Analyse der spanischen Restauration und Verfassung von 1876
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Frage 1: Analyse der Verfassung von 1876
a) Quellenart und Charakterisierung
Es handelt sich um eine primäre Quelle mit öffentlichem und politischem Charakter: die Verfassung von 1876. Sie regelt die Konfessionalität des Staates, die Meinungs-, Versammlungs-, Vereinigungs- und Petitionsfreiheit sowie die legislative Gewaltenteilung in zwei Kammern (Kongress und Senat).
b) Historischer Kontext
Die Verfassung wurde sechs Jahre nach der demokratischen Verfassung von 1869 entworfen. Sie diente als gesetzliche Grundlage, um dem politischen System Stabilität zu verleihen und eine lange Laufzeit zu gewährleisten, ungeachtet der politischen Schwankungen während ihrer Geltungsdauer.
c) Analyse der Artikel 11, 13 und 19
- Artikel 11: Legt die Konfessionalität des Staates fest und gewährt Religionsfreiheit, verbietet jedoch öffentliche Demonstrationen anderer Konfessionen (Toleranz der Anbetung).
- Artikel 13: Garantiert die Meinungsfreiheit ohne vorherige Zensur sowie das Versammlungs-, Vereinigungs- und Petitionsrecht.
- Artikel 19: Regelt die legislative Gewaltenteilung zwischen den beiden Kammern, dem Kongress und dem Senat.
Frage 2: Das canovistische System
a) Entstehung und Funktionsweise
Das canovistische System entstand mit der Rückkehr von Alfons XII., maßgeblich vorbereitet durch Cánovas del Castillo. Es orientierte sich am britischen Modell und basierte auf einer geteilten Souveränität zwischen dem König und den Cortes. Die Verfassung von 1876 war eine Synthese der Verfassungen von 1845 und 1869.
Ein wesentliches Merkmal war der friedliche Machtwechsel (Turnismo) zwischen zwei dynastischen Parteien:
- Konservative Partei: Unter der Führung von Cánovas, unterstützt durch Unionisten, das industrielle Bürgertum und die katholische Hierarchie.
- Liberale Partei (Fusionisten): Unter der Führung von Sagasta, unterstützt durch progressive Demokraten sowie das kleine und mittlere Bürgertum.
Ab 1881 wurden auch Oppositionsparteien legalisiert (z. B. Republikaner, Sozialisten/PSOE, Karlisten), deren Einfluss jedoch aufgrund des Caciquismus begrenzt blieb.
b) Verzerrung des Wahlsystems und Caciquismus
Zwischen 1876 und 1899 gewannen die Konservativen sechs und die Liberalen vier Wahlen. Im Gegensatz zum britischen System war dieser Wechsel jedoch nicht das Ergebnis freier Wahlen. Das System funktionierte wie folgt:
- Wenn eine Regierung das Vertrauen verlor, löste der König die Cortes auf.
- Der neue Präsident rief Wahlen aus, deren Ergebnis bereits im Vorfeld durch das Innenministerium festgelegt wurde.
- Die Zivilgouverneure setzten diese Vorgaben durch den Caciquismus (lokale Einflussnahme) um.
- Durch Wahlfälschungen (tupinadas), wie das „Stimmen der Toten“ oder die Manipulation der Auszählung, wurde der Wählerwille systematisch unterdrückt.