der erste Mann sah, dass es jemanden gab, dem es noch schlechter ging, fand er Trost und suchte einen Weg aus der Armut.

Problem: Die Gier nach Schätzen

Dem Grafen wird empfohlen, einen möglichst großen Schatz anzuhäufen. Beispiel: Ein Mann aus der Lombardei hortete einen riesigen Schatz, ohne an die moralischen Folgen zu denken. Als er im Sterben lag, wollte er dem heiligen Dominikus beichten. Dieser verweigerte die Beichte, und der Mann starb ohne Erlösung.

Narrative Lehre im Mittelalter

Einer der wichtigsten Zwecke der mittelalterlichen Literatur war es, zu moralisieren und zu lehren. Aufgrund der schlechten Zugänglichkeit von Schulen hatten Schriftsteller die Aufgabe, das Volk zu erziehen. Diese Didaktik findet sich in zwei großen literarischen Strömungen wieder:

  • In Versen (z. B. bei Gonzalo de Berceo oder Hita)
  • In Prosa (bei Alfonso X. und Don Juan Manuel)

In der moralisierenden Absicht der mittelalterlichen Literatur nehmen Kleriker (religiöse Menschen, unabhängig von ihrer spezifischen Konfession) einen prominenten Platz ein.

Verwandte Einträge: