Die Anfänge der kastilischen Prosa und Literatur
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Die Anfänge der kastilischen Prosa
Bis zur Herrschaft von Alfonso X. wurde das Kastilische lediglich für die mündliche Kommunikation in vertrauten Situationen als gültig erachtet, während Latein als Sprache der Gelehrten galt. Die ersten Nachweise des Kastilischen finden sich in den Glossen der Klöster Santo Domingo de Silos (Burgos) und San Millán de la Cogolla (La Rioja) aus dem 10. Jahrhundert. Diese enthalten kurze Notizen in kastilischer Sprache, um lateinische Stellen zu übersetzen, die damals schwer verständlich waren. Ab 1250 begannen Übersetzungen orientalischer Werke aus dem Arabischen ins Kastilische.
3.1 Die Schule von Alfons X.
König Alfonso X. der Weise versammelte an seinem Hof Gelehrte, die Hebräisch, Arabisch und Latein beherrschten, um das Wissen seiner Zeit zu systematisieren und ins Kastilische zu übersetzen. Dies führte dazu, dass das Kastilische erweitert und umgebaut wurde, um seine neue Rolle als Amts- und Literatursprache zu erfüllen. Neben der Wissensvermittlung an jene, die kein Latein beherrschten, begünstigte dies die Säkularisierung der Kultur.
A) Die Arbeitsweise
König Alfonso X. schrieb seine Werke nicht persönlich, sondern leitete das Expertenteam und überwachte die Ergebnisse. Die Schule sammelte lateinische, arabische und jüdische Quellen, übersetzte diese ins Kastilische und unterzog sie einer stilistischen Revision, bei der Rechtschreibung korrigiert, Doppelungen eliminiert und Quellen innerhalb eines Buches zusammengeführt wurden.
B) Werke von Alfonso X.
- Recht: Las Siete Partidas (Die sieben Teile), eine umfassende Gesetzessammlung der Zeit.
- Geschichte: Estoria de España (Chronik von Spanien).
- Wissenschaft: Libros del saber de astronomía (Bücher über das Wissen der Sterne).
- Unterhaltung: Libro de los juegos (Das Buch der Spiele).
Die Arbeit von Alfonso X. legte den Grundstein für die kastilische Prosa.
Don Juan Manuel
Als ehrgeiziger Adliger und Neffe von Alfonso X. verkörperte Don Juan Manuel das Ideal des Gelehrten, der sowohl die Waffen als auch die Feder führte. Sein Werk ist von moralischer und didaktischer Absicht geprägt. Er behandelte seine Quellen mit einer gewissen Freiheit und entwickelte einen einzigartigen, klaren und prägnanten Stil.
a) Der Graf Lucanor
Das um 1335 geschriebene Buch basiert auf Gesprächen zwischen dem Grafen Lucanor und seinem Berater Patronio. Es ist in fünf Teile gegliedert, wobei die 51 Erzählungen den Kern bilden. Jede Geschichte folgt einer festen Struktur: Der Graf schildert ein Problem, Patronio erzählt eine belehrende Geschichte, und am Ende zieht der Graf eine Lehre, die in einem moralischen Zweizeiler zusammengefasst wird.
Die Erzähldichtung: Mester de Clerecía
Im 13. Jahrhundert entstand mit dem Mester de Clerecía eine neue, bewusste Schule der Poesie. Die Geistlichen schrieben keine einfachen Übersetzungen, sondern schufen kreative Werke mit dem Ziel, zu moralisieren und zu lehren. Sie verwendeten die Cuaderna vía, eine Strophenform aus vier Versen mit je vierzehn Silben und einem durchgehenden Reim (AAAA).
4.1 Mester de Clerecía des 13. Jahrhunderts
Zu den bedeutenden Werken gehören das Libro de Apolonio, das Poema de Fernán González und das Libro de Alexandre.
a) Gonzalo de Berceo
Er ist der erste Dichter, dessen Name bekannt ist. Trotz seines einfachen Stils zeugt sein Werk von profunden Kenntnissen der Rhetorik und lateinischer Literatur. Seine didaktische Absicht war oft mit Propaganda für das Kloster San Millán de la Cogolla verbunden.
b) Milagros de Nuestra Señora (Wunder der Jungfrau)
Dieses Werk ist der Höhepunkt des Mester de Clerecía im 13. Jahrhundert. Es ist eine Sammlung von zwanzig Kurzgeschichten. Berceo verlieh den Erzählungen durch Dialoge, alltägliche Details und persönliche Kommentare Lebendigkeit und machte die Jungfrau Maria als menschliche, nahbare Figur erlebbar.
Mester de Clerecía des 14. Jahrhunderts
Das Libro de buen amor (Buch der guten Liebe) ist das bedeutendste Werk des 14. Jahrhunderts und zeigt deutliche Veränderungen gegenüber dem vorigen Jahrhundert.
a) Die Absicht von Juan Ruiz, Erzpriester von Hita
Das Werk ist von Zweideutigkeit geprägt. Während der Autor im einleitenden Teil eine moralische Absicht betont, bleibt die Interpretation aufgrund der humorvollen und weltlichen Inhalte komplex.
b) Struktur und Stil des Buches der guten Liebe
Das Werk zeichnet sich durch große Vielfalt aus:
- Eine fiktive Autobiografie über die Liebe.
- Nachahmungen antiker Komödien (z. B. die Geschichte von Don Melón und Doña Endrina).
- Allegorische Kämpfe (z. B. zwischen Don Carnal und Doña Cuaresma).
- Tierfabeln und moralisierende Abschweifungen.
- Religiöse Gedichte und Liebeslyrik.
Der Stil von Juan Ruiz ist geprägt von Sprichwörtern, Wortspielen, Zweideutigkeiten und Humor.