Analyse: Der Oberst hat niemandem, der ihm schreibt

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„Der Oberst hat niemandem, der ihm schreibt“ ist die Geschichte eines Obersts, der ein Leben lang auf seine Rente wartet. Gemeinsam mit seiner Frau kämpft er in Kolumbien ums Überleben, in einem Umfeld, das von Krieg, Repression und staatlicher Zensur geprägt ist.

Überlebenskampf und das Erbe des Sohnes

Die Bürger verkaufen ihre letzten Besitztümer, um irgendwie zu überleben. Eine besondere Belastung stellt ein Kampfhahn dar – ein Vermächtnis ihres verstorbenen Sohnes. Das Tier muss gefüttert werden, und der Oberst ist fest entschlossen, es zu behalten, um durch Hahnenkämpfe Geld zu verdienen. Die Zeit vergeht, und jeden Freitag begibt sich der Oberst zum Hafen, um nach Neuigkeiten über seine Rente zu suchen. Doch diese trifft niemals ein. Schließlich macht sich Verzweiflung bei ihm und seiner Frau breit, während die Rente weiterhin ausbleibt.

Struktur und historischer Hintergrund

Die Struktur des Buches ist linear; die erzählte Zeitspanne umfasst nur wenige Monate. Das Ende ist geschlossen: Wir erfahren, dass die Rente nicht eingetroffen ist und dies wohl auch nie geschehen wird. Das Werk wurde 1957 von Gabriel García Márquez verfasst. Es dient dem Autor als Möglichkeit, seine Unzufriedenheit über die damalige Situation in Kolumbien auszudrücken. Diese war geprägt von kontinuierlichen Kämpfen zwischen der Regierung und Guerillagruppen, die sich aus dem Volk bildeten – besonders in der Zeit zwischen 1949 und 1953, die eine große Zahl an Todesopfern forderte.

Zensur und gesellschaftliche Zustände

Das Buch enthält zahlreiche Elemente, die diese Situation verdeutlichen. Es thematisiert beispielsweise die Zensur: Der Oberst besitzt ein Dokument mit Informationen darüber, was in den letzten zehn Jahren wirklich im Land passiert ist – Dinge, welche die Zeitungen nicht veröffentlicht haben. Es herrscht eine nächtliche Ausgangssperre. Ein interessantes und fast lächerliches Detail ist der Priester, der die Kirchenglocken läutete, um die Filme im Fernsehen zu bewerten. Wenn es zwölfmal schlug, bedeutete dies, dass der Film nicht für jedermann geeignet war.

Der Charakter des Obersts

Über den Charakter des Obersts erfahren wir nicht viel, nicht einmal seinen Namen. Seine Vergangenheit bleibt schemenhaft; er kämpfte auf der Seite der Regierung und „ließ dort sein Leder“, wie es im Buch heißt. Er verbringt seine Tage in der verzweifelten Hoffnung auf die versprochene Rente, auf deren Auszahlung er bereits über 15 Jahre wartet. Jeden Freitag erwartet er das Boot, das die Post bringt. Doch Freitag für Freitag bleibt die Korrespondenz aus – daher rührt auch der Titel des Werkes. Enttäuscht kehrt er stets nach Hause zurück.

Armut, Stolz und der Hahn

Seine Frau versucht währenddessen mit findigen Mitteln, die Haushaltskasse zu retten und das Überleben zu sichern. Doch das reicht nicht aus, und sie müssen nach und nach ihre Habseligkeiten verkaufen. Dabei versuchen sie, ihre Armut aus Scham zu verbergen, doch die Mitmenschen entdecken ihre Lage allmählich und begegnen ihnen mit Mitleid.

Die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, kollidiert jedoch mit dem Stolz des Obersts. Er besitzt den Hahn seines getöteten Sohnes Agustin, den er unter großen Opfern pflegt. Wie das Buch beschreibt, nimmt er sich selbst das Essen vom Mund ab, um es dem Tier zu geben. Es bleibt unklar, ob sein Motiv reiner Stolz auf das Tier ist, das von allen bewundert wird, oder ob seine Interessen rein wirtschaftlicher Natur sind. Zunächst scheint Letzteres zweitrangig, doch im Verlauf der Handlung – besonders am Ende – entscheidet sich der Oberst gegen den Verkauf des Hahns. Er möchte stattdessen auf die Kämpfe wetten, was ebenfalls einen wirtschaftlichen Zweck verfolgt. Diese Verzweiflung treibt seine Frau fast in den Wahnsinn.

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