Die Ära Franco: Institutionalisierung und Wirtschaftswunder

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1. Die Organe und die Festigung des Regimes

1.1 Die Institutionalisierung

Im April 1937 erfolgte unter Franco die Vereinigung der Falangisten zur Schaffung der FET y de las JONS (Falange Española Tradicionalista y de las Juntas de Ofensiva Nacional Sindicalista), deren Anführer Franco war. Ihre Statuten wurden von den berühmten 27 Punkten der Falange inspiriert, mit einer Ideologie, die dem europäischen Faschismus nahestand. Die Lehre basierte auf dem offiziellen Einheitsstaat und nutzte neue Symbole wie das blaue Hemd, die rote Mütze der Karlisten und den faschistischen Gruß.

  • Die Idee der Einheit Spaniens
  • Die Ablehnung der Verfassung von 1931
  • Die Ablehnung von Liberalismus und Kommunismus

a) Die Phase von 1938 bis 1942

Franco übernahm die verfassungsmäßige Rolle und erließ eine Reihe von Gesetzen sowie eine Wirtschafts- und Sozialpolitik, die dem europäischen Faschismus sehr nahestand. Diese werden als Grundgesetze der Bewegung bezeichnet:

  • Arbeitsstatut (Fuero del Trabajo), 1938: Nach dem Vorbild faschistischer Organisationen wurde eine einzige, von der Falange kontrollierte Gewerkschaft eingerichtet. Es entstanden die sogenannten vertikalen Gewerkschaften; Streiks wurden als Verbrechen eingestuft.
  • Gesetz über die Konstituierung der Cortes, 1942: Die Cortes (Parlament) wurden geschaffen, besaßen jedoch keine parlamentarische Initiative. Franco bereitete die Gesetzgebung vor und behielt die oberste gesetzgebende Gewalt. Viele Abgeordnete (Procuradores) wurden von Franco ernannt, darunter Bürgermeister von Hauptstädten und Gewerkschaftspräsidenten. Dies war ein ernsthafter Versuch, das System durch die Schaffung einer traditionellen Institution zu institutionalisieren.

b) Entwicklungen seit 1943

Ab 1943 begann das Modell Francos, von rein faschistischen Formen abzuweichen, und schuf die sogenannte organische Demokratie. Diese Formen wirkten nach außen hin demokratisch, waren es aber real nicht. Folgende Gesetze wurden erlassen:

  • Spanisches Grundgesetz (Fuero de los Españoles), 1945: Eine theoretische Erklärung von Rechten und Pflichten, vergleichbar mit liberalen Ländern (Gleichheit vor dem Gesetz, Habeas Corpus, Meinungs- und Vereinigungsfreiheit), doch diese Rechte blieben in der Praxis wirkungslos.
  • Nationales Referendumsgesetz, 1945: Dieses Gesetz erlaubte es dem Staatsoberhaupt, Volksabstimmungen einzuberufen.
  • Nachfolgegesetz des Staatsoberhauptes, 1947: Franco erklärte, dass er Staatsoberhaupt auf Lebenszeit sei und das Recht habe, seinen Nachfolger zu ernennen. Es wurde festgelegt, dass Spanien nach seinem Tod wieder eine Monarchie werden würde.

c) Die endgültige Institutionalisierung des Regimes

  • Gesetz über die Grundprinzipien der Nationalen Bewegung, 1958
  • Organisches Staatsgesetz, 1967: Der Staat behauptete, sich durch das Staatsoberhaupt eine neue spanische Verfassung gegeben zu haben.
  • Es wurde die Trennung der Ämter des Staatsoberhauptes und des Regierungschefs vorbereitet, wobei Franco zunächst beide Positionen behielt.
  • Eine Neuerung waren die Familien-Abgeordneten (Procuradores familiares).
  • Die Cortes erweiterten ihre gesetzgeberische Funktion, kontrollierten jedoch nicht die Exekutive. Das Gesetz wurde in einem nationalen Referendum mit 85,5 % der Stimmen angenommen.

1.2 Die Konsolidierung des Regimes von 1957 bis 1969

a) Technokratie und der Einfluss des Opus Dei

Ab den späten 1950er-Jahren erlebte Spanien zwei wesentliche Änderungen: wirtschaftliche Entwicklung und sozialen Wandel. Trotz der Dominanz der Technokraten (oft Mitglieder des Opus Dei) blieb die alte Falange bestehen, was zu internen Machtkämpfen führte. 1958 wurde das sechste Grundgesetz verabschiedet. Im Jahr 1969 wurde die Nachfolge Francos geregelt, indem Prinz Juan Carlos zu seinem Nachfolger ernannt wurde.

b) Die politische Strategie der Öffnung

Obwohl Technokraten die Politik dominierten, gab es andere Gruppen: die Hardliner (Bunker) und die Reformer (Aperturistas), angeführt von Fraga und Solís. Beide waren Minister und versuchten, das System auf die Nachfolge vorzubereiten. 1969 erschütterte der Matesa-Skandal (ein Finanz- und Industrieskandal) das Vertrauen in die Technokraten und das Opus Dei, was die Konfrontation zwischen den Lagern verschärfte.

c) Außenpolitik

Seit der Gründung der EWG 1957 setzten sich die Technokraten für einen Beitritt Spaniens ein. Dieser war jedoch erst 1986 möglich. Die Forderung nach der Rückgabe von Gibraltar wurde zu einem ständigen Symbol der spanischen Außenpolitik.

2. Wirtschaftswachstum und sozialer Wandel 1959–1975

2.1 Der Stabilisierungsplan und das Wirtschaftswachstum

a) Der Stabilisierungsplan von 1959

Spaniens Wirtschaftswachstum konnte nicht ohne Auslandskontakte stattfinden; das Land musste Ausrüstungsgüter und Energieprodukte importieren. 1957 stand die Wirtschaft am Rande des Bankrotts. 1959 wurde der Stabilisierungsplan genehmigt, die wirtschaftlich bedeutendste Maßnahme der Ära Franco. Der Plan hatte drei Ziele: Preisstabilität, Flexibilisierung der Binnenwirtschaft und Liberalisierung der Außenwirtschaftsbeziehungen.

Der Plan beinhaltete:

  • Schaffung eines stabilen Wechselkurses der Peseta gegenüber anderen Währungen.
  • Reduzierung der öffentlichen Ausgaben und Einfrieren der Beamtenlöhne.
  • Lohnzurückhaltung zur Inflationsbekämpfung.
  • Liberalisierung von Importen und Förderung von Exporten.
  • Stimulation ausländischer Investitionen (außer in der Rüstungsindustrie und im Informationssektor).

Die unmittelbaren sozialen Folgen waren hart, aber dies war der Preis für die Sanierung der Wirtschaft. Nach einer kurzen Rezession ermöglichte der Plan die größte Wachstumsphase in der Geschichte Spaniens.

b) Die Entwicklungspläne

Parallel zum Wachstum wurden Entwicklungspläne erstellt, um die Ansiedlung ausländischer Unternehmen zu beschleunigen. Ein zentrales Element war die Schaffung von Entwicklungspolen (Polos de Desarrollo) in strukturschwachen Regionen.

c) Das spanische Wirtschaftswunder

Diese Phase war gekennzeichnet durch:

  • Eine Verdopplung des Pro-Kopf-Einkommens zwischen 1960 und 1970.
  • Modernisierung aller Wirtschaftsbereiche durch neue Technologien, insbesondere im industriellen Sektor.

Negative Aspekte des Modells:

  1. Starke regionale Ungleichgewichte: Während Industriezentren boomten, wurden andere Gebiete entvölkert.
  2. Ein durch das rasche Wachstum erzwungenes Modell der Landflucht.
  3. Die wirtschaftliche Bilanz blieb anfällig, da teure Güter wie Maschinen und Erdöl importiert werden mussten.

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