Apologetik und Augustins Lehre von der Formation
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Die Haltung der Apologeten zur Philosophie
Das Verhalten der Apologeten im Zusammenhang mit der Philosophie und ihre jeweiligen Vertreter lassen sich in zwei Hauptströmungen unterteilen:
- 1) Freundliche Haltung: Einige Apologeten (in der Regel die griechischen Väter genannt) zeigten Respekt gegenüber der Philosophie. Sie schätzten die Bemühungen der Philosophen um eine Annäherung an die Wahrheit. Einige betrachteten die Philosophie sogar als Vorläuferin des christlichen Glaubens und übernahmen Teile ihrer Thematik und ihres Vokabulars, um die christliche Doktrin zu erklären.
- 2) Ablehnende Haltung: Im Gegensatz dazu steht die Einstellung anderer (wie Tertullian und bestimmte lateinische Väter). Besorgt um die Wahrung der Reinheit der Botschaft des Evangeliums, betonten sie die radikale Unvereinbarkeit zwischen der Philosophie und der christlichen Offenbarung.
Diese zwei Einstellungen haben sich im Laufe der Geschichte wiederholt und sollten, relativ betrachtet, auch heute noch bedacht werden.
Justin der Märtyrer (100–165 n. Chr.)
Justin wurde in Sichem (Samaria) geboren und widmete sich leidenschaftlich der Philosophie. Er betrieb mehrere Schulen, war jedoch mit keiner zufrieden. Nach der Entdeckung des Evangeliums fand er die Antwort auf seinen Willen zur Wahrheit: Das Evangelium war für ihn die wahre Philosophie.
Fortan konzentrierte er sich mit aller Kraft darauf, diesen Glauben zu lehren und zu verteidigen. Er reiste in mehrere Länder, bis er in Rom eine Schule gründete. Als vorbildlicher Christ starb er schließlich für seinen Glauben; die Kirche verehrt ihn als Heiligen. Justin repräsentiert die freundliche Haltung gegenüber der Philosophie. Er lehnte sie nach seiner Bekehrung nicht ab, sondern erkannte an, dass die Philosophie durch die Vernunft viele Wahrheiten entdecken kann. Dennoch behauptete er, dass der christliche Glaube eine Form des überlegenen Wissens sei, welche die Fülle der Wahrheit offenbart und die Echtheit philosophischer Wahrheiten garantiert.
Tertullian (160–240 n. Chr.)
Tertullian wurde in Karthago geboren. Nach seiner Konversion zum Christentum wurde er zu einem seiner stärksten und radikalsten Befürworter. Dies ging so weit, dass er sich den Montanisten anschloss (einer abweichenden Sekte), da ihm die moralische Lehre der Kirche nicht streng genug erschien.
Er repräsentiert die gegenteilige Einstellung zur Philosophie. Er verachtete die vorherrschenden Denkweisen seiner Zeit (Platonismus, Stoa usw.) und vertrat die Ansicht, dass die antiken Philosophen gegenüber der durch Christus offenbarten Wahrheit nichts beizutragen hätten. Für ihn ist das Evangelium das einzig Notwendige; Sokrates und Platon sind für ihn lediglich Führer, die in die Irre führen. Von ihm stammt der berühmte Satz: "Credo quia absurdum" (Ich glaube, weil es absurd ist), der einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen christlichem Glauben und Vernunft ausdrückt. Die Kirche betrachtet diese extreme Haltung als falsch.
Das zweite Licht: Beleuchtung und Formation
Die Beleuchtung oder Ausbildung leitet sich vom „zweiten Licht“ ab und besteht aus den Formen, die einzelne Personen im Ausdruck und Handeln annehmen. Dies zeigt sich in Körper und Geist:
Natürliche oder körperliche Organisationen
Diese sind notwendig und vorgegeben. Die körperliche Gestalt unterliegt einer auferlegten Notwendigkeit und einem Determinismus. Materielle Wesen handeln nach erforderlichen Gesetzen. Die körperliche Form ist der Grund dafür, dass ein Körper in Raum und Zeit ausgedehnt ist (z. B. ist die Form eines Pferdes der Grund für sein Aussehen sowie für sein Wiehern, Galoppieren usw.). Die schönen Formen und geordneten Bewegungen der Körper sind das Ergebnis und der Ausdruck der eingeprägten Zahlen, die alle Handlungen bestimmen.
Geistige Wesen und die Freiheit
In spirituellen Wesen (wie der menschlichen Seele) sind ethische Fragen nicht zwingend vorgegeben. Die Regulierung des sittlichen Handelns ist nicht determiniert. Somit ist die Beleuchtung oder Ausbildung, die sie widerspiegeln, frei und persönlich. Sie kann je nach Wahl der Person positiv oder negativ ausfallen.
1. Positive Option: Die Umwandlung (Conversio)
Eine positive Entscheidung nannte Augustinus Umstellung (Conversio oder „nach innen wenden“), weil der Mensch sich seiner eigenen Natur zuwendet, also „er selbst ist“. Dadurch erreicht er die Aufklärung oder Schulung und wird zu einer geformten und perfekten Kreatur. Dies ist der Fall des Menschen, der Gott mit wahrem Wissen erkennt und ihn mit wahrer Liebe liebt. Er ist somit klug, glücklich, frei und folgt dem Prinzip, das Gott ist.
2. Negative Option: Die Abneigung (Aversio)
Bei der negativen Option tritt stattdessen die Abneigung (Aversio) ein, weil der Mensch sich von seiner eigenen Natur abwendet und „nicht er selbst ist“. Dadurch wird der Mensch der zweiten Bildung beraubt und zu einem deformierten Kind. Dies ist der Fall des Menschen, der sich selbst über Gott liebt. Er ist bedauerlich, entfremdet von sich selbst und Gott und lebt in der Region der Unähnlichkeit. Er kann jedoch durch die Gnade (Hilfe) Gottes mittels einer neuen Umwandlung neu formiert werden.