Analyse der Parabel und Kafkas „Die Verwandlung“
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Die Parabel als literarische Form
Ein unmittelbarer Beginn, ein linearer Verlauf und eine gleichnishafte Handlung sind typische Elemente einer Parabel.
Die Parabel stellt eine allgemeine Wahrheit oder einen pragmatischen Sachverhalt durch ein analoges Bild aus einem anderen Vorstellungsbereich dar.
- Sachbereich: Der Text an sich.
- Bildbereich: Was der Autor damit sagen will (z. B. „aus dem Fenster schauen“ könnte bedeuten, mit der realen Welt verbunden zu sein oder am Leben teilzunehmen).
Kafka wählt aus dem Sachbereich ein Tier, das sowieso nicht sprechen kann. Im Bildbereich bedeutet dies (vielleicht?), dass ihn die Menschen nicht verstehen, auch wenn er etwas in Worten ausdrücken würde.
Parabeln sind also Formen des nicht üblichen Sprechens. Wir müssen zwischen der Ebene des Gesagten (dem Text) und der Ebene des Gemeinten unterscheiden. Wenn Kafka also Räume beschreibt, kann er durchaus auch die Seele oder den Lebensraum meinen.
Analyse von Kapitel 11 der „Verwandlung“
Das Kapitel 11 aus der Parabel „Die Verwandlung“, geschrieben von Franz Kafka im Jahr 1912, handelt von der räumlichen Isolation, der Störung der Kommunikation innerhalb einer Familie und davon, wie sich die einzelnen Individuen verwandeln – bedingt durch die Unfähigkeit Gregors, seine Rolle als Ernährer der Familie wahrzunehmen.
Nachdem sich die Familie mit der plötzlich eingetretenen Änderung ihres Lebens und Alltags konfrontiert sieht, beginnt im Kapitel 11 die Situation in Gregors Zimmer mit dem Wunsch der Hauptperson (Gregor), seine Mutter zu sehen (Z. 1), die ihn, wie er meint, besser versteht als die Schwester. Darin erkennt man die Sehnsucht Gregors nach mütterlicher Fürsorge.
Aus Rücksicht auf seine Familie möchte er auf eines seiner einzigen Vergnügen verzichten: aus dem Fenster zu schauen, was ihn bis jetzt mit der Außenwelt verbunden hat (Z. 2). Gleichzeitig möchte er sich auch im Hinblick auf seine Familie nicht in seiner Käfergestalt zeigen, wegen der Schande vor den Nachbarn. Dies weist darauf hin, dass er sich immer noch als der opferbereite Sohn zeigt.
Da sein Insektenleben trostlos und traurig ist – das Liegen fällt ihm schwer (Z. 3), das Essen macht ihm kein Vergnügen (Z. 4) – erkennt man, dass er sich mehr und mehr zu den Gewohnheiten eines Käfers verwandelt hat. Wir sehen eine Zwittersituation; das Verhalten als Insekt ist seinem menschlichen Denken beschwerlich.
Weil er dieser Monotonie entweichen will, kriecht er an die Decke, wo er sich wohlfühlt (Z. 5). Hier sieht man eine Metapher, indem Gregor sein Seelenleben und die Welt von oben mit Erleichterung betrachtet; es erfüllt ihn mit Glück, obwohl dies eine momentane Illusion ist.
Wie er sich laufend zu einem Insektenverhalten verwandelt, sieht man auch im folgenden Satz in Zeile 8: „aber nun hatte er seinen Körper ganz anders in Gewalt als früher…“. Er beginnt sich an seinen Insektenkörper und seine neue Existenz schrittweise zu gewöhnen. Die Verwandlung seines Verhaltens schreitet fort.
Die Schwester bemerkt aufmerksam sein neues Vergnügen am Kriechen und entscheidet, dass einige Möbel aus dem Zimmer entfernt werden (Z. 9–11). Einerseits zeigt das, dass sie sich noch Sorgen um Gregor macht, und andererseits sieht man, dass sie befiehlt, was gemacht wird (Z. 11), da sie die Führungsrolle anstelle der Eltern übernommen hat, weil diese von der Situation überfordert sind – hauptsächlich die Mutter.
Die Mutter freut sich, Grete zu helfen, die Möbel zu entfernen, aber andererseits fürchtet sie sich, Gregor zu sehen (Z. 17). Diese Widersprüchlichkeit zeigt uns den Kampf der Mutter zwischen ihrer Mütterlichkeit und dem Abscheu, den sie gegen den verwandelten Insektenkörper ihres Sohnes empfindet.
Die Schwester führt die Mutter an der Hand ins Zimmer, woran wir sehen, dass sich die Rollen von Mutter und Tochter verändert haben, indem die Mutter das Kind ist und die Tochter die Mutter (Z. 22).