Analyse von La Celestina: Stil, Themen und Handlung

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Stil und Sprache in La Celestina

Im Werk treffen zwei Arten der Sprache aufeinander: Einerseits der kultivierte Stil, der von Hyperbaton und lateinischer Syntax beherrscht wird. Das Lexikon ist geprägt von Metaphern, langen Sätzen voller Unterordnungen sowie griechisch-lateinischen Termini. Andererseits gibt es die populäre Sprache, die weniger gekünstelt ist. Sie nutzt kurze Sätze, Spitznamen, Sprichwörter und Redewendungen in einem plaudernden Tonfall mit häufigen Ausrufen. Zudem finden sich reichlich Geminationen, Parallelismen und Antithesen. Das Werk macht geschickten Gebrauch von Monologen, woraus folgt, dass es eher zum Rezitieren als zur bloßen Darstellung gedacht war. Wichtig ist zudem der Einsatz von Ironie und die Symmetrie der Charaktere. Es existieren somit zwei Sprachebenen: die gelehrte und die volkstümliche.

Die Persönlichkeiten des Werks

Ein gemeinsames Merkmal aller Charaktere (sowohl in der Welt der Herren als auch der Diener) ist ihre ausgeprägte Individualität, ihr Egoismus und ihr Mangel an Altruismus.

Die Absicht des Autors

Die Absicht besteht darin, Korruption zu verhindern und vor „bösen und katzbuckelnden Dienern“ zu warnen, die ihre Herren degradieren. Zudem soll das Werk vor der Blasphemie der „Verrückten Liebe“ (Amor loco) oder der höfischen Liebe schützen, die Verliebte glauben lässt, dass ihre Angebeteten ihr Gott seien. Ein tieferes, dramatisches und philosophisches Thema ist das menschliche Leben als ständiger und erbitterter Kampf zwischen Gegensätzen:

  • Jung gegen Alt
  • Unschuld gegen Korruption
  • Gelehrte gegen Unwissende
  • Arme gegen Reiche
  • Diener gegen Herren
  • Frauen gegen Männer
  • Gut gegen Böse (und umgekehrt)

Übergang vom Mittelalter zur Renaissance

Dieses Buch zeigt die Eigenschaften des Mittelalters, die enden, um Platz für die Renaissance zu machen. Dies lässt sich an folgenden Punkten erkennen:

1. Das Verhältnis zwischen Herr und Diener

Im Mittelalter diente der Knecht seinem Herrn im Austausch für Schutz und Verteidigung. In La Celestina verlangt Calisto jedoch eine Bezahlung.

2. Die Rolle des Adels

Der Adel des Mittelalters entstand, um das Volk zu verteidigen. Calisto hingegen übt keinen Dienst an den Armen aus, sondern führt ein Leben in Freizeit. Die Verteidigung liegt nun in der Verantwortung des Königs und der Armee, da der Adel in seiner alten Form nicht mehr benötigt wird.

3. Die Wiederaufnahme des Handels

Dies wird in der Klage von Melibeas Vater deutlich. Er basiert seinen Reichtum auf materiellen Dingen und nicht auf Grundbesitz, was ein typisches Merkmal des Mittelalters war.

Celestina als Bindeglied

Über Celestina wird gesagt, dass sie sowohl die mittelalterliche Vorstellung als auch die neue Vision der Renaissance in sich vereint.

  • Die mittelalterliche Seite: Das Werk spiegelt einen moralischen Zweck wider, indem der Tod der Liebenden und Diener als göttliche Strafe für ihr ungeordnetes Leben dargestellt wird. Der Autor versieht seine Arbeit mit einer didaktisch-moralischen Betrachtung.
  • Die Renaissance-Seite: Aspekte der neuen Renaissance-Haltung sind die Suche nach Sinnlichkeit, Vergnügen, Individualismus und Heidentum. Die Moralisierung und Zensur des Verhaltens der Charaktere wirken oft wie ein vorsichtiges Zugeständnis an die damaligen Werte der mittelalterlichen Tradition, während der Geist des gesamten Werkes bereits den Ideen des neuen Jahrhunderts nähersteht.

Zusammenfassung der Handlung

Das Stück beginnt, als Calisto Melibea zufällig im Garten ihres Hauses trifft, wohin er seinem Falken gefolgt ist, und ihr seine Liebe gesteht. Sie weist ihn zunächst ab, doch er verliebt sich heftig in sie. Auf Anraten seines Dieners Sempronius engagiert Calisto die alte Prostituierte und professionelle Kupplerin Celestina. Diese betritt Häuser unter dem Vorwand, Waren zu verkaufen, und fungiert so als Vermittlerin für Liebesangelegenheiten. Celestina betreibt zudem ein Bordell mit zwei Schülerinnen, Elicia und Areusa.

Calistos anderer Diener, Pármeno, dessen Mutter eine Lehrerin von Celestina war, versucht ihn zunächst abzubringen. Er endet jedoch damit, dass er seinen Herrn verachtet, da dieser nur an der Erfüllung seiner Wünsche interessiert ist. Pármeno schließt sich Sempronius und Celestina an, um von Calistos Leidenschaft und den daraus resultierenden Geschenken zu profitieren. Durch dialektisches Geschick und das Versprechen von Gunst bei seinen Schülerinnen zieht Celestina Pármeno auf ihre Seite. Mithilfe eines Zauberspruchs an Pluto und ihrer Überredungskunst schafft sie es schließlich, dass Melibea sich in Calisto verliebt.

Als Belohnung erhält Celestina eine goldene Kette. Diese führt jedoch zu Zwietracht, da ihre Gier sie daran hindert, die Kette mit den Dienern zu teilen. Daraufhin wird sie von ihnen ermordet. Die Diener werden hingerichtet und landen im Gefängnis. Die Prostituierten Elicia und Areusa, die ihre Liebhaber und Celestina verloren haben, verschwören sich zur Ermordung von Calisto durch den Tyrannen Centurio, machen aber letztlich nur viel Lärm.

In der Zwischenzeit genießen Calisto und Melibea ihre Liebe. Als Calisto jedoch Lärm auf der Straße hört und glaubt, seine Diener seien in Gefahr, springt er von der Mauer des Hauses seiner Geliebten, stürzt und stirbt. Die verzweifelte Melibea begeht Selbstmord. Das Stück endet mit dem Klageruf von Pleberio, Melibeas Vater, der den Tod seiner Tochter betrauert.

Genre und Bedeutung des Werks

Das Genre ist umstritten. Da der Text rein aus Dialogen ohne Erzähler oder Beschreibungen besteht, könnte man ihn als Drama bezeichnen. Aufgrund der Komplexität, der Zeit- und Ortswechsel sowie der psychologischen Einsicht in die Charaktere kann man das Werk jedoch auch der narrativen Gattung zuordnen. La Celestina ist sowohl für die Tiefe des Themas als auch für die Vollkommenheit des Stils bedeutend. Das Werk ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Es gibt zwei Hauptversionen: eine von 1499 (ohne Titel und Signatur) und eine von 1500 aus Toledo, wobei spätere Ausgaben in Sevilla, Saragossa (1502) oder 1507 erschienen sind.

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